Hohe Spritpreise Warum ist Diesel derzeit sogar teurer als Benzin?

Preise Benzin sind über EUR 2,00 an Shell Zapfsäule März 2026
In Deutschland klettern die Spritpreise derzeit in die Höhe
© Steven Mohr / dpa
An den deutschen Tankstellen brechen die Spritpreise momentan alle Rekorde. Diesel ist derzeit sogar teurer als Superbezin – trotz der niedrigeren Energiesteuer. Wie entstehen solche Preise?

Tanken wird zurzeit immer teurer: Wegen des Krieges in Nahost steigen die Preise für Rohöl – und damit auch für Diesel und Benzin – spürbar an. Ausschlaggebend für die Erhöhung der Rohölpreise ist vor allem die Blockade der Straße von Hormus, ein zentraler Engpass des globalen Ölhandels. Rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels werden normalerweise mit Tankern über die 50 Kilometer breite Meerenge zwischen dem Iran und Oman abgewickelt. Jede Einschränkung in diesem Seegebiet kann die Energiepreise in die Höhe treiben. Der Ölpreis gilt – neben dem Wechselkurs des US-Dollars – als entscheidender Faktor für die Entwicklung der Kraftstoffpreise.

So kostete Diesel am Donnerstagmorgen im Schnitt mehr als zwei Euro pro Liter – und war damit im Wochenvergleich fast 18 Cent teurer. Auch der Literpreis für Superbenzin der Sorte E5 kletterte in den letzten Tagen auf knapp unter zwei Euro, was einem Preisunterschied von plus 12 Cent zur Vorwoche entspricht. Ähnliche Preisaufschläge gab es zuletzt vor gut vier Jahren im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine und die folgende Energiepreisexplosion. 

Warum ist Diesel teurer als Benzin?

Doch wie kommt es zu der Entwicklung, dass aktuell die Dieselpreise sogar die Preise für Superbenzin schlagen? "Diesel reagiert erfahrungsgemäß sensibler auf äußere Faktoren wie Krisen oder Kriege. Die Preisausschläge – sei es nach oben oder unten – sind daher meist stärker", erklärt Christian Laberer, Kraftstoffmarktexperte des ADAC. Die Benzinpreise reagieren derzeit nur begrenzt auf die Entwicklungen im Nahen Osten. Der Grund: Benzin wird hauptsächlich im Straßenverkehr genutzt, wo die Nachfrage vergleichsweise stabil bleibt. Trotzdem hängt auch hier das Preisniveau eng mit den Rohölkosten zusammen. Ein weiterer Unterschied zu Diesel: Deutschland importiert in großem Umfang fertigen Dieselkraftstoff, bei Benzin dagegen deutlich weniger.

Außerdem sind die Lieferungen von Flüssiggas aus Katar aufgrund der aktuellen Entwicklungen deutlich reduziert. Das führt wiederum zu einer steigenden Nachfrage nach Dieselkraftstoff, weil dieser in einigen Industriezweigen und bei der Energieproduktion als Ersatz für Erdgas genutzt werden kann.

blue light of the interior of the underground Laerdal tunnel, the longest road tunnel on earth in Norway
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© Jens Otte / Getty Images
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Clever tanken: Tipps für Verbaucherinnen und Verbraucher

Der ADAC empfiehlt möglichst abends zu tanken, da die Preise dann niedriger sind als in den Morgenstunden. Analysen der Kraftstoffpreise zeigen schon seit Längerem ein klares Muster – am Morgen, vor allem zwischen 6 und 9 Uhr, sind die Preise häufig am höchsten. Am Abend dagegen sinken sie, besonders zwischen 18 und 20 Uhr lassen sich meist die besten Preise finden. Ein weiterer Klassiker unter den Spartipps: Autobahntankstellen sollte man möglichst meiden. Dort liegen die Preise oft deutlich über dem Niveau des nahen Umlands, teilweise um 20 bis 40 Cent pro Liter.

Gerade in Krisenzeiten lohnt sich deshalb ein Preisvergleich. Je nach Tankstelle könne es große Abweichungen zum Durchschnittspreis geben, so der ADAC. Eine praktische Hilfe bei der Suche nach günstigen Tankstellen bieten Apps wie die "ADAC Drive App" oder die "mehr-tanken App". Die Datengrundlage für solche Tank-Apps in Deutschland liefert die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt: Seit dem Jahr 2013 sind Tankstellen gesetzlich dazu verpflichtet, jede Preisänderung für Benzin und Diesel in Echtzeit an diese Stelle zu melden. Die dort gesammelten Daten werden anschließend vom Bundeskartellamt an zugelassene Verbraucher-Apps weitergegeben.

Wichtig zu beachten: Die Markttransparenzstelle veröffentlicht keine Vorhersagen, sondern ausschließlich aktuelle und gemeldete Kraftstoffpreise. Einschätzungen zu möglichen Preisentwicklungen oder günstigeren Tankzeiten stammen nicht von der Behörde, sondern werden von der jeweiligen App anhand vergangener Preisdaten berechnet.