VG-Wort Pixel

Studie Seit 1980 sind in Europa 600 Millionen Vögel verschwunden

Die Bestände des Haussperlings sind in den vergangenen 40 Jahren in der EU um die Hälfte geschrumpft
Die Bestände des Haussperlings sind in den vergangenen 40 Jahren in der EU um die Hälfte geschrumpft
© AnnaReinert / Adobe Stock
In Europa leben immer weniger Vögel. Laut einer aktuellen Studie sind es vor allem früher häufige Arten, die immer seltener werden

Es wird stiller in Feld und Flur. Noch ist zwar der "stille Frühling", vor dem die US-amerikanische Biologin Rachel Carson warnte, nicht da. Aber Vögel, die singen, gibt es immer weniger in den Landschaften Europas.

In einer aktuellen Studie, veröffentlich im Magazin "Ecology and Evolution", kommen Fiona Burns und ihre Kolleg*innen zu einem alarmierenden Ergebnis: In den vergangenen vier Jahrzehnten sind etwa 600 Millionen Vögel aus den Landschaften Europas verschwunden. Das entspricht zwischen 17 und 19 Prozent der gesamten Vogel-"Bevölkerung" in der Europäischen Union.

"Allerweltsvögel" besonders schwer betroffen

Besonders hart getroffen hat es demnach nicht etwa seltene Arten – sondern solche, die früher sogar besonders häufig waren. So gibt es im Vergleich zu 1980 heute nur noch halb so viele Hausspatzen. Diese Spezies allein macht mit Verlusten von fast 250 Millionen Individuen einen Großteil des gesamten Einbruchs aus. Aber auch Dutzende Millionen anderer, früher häufiger Vögel sind seither verschwunden, darunter Schafstelzen, Stare, Feldlerchen und Kiebitze.

Die schwersten Bestandseinbrüche mussten den Forschenden zufolge die offenen Landschaften und das Ackerland hinnehmen. Vogelpopulationen in Wäldern und an Gewässern konnten dagegen zulegen. Zu den Gewinnern zählen vor allem Mönchsgrasmücken, Zilpzalpe, Amseln und Zaunkönige.

Während die Bewohnerinnen und Bewohner der Kulturlandschaften meist unter der fortschreitenden Zerstörung ihres Lebensraums leiden, fehlen dem Hausspatz in der Stadt mögliche Nistplätze und Nahrung, möglicherweise setzen Passer domesticus auch Krankheiten zu.

Weniger Vögel erbringen weniger Ökosystemdienstleistungen

Die Bestandsaufnahme bestätigt zahlreiche Forschungsergebnisse, nach denen sowohl die Anzahl der Spezies als auch die Individuenzahlen insgesamt abnehmen. Erst vor kurzem wies ein Wissenschaftlerteam nach, dass mittlerweile fast jede fünfte Art in Europa vom Aussterben bedroht ist – oder kurz davon steht.

Die massiven Verluste bei den Individuen deuten offenbar nicht nur auf verschlechterte Bedingungen in den jeweiligen Lebensräumen hin; die Forschenden befürchten auch negative Konsequenzen für erbrachten sogenannten Ökosystemdienstleistungen haben könnten.

So halten große Vogelpopulationen Pflanzenschädlinge in Schach. Und Vögel, die Früchte fressen, spielen bei der Ausbreitung von Pflanzen eine wichtige Rolle.

Positiv heben die Autor*innen die Rolle von Schutzmaßnahmen hervor. Ohne die europäische Vogelschutzrichtlinie etwa wären wohl noch weit mehr Vogelpopulationen und -spezies bedroht. Besonderes Potenzial haben den Forschenden zufolge "rechtlich bindende" Ziele zum Schutz von Lebensräumen und Arten, die Vernetzung von Schutzgebieten und die naturfreundliche Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft.


Mehr zum Thema