Forschende warnen Ewigkeitschemikalie TFA breitet sich aus – mit Folgen für Mensch und Umwelt

Fluss im Winter
In deutschen Gewässern wird TFA seit Jahren nachgewiesen 
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Ein Problem gelöst - und dabei ein anderes geschaffen: Für die Ozonschicht schädliche Stoffe wurden ersetzt, doch auch diese Substanzen haben wohl unerwünschte Folgen

Man sieht sie nicht, man riecht sie nicht – doch Trifluoressigsäure (TFA) kann viel Schaden anrichten. Und einmal da, ist sie kaum wegzubekommen. TFA ist eine sogenannte Ewigkeitschemikalie, die sich einer in der Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" veröffentlichten Studie zufolge in den vergangenen Jahrzehnten in enormem Ausmaß auf der Erde verbreitet hat. Behörden warnen vor Folgen sowohl für Menschen als auch für die Umwelt.

So bewertet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) TFA als wohl gefährdend für die Fruchtbarkeit und im Fall einer Schwangerschaft möglicherweise schädlich für das ungeborene Kind im Mutterleib. Entscheidend sei die jeweilige Menge des Stoffes. In deutschen Gewässern wird TFA nach Angaben des Instituts seit Jahren nachgewiesen – Tendenz steigend. Dem Umweltbundesamt zufolge ist TFA mittlerweile eigentlich überall zu finden: im Ozean, in Flüssen, Seen, Grundwasser, Böden, Feldfrüchten, Tee, Bier und Leitungswasser.

Ein Problem gelöst – ein anderes geschaffen

Die Krux: Das Problem ist deshalb so groß geworden, weil man ein anderes lösen wollte. Die Stoffe, bei deren Zerfall TFA entsteht, werden als Ersatz für FCKW eingesetzt, also für jene Stoffe, die mittlerweile verboten sind, weil sie extreme Schäden an der Ozonschicht der Erde verursachten. Die Bekämpfung dieses Problems gilt als Erfolgsgeschichte: Seit FCKW nicht mehr eingesetzt werden, hat sich die Ozonschicht deutlich erholt. 

Wo früher FCKW zum Einsatz kamen, werden heute oft andere fluorierte Alternativen verwendet – etwa in Kältemitteln oder Schaumstoffen. Diese zersetzen sich teilweise zu TFA. Auch Pestizide, Medikamente und manche industrielle Prozesse sorgen dafür, dass sich TFA in der Atmosphäre bildet. Über Niederschläge gelangt die Substanz auf die Erde.

Hunderttausende Tonnen des Stoffes in der Umwelt

Forscher der britischen Lancaster University haben mit einem internationalen Team, darunter Beteiligte der Universität Frankfurt, nach eigenen Angaben erstmals das Ausmaß berechnet, in dem TFA in den vergangenen Jahrzehnten auf die Erde gelangt ist. Sie modellierten unter anderem Atmosphärendaten, werteten Messdaten von arktischen Eiskernen sowie Regenwasser aus und kommen zu dem Schluss: Zwischen 2000 und 2022 sind etwa 335.500 Tonnen TFA aus der Atmosphäre auf die Erdoberfläche gelangt.

"Unsere Studie zeigt, dass FCKW-Ersatzstoffe wahrscheinlich die dominierende atmosphärische Quelle für TFA sind", erklärt die federführende Autorin, Lucy Hart. Dies zeige die Risiken, die berücksichtigt werden müssten, wenn man reguliere, welche Stoffe statt der ozonschädigenden FCKW zum Einsatz kommen dürften.

Der Höhepunkt ist noch nicht erreicht

Seit die Gefahren von TFA bekannter sind, werden Zulassungsverfahren geprüft. Deutsche Behörden setzen sich für einheitliche Beschränkungen auf europäischer Ebene ein. 

Trotz dieser Entwicklungen stehe der Höhepunkt der TFA-Konzentration erst noch bevor, schreiben die Studienautoren. Er werde mutmaßlich im Laufe des derzeitigen Jahrhunderts erreicht. Die Bezeichnung Ewigkeitschemikalie kommt nicht von ungefähr – Stoffe wie TFA halten sich für sehr, sehr lange Zeit in der Umwelt.

Larissa Schwedes