VG-Wort Pixel

USA Der fast ausgestorbene Kalifornische Kondor kehrt zurück

Er ist ein Gigant der Lüfte: Über bis zu drei Metern spannen die Flügel des Kalifornischen Kondors. Forscher und Tierschützer versuchen, den Vogel wieder in den USA anzusiedeln
Er ist ein Gigant der Lüfte: Über bis zu drei Metern spannen die Flügel des Kalifornischen Kondors. Forscher und Tierschützer versuchen, den Vogel wieder in den USA anzusiedeln
© San Diego Zoo Wildlife Alliance
Noch vor wenigen Jahrzehnten galt der Kalifornische Kondor in der Wildnis als ausgestorben. Heute leben wieder einige Hundert Exemplare in freier Natur. Die Chancen stehen gut, dass ihre Zahl in den nächsten Jahren weiter wächst

Im Erbgut des vom Aussterben bedrohten Kalifornischen Kondors spiegelt sich die Geschichte seiner Art wider. In prähistorischen Zeiten flogen demnach noch Zehn- bis Hunderttausende der riesigen Greifvögel über den amerikanischen Kontinent, berichten US-Forscher im Fachblatt "Current Biology". Ihre Zahl sank dann stetig, im 20. Jahrhundert schließlich dramatisch: 1982 wurden die letzten 22 freilebenden Vögel gefangen und in ein Zuchtprogramm aufgenommen. Dank der intensiven Artenschutzbemühungen leben heute wieder um die 300 Kondore in Freiheit, etwa 200 weitere in Zoos und Zuchtstationen.

Die Forscher um Jacqueline Robinson von der University of California hatten das Erbgut des Kalifornischen Kondors (Gymnogyps californianus) analysiert. Wie die Untersuchung zeigt, sind die Kondore zumindest genetisch für die Zukunft gut gerüstet. Ihr Erbgut ist vielfältig und variantenreich. Anders gesagt: Die Vögel haben einen reichhaltigen genetischen Fundus, der ihnen bei der Anpassung an neue Lebensräume oder veränderte Umweltbedingungen helfen dürfte.

Warum die Zahl der Kondore schon in prähistorischen Zeiten sank, ist unklar

Für eine Art, die zwischenzeitlich in freier Natur ausgestorben war, sei das ungewöhnlich, schreiben die Forscher. "Der relativ hohe Grad an Diversität bei Kondoren heute ist ein Erbe ihrer hohen historischen Populationsgrößen", erläutert Robinson in einer Mitteilung von Cell Press. Die Inzucht, also die Paarung eng verwandter Tiere, infolge des starken Populationsrückgangs habe nur wenige Spuren im Erbgut hinterlassen.

Warum die Zahl der Kondore schon in prähistorischen Zeiten - in der Zeit vor 10 000 Jahren - sank, ist unklar. Einen ähnlichen Trend sahen die Forscher auch beim Andenkondor (Vultur gryphus) sowie beim Truthahngeier (Cathartes aura), deren Genome die Forscher zum Vergleich analysiert hatten. Einer Hypothese zufolge hat das Verschwinden großer Tiere, von deren Kadavern sich die Greifvögel ernähren, am Ende des Pleistozäns damit zu tun. Ihre aktuellen Daten deuteten aber darauf hin, dass die Populationen schon vorher schrumpften, schreiben die Forscher.

Der Kalifornische Kondor war vom Aussterben bedroht - jetzt zeigen die Aufzuchtprogramme von Wissenschaftlern in den USA erste Erfolge
Der Kalifornische Kondor war vom Aussterben bedroht - jetzt zeigen die Aufzuchtprogramme von Wissenschaftlern in den USA erste Erfolge
© San Diego Zoo Wildlife Alliance

Im 20. Jahrhundert starben viele Kondore an einer Bleivergiftung

Im 20. Jahrhundert ging es dann rapide bergab. Viele Tiere starben an einer Bleivergiftung. Das Schwermetall steckte in Jagdmunition, beim Fressen erlegter Tiere nahmen es die Tiere auf. Auch die Jagd auf die Kondore selbst sowie der Verlust ihrer Lebensräume ließ die Populationen dramatisch schrumpfen. Schließlich überlebten nur noch wenige Tiere an der Pazifik-Küste, wo sie sich von den Kadavern mariner Säugetiere ernähren konnten.

Schließlich wurden die letzten freilebenden Exemplare gefangen und in ein Zuchtprogramm aufgenommen. Von 1987 bis 1992 galt der Kalifornische Kondor daraufhin als in freier Wildbahn ausgestorben. Zum Glück für die Artenschützer vermehrten sich die Vögel erfolgreich in Gefangenschaft, so dass zwischen 1992 und 2019 nach Angaben des United States Fish and Wildlife Service insgesamt 287 Kondore in die Freiheit entlassen werden konnten.

Allein die Tatsache, dass ihr Erbgut eine hohe Variabilität aufweist, werde die Kalifornischen Kondore nicht vor dem Aussterben bewahren, betonen die Forscher. Aber die Vögel pflanzten sich natürlich fort und erweiterten ihr Verbreitungsgebiet, die Wiederansiedlung von Kondoren an weiteren Orten ihres früheren Territoriums sei geplant. "Die jahrzehntelangen Bemühungen, das Aussterben des Kalifornischen Kondors zu verhindern, waren bisher kostspielig, aber erfolgreich, und die Zukunft sieht rosig aus, wenn die aktuellen Trends anhalten."

Anja Garms, dpa

Mehr zum Thema