Evolution Fastfood der Urzeit: Warum der T.rex so stark wurde

  • von Jonas Filip Lüth
Ökosystem des Dry-Mesa-Dinosaurier-Steinbruchs im heutigen US-Bundesstaat Colorado vor etwa 150 Millionen Jahren (Illustration)
Ökosystem des Dry-Mesa-Dinosaurier-Steinbruchs im heutigen US-Bundesstaat Colorado vor etwa 150 Millionen Jahren (Illustration)
© Sergey Krasovskiy; Pedro Salas / dpa
Sauropoden-Kinder gehörten im Erdzeitalter des Jura zur wichtigsten Beute großer Raubsaurier. Als sie verschwanden, brachte die Evolution den gewaltigen Tyrannosaurus Rex hervor  

Pflanzenfressende Sauropoden, die größten Saurier aller Zeiten, waren vermutlich zu unbeholfen, um ihren Nachwuchs großzuziehen – die Riesen hätten ihre Kinder bei der Sorgearbeit leicht zertreten oder zerquetschen können. Wie frisch geschlüpfte Meeresschildkröten wuchsen die Sprösslinge der Giganten wohl alleine auf und waren ihren Feinden schutzlos ausgeliefert. Im späten Jura entwickelten sich die Riesenbabys vermutlich zu einer wichtigen Beute für zweibeinige Fleischfresser wie den Allosaurus.

Zu dieser Erkenntnis gelangt eine neue Studie des University College London (UCL). Die Paläontolog*innen analysierten Fossilien aus dem Dry-Mesa-Dinosaurier-Steinbruch im US-Bundesstaat Colorado, die sich vor rund 150 Millionen Jahren abgelagert hatten. Die Funde in den Gesteinsschichten erlauben Rückschlüsse darauf, wer im späten Jura wen – und was – gefressen haben könnte.

Ausgewachsene Pflanzenfresser waren zu wehrhaft

Im Stein verewigt fand sich so der Speiseplan einer ganzen Epoche: Eine wichtige Nahrungsquelle der Fleischfresser waren offenbar die Kinder der vegetarischen Giganten.

"Ausgewachsene Sauropoden wie der Diplodocus und Brachiosaurus waren länger als ein Blauwal. Wenn sie über die Erde gingen, bebte der Boden. Ihre Eier aber waren nur etwa 30  Zentimeter breit, und nach dem Schlüpfen brauchten ihre Nachkommen viele Jahre, um zu wachsen", erklärt Dr. Cassius Morrison, Hauptautor der Studie.

Das machte sie zum idealen "Fastfood" für große Fleischfresser wie den Allosaurus. Für die Carnivoren war es wohl oft schwer, große Beutetiere zu erlegen, darauf deuten Verletzungen an ihren Fossilen hin, einst verursacht von großen Pflanzenfressern. Da das Ökosystem im Jura jedoch einen Überfluss an Sauropoden-Nachwuchs bereit hielt, vermuten die Forscher, dass dies den Fleischfressern half, selbst schwer verletzt zu überleben. In ihren Mägen entdeckten sie die Überreste der Jungtiere.

70 Millionen Jahre später, in der Kreidezeit, waren die riesigen Sauropoden größtenteils verschwunden – und damit auch die leicht zu jagenden Jungtiere. 

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Der Tyrannosaurus Rex gilt als König der Raubsaurier, nur selten gelangte er wohl an leichte Beute
© Istockfotos / Getty Images

In die ökologische Nische der Spitzenprädatoren drängte ein entfernter Cousin des Allosaurus: Tyrannosaurus Rex. Die Forscher nehmen an, dass das Fehlen von leichter Beute entscheidend zur körperlichen Kraftentwicklung des Königs der Raubsaurier beitrug. Stärkerer Biss, schärfere Augen, größere Statur bei gleichzeitig verblüffender Wendigkeit. Der Tyrannosaurus stellte den Allosaurus in den Schatten – und das wohl vor allem, indem er sich an die gefährlichere Beute der Kreidezeit anpasste.

So wurden die verfügbaren Beutetiere ein entscheidender Motor für die Evolution des Tyrannosaurus Rex, einem der kraftvollsten Landraubtiere der Erdgeschichte.