Ein Tag in Cádiz

Reisebericht

Ein Tag in Cádiz

Reisebericht: Ein Tag in Cádiz

Ich zeige dem Leser einen Blick auf meine Stadt Cádiz.

Ein Tag in Cádiz

Vor uns liegt ein Tag, der gemacht ist für einen Ausflug nach Cádiz. Nicht zu viel Sonne, ein leichter Wind und Appetit auf fangfrischen Fisch!
Von Chiclana aus fährt man über die N 340 etwa 40 Minuten nach Cádiz.
Von San Fernando aus führt die Straße über eine schmale Landzunge auf die Stadt zu, die fast ganz vom Wasser des Atlantiks umschlossen ist.
Die Stadt kann auf eine mehr als dreitausendjährige Geschichte zurückschauen. Erinnerungen an diese Zeit können Sie im Archäologischen Museum besichtigen. Ich möchte Ihnen heute mein Cádiz vorstellen.
Die große und breite Hauptstraße, die durch die Neustadt führt ist gesäumt von großen und stattlichen Häusern. Viele Schaufenster kleiner und mittelgroßer Geschäfte reihen sich aneinander, dazwischen immer wieder kleine Bars und erstaunlich viele Banken. Nein, nicht zum Verweilen. Ich meine Kreditinstitute! Außerdem findet man hier das Krankenhaus der Stadt. Das mächtige Gebäude, das man von weit her an den vielen Antennen auf dem Dach erkennen kann gehört der Policia National, aber auch zahlreiche Schulen und kleine Kirchen kann der interessierte Besucher entdecken.
Die Avenida de Andalucia, so heißt die Straße auf dem letzten Teilstück, endet auf der Plaza de la Constitución. Vor uns liegt jetzt die Puertas de Tierra. Ursprünglich der einzige Zugang zur Stadt, erbaut im 17.Jahrhundert. Das Portal aus weißem Marmor ist schon ein Foto wert. Dahinter beginnt die Altstadt. Teilweise fahren wir noch auf altem Kopfsteinpflaster, das bestimmt vieles zu erzählen hätte.
Um in das Zentrum der Stadt zu gelangen gibt es zwei Möglichkeiten.
Gleicht hinter dem Stadttor teilt sich die Straße. Wir wählen heute die Strecke, die links an der Stadt vorbei führt. Nach etwa 200 Meters ist die erste Einfahrt in die Tiefgarage, die sich unter einem Teil der Altstadt befindet, zu sehen. In zwei Ebenen parken die Autos und warten sicherlich sehnsüchtig auf ihre Fahrer, denn die Luft ist nicht gerade einladend hier unten.
In der Hand meine Markttasche verlassen wir die Tiefgarage und der erste Blick führt an diesem Morgen, wie an jedem Morgen, den wir nach Cádiz fahren, zum Meer hinaus. Das Wasser ist aufgerauht. Hinter der hohen Steinmauer liegen dicke Natursteine und Betonblöcke nebeneinander. Sie schützen die Stadt, wenn das Meer wieder einmal zeigt, wer stärker ist.

Links vor uns ragt die Kathedrale hervor. Ihre goldene Kuppel ist von weit her sichtbar. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt Cádiz. Gleich hinter uns beginnt das Labyrinth der Straßen und Gassen. In den meisten dieser Gassen hat wirklich nur der Fußgänger Platz. Das Kopfsteinpflaster erschwert das Laufen, bequeme Schuhe sind hier angebracht. Winzige Türen bilden Eingänge zu Häusern. Teilweise ist das Holz morsch, die Scharniere sind rostig und es entstehen eigenartige Geräusche beim Öffnen der Türen. Wirft man einen Blick nach oben entdeckt man manches Sonderbares! Vogelkäfige, in denen kleine Singvögel fröhlich umherspringen, so weit es ihnen der Platz erlaubt! Daneben hängt Wäsche zum Trocknen. Die Leinen sind teilweise quer über die Straße gespannt, von Haus zu Haus. Schmale und enge Balkone laden nicht wirklich zum Hinaustreten ein. Auf ihnen stehen Blumen in Töpfen oder in Gefäßen, die früher einmal alles andere verbargen. Kräftig rotblühende Geranien ranken an der Balustrade eines Balkons herab. Daneben steht eine leere Gasflasche. Sicherlich wird sie bald ausgetauscht werden. Gerüche unterschiedlichster Herkunft erreichen meine Nase. Nicht alle sind angenehm. Aus einem offen stehenden Fenster dringen Stimmen. Das Fernsehen berichtet über die Neuigkeiten des Tages. Fast überall gehört ein laufender Fernseher zum Alltag, egal ob man hinschaut oder nicht. Im nächsten Eingang liegen Mülltüten. Sicherlich hat sie ein Bewohner des Hauses dort abgelegt um sie bei nächster Gelegenheit in einem Container zu entsorgen. Die Straße ist naß. Nicht etwa weil es geregnet hat, sondern weil eine Anwohnerin unter Zuhilfenahme eines Wasserschlauches den Hauseingang gereinigt hat. An der nächsten Ecke stehen Händler. Sie haben eine Art Tapeziertisch aufgestellt. Darauf bieten sie ihre Waren an. Das Angebot kann nach Jahreszeit abweichen. Da sind zum Beispiel Schnecken im Juni, und Lorbeerblätter im Spätherbst. Auf der gegenüberliegenden Seite werden Textilien verkauft. Kinderbekleidung, T-Shirts, Jeansröcke. Ein anderer Stand präsentiert seine Auslage mit schallender Musik aus einem Kassettenrekorder, der noch aus einer anderen Zeit stammt. Man sieht Batterien, Armbanduhren und Feuerzeuge! Jetzt stehen wir vor der Mercado Central, der Markthalle! Sie befindet sich auf der Plaza Libertad, direkt neben dem Gebäude der Post, Correos!
Einige Steinstufen führen ins Innere. Lautes Gemurmel, ein Stimmenwirrwarr dringt an meine Ohren. Wir dringen ein und fühlen uns irgendwie geborgen.
Obst, Gemüse, Fleisch, Gewürze und natürlich Fisch! Im Zentrum der Markhalle reihen sich unzählige Händler aneinander, die ihre Waren anbieten. Viele dieser Sorten kenne auch ich nicht, noch nicht. Bei jedem Besuch in der Markthalle trauen wir uns, eine neue Gattung zu probieren. Bekannte werden Sie auf jeden Fall treffen. Zum Beispiel: Atún, Merluza, Sardinas, Lenguados, Besugo und Bacalao. Aber auch Boquerones neben Almejas, Langostinos, Truchas, Gambas und Calamres. Die Zubereitungsart erfragt man beim Händler. Dort wird der Fisch auch ausgenommen und entschuppt, soweit es erforderlich ist und der Fisch Schuppen hat! Ich habe auch schon eine Kundin am Stand gefragt, wie sie den diesen Fisch zubereitet. Besonders erfreut sind die Spanier dann, wenn sie bemerken, daß man Ausländerin ist!
Am Ende des Marktbesuches ist meine Tasche prall gefüllt mit lauter Kostbarkeiten.
Nur einen Steinwurf entfernt hinter der Markthalle landen wir auf der Plaza de las Flores. Wie der Name schon sagt, werden hier Blumen verkauft. Mehrere kleine Buden vor denen Eimer mit Schnittblumen in den unterschiedlichsten Farben stehen, verteilen sich auf dem kleinen Platz. In der Mitte steht ein Springbrunnen, auf dessen Rand immer einige Passanten verweilen. Kleine Cafés und Restaurants haben Tische und Stühle auf die Plaza gestellt. Man verweilt einen Augenblick, oder auch etwas länger, trinkt einen Cafelito, einen Café con leche oder einen Zumo. Danach geht es entspannt weiter. In jeder dieser kleinen Gassen, die sich anschließen, egal ob man rechts oder links geht, befinden sich kleine Geschäfte. Teilweise ist es im Inneren der Läden noch so wie vor etwa fünfzig Jahren. Bei jedem Besuch in Cádiz entdecke ich wieder einen neuen Laden, wieder eine neue Rarität, die es sich lohnt, näher zu erforschen.

Menschen gibt es überall. Teilweise ist es in den Gassen so eng, daß man sich aneinander vorbei schieben muß. Das liegt auch an den kleinen Gruppen, die sich bilden und einfach stehen bleiben. Freunde oder Bekannte, die sich zufällig treffen und sei es auch nur für einen kurzen Moment, verweilen um zu klönen, um Neuigkeiten auszutauschen. Mütter mit Kinderwagen genauso, wie Ältere. Dazwischen fährt der Postbote mit einem Karren die Post aus. Eigenwillige Personen sitzen am Boden um zu Betteln oder Musik zu machen. Andere verkaufen selbstgebastelten Schmuck aus Büroklammern. Keiner stört sich an der Enge. Nur einige, die es eilig haben, fallen auf. Beim näheren Betrachten erkennen wir in ihnen die Touristen. Schnell passieren sie die Gassen, um möglichst viel in kurzer Zeit zu erfahren. Ob sie die Schönheit dieser Stadt so wirklich erfahren?
Unser Weg führt langsam wieder in Richtung Parkhaus. Auf dem Heimweg werfen wir noch einen Blick auf den Stadtstrand. Im Sommer zieht es hier die „Cádizer“ hin. Man sieht sie aus den Hauseingängen kommen, bepackt mit Sonnenschirm und Liegen. Aber auch aus den Bussen und parkenden Autos wird das Nötigste geborgen und zum Strand geschafft. Man erholt sich, tankt Sonne, trifft Freunde und badet im klaren Wasser des Atlantiks. Nach jedem dieser Besuche hört man mich sagen:
Den nächsten Ausflug machen wir aber auf jeden Fall mal spät am Abend!
Vielleicht beim nächsten Mal!





Typische Werbung für die Fa. Osborne

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Kommentare

  • AnneBa (RP)

    Schöner Artikel! Ich habe Cádiz im Februar diesen Jahres kennen gelernt, als ich dort meine Geschäftspartner für ein paar Tage besucht habe. Mein Besuch fiel genau in die Karnevalszeit - das heißt, Cádiz war im absoluten Ausnahmezustand! Überall geschäftiges Treiben und die Straßen noch bis spät in die Nacht von fröhlichen Menschen bevölkert. Für mich als Kölnerin war es einfach großartig! :)
    Aber neben dem Karneval durfte ich auch andere angenehme Seiten der Stadt kennen lernen: die schönen Plätze, wo man so herrlich seinen Kaffee oder seine Tapas in der Sonne genießen kann, die vielen schmalen Gassen, die zum Schlendern einladen, die Nähe des Meeres mit seiner frischen Brise......
    Ich habe mich sofort in die Stadt verliebt und will auf jeden Fall wieder hin - diesmal aber in einer ruhigeren Zeit! ;)

  • Chiclanera

    Dann solltest du auf keinen Fall zur Semana Santa nach Cádiz kommen, denn dann tobt hier genauso das Leben!
    Die schönste Zeit ist für mich der Juni!
    Die Abende enden nicht, da sie gleitend in den Morgen übergehen. Das Wetter spielt mit und es ist noch nicht ganz so heiß! Wobei das ist relativ. Heute hatten wir über 40°.

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