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Folgen von Tschernobyl Vorsicht beim Pilzesammeln: Radioaktive Belastung ist in einigen Regionen hoch

Ein Mann hält frisch gepflückte Pilze im Wald in den Händen
Die Belastung bei Pilzen ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Vereinzelt wurden aber weiterhin Werte von 4000 Becquerel gemessen
© Andrii Salomatin - Shutterstock
Auch 35 Jahre nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl sind die Folgen für die Umwelt noch zu spüren - und messbar. Das Bundesamt für Strahlenschutz weist auf radioaktiv belastete Pilze hin. Bei der Pilzsuche sollte man im Wald mit der nötigen Sorgfalt vorgehen und einige Pilzarten im Zweifel besser stehen lassen - vor allem im Süden Deutschlands

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) macht Sammler auf radioaktiv belastete Pilze in Wäldern aufmerksam. Vor allem in Süddeutschland wiesen einige Pilzarten stark erhöhte Mengen des radioaktiven Isotops Cäsium-137 auf, heißt es im aktuellen Pilzbericht, über den das BfS am Donnerstag informierte. "Das radioaktive Cäsium stammt noch immer aus dem Reaktorunfall in Tschernobyl vor 35 Jahren", erklärte Präsidentin Inge Paulini.

"Gelegentlich auch höher belastete Pilze zu verzehren, ist zwar nicht verboten. Dennoch sollte man sich über die üblicherweise stärker belasteten Pilzarten informieren und sie im Wald stehen lassen, um eine unnötige Strahlenbelastung zu vermeiden", sagte Paulini. Das Umweltbundesministerium empfiehlt nicht mehr als 250 Gramm Wildpilze pro Woche zu essen. Von größeren Mengen ginge jedoch nicht unmittelbar ein gesundheitliches Risiko aus, sagte eine Sprecherin des BfS.

Hohe Cäsium-Werte seien unter anderem bei Maronenröhrlingen, gelbstieligen Trompetenpfifferlingen und verschiedenen Schnecklingsarten gemessen worden, hieß es. Unbedenklich seien etwa der Blutende Wald- sowie Zuchtchampignons.

Belastung vor allem im Süden Bayerns, im Osnabrücker Land und in Teilen Norddeutschlands hoch

Stärker belastet seien Pilze vor allem in Regionen, in denen nach der Atomkatastrophe überdurchschnittlich viel Cäsium abgelagert worden sei, heißt es in einer Mitteilung des Bundesamtes. Das waren laut dem Pilzbericht vor allem Gebiete im Süden Bayerns wie der Bayerische Wald. Aber auch das Osnabrücker Land sowie Teile entlang der Leine zwischen Hannover und Göttingen, entlang der Elbe zwischen Schwerin und Magdeburg und bei Lübeck waren betroffen.

Bodenkontamination mit Cäsium-137 in Deutschland
Die Übersichtskarte zeigt die Bodenkontamination mit Cäsium-137 in Deutschland im Jahr 1986. Seit dem Reaktorunfall ist Cäsium-137 zu etwas mehr als der Hälfte zerfallen (die physikalische Halbwertszeit beträgt rund 30 Jahre). Die Übersichtskarte gibt die heutigen Verhältnisse gut wieder, wenn die in der Grafik genannten Zahlenwerte mit 0,45 multipliziert werden
© Bundesamt für Strahlenschutz

Die Belastung sei in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Vereinzelt würden aber weiterhin Werte von 4000 Becquerel gemessen. Zum Vergleich: Der Grenzwert für Pilze im Handel liegt bei 600 Becquerel.

Nach BfS-Angaben hat der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 3000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm eine Belastung von 0,008 Millisievert zur Folge. "Dies entspricht der Strahlenbelastung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria", schreibt das Bundesamt.

Im Video: In diesen Pilzsorten wurde ein besonders hoher Cäsium-137-Gehalt gemessen

Folgen von Tschernobyl: Vorsicht beim Pilzesammeln: Radioaktive Belastung ist in einigen Regionen hoch
dpa

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