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Globale Katastrophen Arche auf dem Mond: Was uns ein DNA-Archiv im All bringen soll

Trocken und kalt: Unter der Mondoberfläche vermuten Forscher ideale Bedingungen für ein DNA-Archiv
Trocken und kalt: Unter der Mondoberfläche vermuten Forscher ideale Bedingungen für ein DNA-Archiv
© Dima Zel/Shutterstock
Forscher wollen auf dem Mond die DNA aller bekannten Spezies auf der Erde deponieren – für den Fall eines globalen Super-GAUs

Globale Bedrohungen für das Leben auf dem Planeten Erde erfordern kreative Lösungen. Eine haben nun Forscher vorgeschlagen: Sie wollen DNA, Samen und Eier aller 6,7 Millionen bekannten irdischen Spezies auf dem Mond deponieren – in einer Arche unter der Mondoberfläche.

Wie die Forscher in einem nun veröffentlichten Papier vorschlagen, soll so das Leben auf der Erde in seiner gegenwärtigen Vielfalt bewahrt werden. Für den Fall, dass es zu einem Ausbruch eines Supervulkan kommt, der die Erdatmosphäre verdunkelt, zu einem globalen Atomkrieg, dem Einschlag eines Asteroiden – oder zu einer weltweiten Dürre in Folge eines ungebremsten Klimawandels.

Jekan Thanga von der University of Arizona, einer der Autoren des Papiers, vergleicht die Idee gegenüber Live Science mit einer Sicherheitskopie auf einer externen Festplatte: „Damit wir ein Backup haben, falls irgendetwas schief läuft.“ So ließen sich einzelne Arten aus dem archivierten Material wieder auf der Erde einführen, sobald die Bedingungen es zulassen.

Zwar gibt es etwas Ähnliches schon auf der zu Norwegen gehörigen Insel Spitzbergen: die Svalbard Global Seed Vault. Doch die Pflanzensamen, die hier unterirdisch gelagert werden, sind vor einem sprunghaften Meeresspiegelanstieg oder dem Einschlag eines Asteroiden auch hier nicht sicher.

Der Mond als Standort einer Arten-Arche hätte den Vorteil, dass er von solchen irdischen Katastrophen unberührt bliebe – und trotzdem in nur vier Tagen zu erreichen ist.

Kosten: "Hunderte Milliarden Dollar"

Der Aufwand allerdings ist nach den Überschlagsrechnungen der Forscher gigantisch. Etwa 250 Raketenstarts wären notwendig, um die erforderliche Menge pflanzliches und tierisches Material auf den Mond zu bringen. Hinzu kämen etwa 50 Transport-Flüge für das erforderliche Baumaterial.

Die Pläne sehen vor, dass Röhren aus erkalteter Lava aus der Frühzeit des Erdtrabanten als sicherer Aufbewahrungsort dienen. Forscher haben solche Röhren, die im Jahr 2013 entdeckt wurden, schon als Wohnorte zukünftiger Mondbewohner ins Gespräch gebracht. Thanga vermutet, dass es unter der Mondoberfläche rund 200 solcher Röhren geben könnte, die sich für die Arche eignen würden.

Den Strom für die Kühlung soll Photovoltaik auf der Mondoberfläche liefern. Immerhin muss das organische Material bei minus 180 bis minus 196 Grad Celsius gelagert werden, um dauerhaft haltbar zu sein.

Die Gesamtkosten, so Thanga, könnten sich auf Hunderte Milliarden Dollar belaufen. Solche Summen aufzubringen, sei für internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen nicht unrealistisch.

Die Forscher rechnen, dass eine Mond-Arche innerhalb von drei Jahrzehnten stehen könnte. Im Notfall auch schneller: in zehn bis 15 Jahren.

Ob es allerdings nach dem globalen Super-GAU noch Menschen gibt, die in der Lage sind, mithilfe der tiefgefrorenen DNA auf dem Mond eine Spezies auf der Erde wieder einzuführen, steht auf einem anderen Blatt.


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