Ergreift eine Japanische Süßwasserkrabbe die Flucht, tut sie das, natürlich, im Krabbengang: seitwärts und die Scheren bedrohlich in die Höhe gereckt. Aber wann hat sich diese ikonische Bewegung evolutionär entwickelt? Und warum?
Diese Fragen stellte sich auch Yuuki Kawabata. Der Meeresbiologe und sein Team untersuchten 50 verschiedene Krabbenarten, setzten sie dafür in naturgetreue Gehege und filmten jede Krabbe zehn Minuten lang. Zuvor hatten die Forschenden Parameter festgelegt, nach denen sich die Krabben nun sortieren ließen. 35 bewegten sich seitwärts, 15 flitzten vorwärts.
Anschließend machten sich die Forschenden eine kürzlich veröffentlichte Stammbaumdarstellung zunutze, in der die evolutionären Verwandtschaftsbeziehungen von Hunderten Krabbenarten abgetragen sind. Sie sortierten die untersuchten Krabben in das Schema und fanden tatsächlich ein Muster. In der Evolutionsgeschichte, schreiben Kawabata und seine Kolleg*innen, habe der Wechsel vom Vorwärts- und Seitwärtsgehen vermutlich nur einmal stattgefunden: vor etwa 200 Millionen Jahren. Das Team vermutet, dass der Seitwärtsgang sich als clevere Fluchtstrategie erwiesen hat, weil er für die selbst meist vorwärts strebenden Raubtiere unvorhersehbare Bewegungen darstellt.
Die Studie wurde noch nicht in einem Fachmagazin publiziert, erschien nun jedoch als "Reviewed Preprint": als ein von Fachkollegen begutachteter Vorabdruck. Das Manuskript liefere überzeugende Argumente dafür, heißt es in einem der Gutachten, dass die seitliche Fortbewegung nicht einfach ein Nebenprodukt des krabbenartigen Körperbaus ist – und damit quasi physiologisch erzwungen.
Ob der Krabbengang sich aber tatsächlich als reine Fluchtstrategie entwickelt hat, müssen wohl weiterführende Studien klären.