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Sex im Internet: Liebe und Sex in Zeiten des Internets

Nie war Pornografie für Jugendliche so leicht zugänglich. Ob Striptease oder Gewaltorgien - im Internet finden Heranwachsende eine schier grenzenlose Vielfalt von Erotikfotos und Sexfilmen. Was bedeutet das für deren Vorstellungen von Lust und Liebe?

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Als sich Anne* auszieht, kichern die drei Jungen. Sie filmen die Schülerin mit einem Mobiltelefon. Die 15-Jährige schwankt mit nacktem Oberkörper durchs Bild, ihre blonden Haare sind zerzaust. Annes Klassenkamerad Stefan steht ein wenig unbeholfen vor ihrem Bett. Sie hat ihn überredet, mit ihr zu schlafen. Die beiden johlenden Zuschauer sind dem Mädchen offenbar egal.


Internetsex: "pornografische Vielfalt und Härte, wie es sie noch nie gab" (Foto von: Peter Mason/Stone/Getty Images)
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Internetsex: "pornografische Vielfalt und Härte, wie es sie noch nie gab"

An diesem Abend im Mai sind Annes Eltern bei Freunden eingeladen. Sie haben ihrer Tochter erlaubt, in ihrem Haus in der Nähe von Celle eine Party zu feiern. Seit Stunden tanzen Mitschüler im Erdgeschoss, trinken Bier und Wodka, die Nachbarn haben sich schon zweimal beschwert. Es ist kurz nach zwei Uhr nachts. Splitternackt lässt sich Anne auf ihr Bett fallen. Doch Stefan will nicht mehr. Nicht vor der Kamera, nicht vor seinen Freunden. Das Mädchen versucht, sich wieder anzuziehen. Aber die Jungen nehmen Anne die Kleider weg und lachen sie aus.

Plötzlich geht das Licht an. Annes Mutter steht im Zimmer. Sie fordert das Telefon, will die beschämenden Aufnahmen löschen. Die Jungen haben das Video jedoch schon auf andere Telefone übertragen. Von dort gelangt es ins Internet. Zwei Tage später kennen fast alle Mitschüler den Clip, von der fünften bis zur zehnten Klasse. Das Minivideo ist kaum mehr aus der Welt zu schaffen. Vermutlich werden sich Menschen noch in Generationen Anne im Internet anschauen können. Ihre Kinder, ihre Enkel, ihr Arbeitgeber.


Schüler filmen sich beim Sex

Es ist ein Schock für die Familie aus Niedersachsen. Eine Katastrophe. Und doch kein Einzelfall. Überall in Deutschland gibt es Schüler, die einander bei Besäufnissen filmen, auf der Toilette, beim Sex. Und oft stellen sie die Aufnahmen online - Intimitäten für die Öffentlichkeit.

Auf Schulhöfen tauschen Jugendliche solche selbst gedrehten Videos. Jungen laden pornografische Fotos aus dem Netz herunter und lassen sie als Bildschirmschoner auf den Laptops der Mädchen aufflackern. Was vor zehn Jahren undenkbar war, ist heute für Heranwachsende durchaus möglich: Über sein Mobiltelefon kann ein Junge in Hamburg einem Mädchen aus Montreal in Echtzeit dabei zusehen, wie es sich vor einer Webcam selbst befriedigt. Er kann durch Partnerbörsen surfen und sich mit Unbekannten zum One-Night-Stand verabreden.

"Das Netz bietet eine pornografische Vielfalt und Härte, wie es sie noch nie gab", so der Hamburger Psychiater und Sexualwissenschaftler Andreas Hill. Immer mehr Menschen präsentieren öffentlich ihre Fantasien, stellen Amateurvideos zur Schau, lassen Fremde an ihren Begierden teilhaben. "Wir befinden uns mitten in einem globalen Feldversuch", sagt Hill. Schon heute schauen zwei Drittel aller 18-jährigen Jungen mehrmals im Monat solche Sexfilme. Nur sieben Prozent sind mit den pornografischen Bildern oder Videos aus dem Internet noch nicht vertraut.

*Alle Namen geändert; Red.



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