7. Jahrhundert Bau des Felsendoms: Wie der Tempelberg zur heiligen Stätte für Muslime wurde

Im Gebet versunken: Während des ersten Freitags im Fastenmonat Ramadan kommen Muslimas und Muslime zu Hunderten vor dem Felsendom zusammen
Im Gebet versunken: Während des ersten Freitags im Fastenmonat Ramadan kommen Muslimas und Muslime zu Hunderten vor dem Felsendom zusammen
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Im Jahr 637 erobern Muslime Jerusalem. Als Zeichen ihres Triumphes errichten sie in der heiligen Stadt der Juden und Christen den Felsendom. Das Meisterwerk ist nicht nur Ausdruck der islamischen Expansion – sondern auch eines Konflikts, der die Glaubensgemeinschaft zu zersetzen droht

Vierzig Wächter hat der Kalif abgestellt, um den heiligen Stein zu beaufsichtigen und ihn an zwei Tagen der Woche feierlich zu pflegen. Bevor sie wie an jedem Montag und Donnerstag mit der Zeremonie beginnen, waschen und reinigen sich die Männer im nahe gelegenen Badehaus, legen reich bestickte Gewänder aus Seide sowie goldverzierte Gürtel an. Dann begeben sie sich zur sakralen Stätte und treten in eine kreisrunde Säulenhalle.

Frühes Sonnenlicht scheint durch die 16 Fenster unterhalb der mächtigen Kuppel und erhellt den gemaserten Marmor der Säulen und Pfeiler, die Mosaiken an den Wänden – und den uralten Felsen, der fast den gesamten Boden des Runds ausfüllt. Etwa 18 Meter lang ist er, 13 Meter breit und gelblich schimmernd, wie es typisch ist für den Kalkstein in den Bergen um Jerusalem.

Am Vorabend haben die Männer Safran, Moschus und das Harz des Amberbaums mit feinstem Rosenwasser aus dem südlichen Persien zu einem Parfüm vermengt, das sich im Lauf der Nacht zu einer duftenden Essenz veredelt hat. Nun beginnen sie, es auf die Oberfläche des Steins aufzutragen, klettern dann mit blanken Sohlen auf den Felsen, um ihn überall damit einzureiben.

Die Wächter gehen langsam vor, ehrfürchtig und sorgsam. Denn dies ist der Felsen, an dem Gott den ersten Menschen erschaffen hat. Hier hätte Abraham, Stammvater sowohl der Juden, der Christen wie auch der Muslime, diesem Gott beinahe seinen Sohn geopfert.

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