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Artenschutz US-Forschungsteam: Der "ausgestorbene" Elfenbeinspecht lebt!

Gilt seit 2021 als ausgestorben: Ein ausgestopfter Elfenbeinspecht in der California Academy of Sciences in San Francisco
Gilt seit 2021 als ausgestorben: Ein ausgestopfter Elfenbeinspecht in der California Academy of Sciences in San Francisco
© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Haven Daley
Der amerikanische Elfenbeinspecht hält seit Jahrzehnten die Fachwelt in Atem: Ist er ausgestorben – oder gibt es ihn noch? Jetzt berichten Forschende von zahlreichen Indizien, die zeigen sollen: Er ist noch da

Der Elfenbeinspecht ist so etwas wie das Phantom der Vogelwelt – das nicht nur amerikanische Fachleute seit Jahrzehnten in Atem hält. Das letzte lebende Exemplar wurde in den Wäldern von Luisiana im Jahr 1944 gesehen. Ziemlich sicher, zumindest. Und selbst aufwändige Suchaktionen förderten keinen schlüssigen Beweis zu Tage, dass die Spezies noch da ist. Im vergangenen Jahr verlor die zuständige Behörde, die U.S. Fish and Wildlife Service, die Geduld. Und erklärte den größten amerikanischen Specht mit dem markanten roten Kopfschmuck für ausgestorben.

Doch die Geschichte ist damit nicht zu Ende: Denn nun melden Forscher*innen Zweifel an. Nach zehn Jahren intensiver Recherchen mit Kamerafallen, Drohnen, Aufnahmegeräten und Suchaktionen in unzugänglichen Teilen der Sumpfwälder im Südosten der USA kommt das Forschungsteam jetzt zu dem Schluss: Der Elfenbeinspecht lebt (wahrscheinlich)!

Team berichtet von zahlreichen Sichtungen

Wie das Team in einem von Fachkollegen noch nicht begutachteten Papier berichtet, hatten alle an der Suche Beteiligten Begegnungen mit dem Phantom-Specht. Zudem hätten sie seinen Ruf, der an den Klang einer Blechtrompete erinnere, "oft" gehört.

Steve Latta, Leiter der Abteilung Naturschutz eines der größten US-Vogelparks in Pittsburgh, der National Aviary, schilderte dem Guardian seine eigene Begegnung mit dem wohl meistgesuchten Vogel der Welt. Der Specht sei vor ihm aufgeflogen, wobei die charakteristischen weißen Kanten seiner Flügel sichtbar gewesen seien. "Ich habe danach sichtbar gezittert", berichtet Latta. Ihm sei klar geworden, dass er etwas Besonderes gesehen habe, das zu sehen nur sehr wenige Menschen die Gelegenheit hatten.

Auf den Fotos, die das Team gemacht habe, sei der Elfenbeinspecht klar von anderen Spechtarten zu unterscheiden. "Das bestärkt mich darin, dass der Specht tatsächlich lebt, und zugleich spüre ich die Verantwortung, ihn in Zukunft zu schützen", sagte Latta.

Je seltener, desto begehrter

Elfenbeinspechte waren in den USA bis ins 19. Jahrhundert hinein weit verbreitet. Doch je mehr Menschen in seinen ursprünglichen Lebensraum eindrangen, desto seltener wurde der Vogel. Zudem stand er in einer Zeit weit verbreiteter Armut auch auf dem Speisezettel vieler Amerikaner*innen. Um das Maß voll zu machen, wurde der Vogel bei Jägern beliebter, je seltener er wurde. Dutzende Exemplare haben die Zeiten bis heute in den Magazinen und Vitrinen von Museen und Sammlungen überdauert – ausgestopft. In den 1930er-Jahren konnten Forscher*innen in Florida, South Carolina und Louisiana nur noch 22 Tiere zählen.

Kaum verwunderlich also, dass der Elfenbeinspecht zu einem extrem scheuen Vogel wurde. Für Latta könnte das auch einer der Gründe sein, warum er bis heute kaum je zweifelsfrei gesichtet wurde. "Sie haben bessere Augen als wir, sie leben hoch in den Bäumen und sie flüchten aktiv vor Menschen," sagt Latta. Sie seien zwar keine großen Denker, "aber sie haben eine ziemlich einfache Strategie entwickelt, Menschen aus dem Weg zu gehen."

Wenn Latta Recht hat, könnte es für den Vogel besser sein, weiterhin als ausgestorben zu gelten.


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