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Zwillingsstudie Das Umweltbewusstsein liegt (auch) in unseren Genen

Zwillinge haben oft übereinstimmende Einstellungen zu Umwelt und Natur
Zwillinge haben oft übereinstimmende Einstellungen zu Umwelt und Natur
© _jure / Adobe Stock
Ein Forschungsteam hat anhand einer Zwillingsstudie erstmals nachgewiesen: Die Sorge um Umwelt und Klima ist erblich

Klimakrise und Artensterben schreiten voran – auch weil viele Menschen die Sorge um die Umwelt nicht teilen, politische Maßnahmen zum Schutz der Ökosphäre nicht unterstützen. Was also beeinflusst das Umweltbewusstsein und die Neigung, nachhaltig zu konsumieren, Klimaschutz zu wählen, zu spenden oder sich aktiv für die Natur einzusetzen?

Antworten gibt es bislang aus der Psychologie und der Soziologie. Nun hat ein internationales Forschungsteam einen weiteren, bislang unbeachteten Einflussfaktor identifiziert: Umweltbewusstsein scheint demnach in unseren Genen zu liegen.

Für ihre Studie griff das Team um Chia-chen Chang von der National University of Singapore auf die Daten einer englischen Zwillingsstudie mit 2312 Paaren zurück, darunter eineiige und zweieiige Geschwisterpaare. TwinsUK gilt als die größte britische und weltweit als am besten dokumentierte Zwillingsstudie.

Die Analyse des Datenmaterials ergab: Die Erblichkeit von Umwelt-Einstellungen liegt bei "moderaten" 30 bis 40 Prozent. Zudem fielen den Forschenden Unterschiede zwischen ein- und zweieiigen Zwillingspaaren auf. "Wir konnten durchgehend feststellen, dass sich eineiige Zwillinge in Bezug auf Natur, naturschonendes Verhalten und Umweltaktivismus ähnlicher sind als zweieiige", heißt es in der Studie, die in der Zeitschrift BioScience erschien.

Das deute, so das Autorenteam, auf genetische Einflüsse auf die Phänotypen hin. Anders gesagt: Zwillingspaare, die mehr Gene teilen, sind sich in Bezug auf Einstellungen zur Umwelt ähnlicher als solche, die weniger Gene teilen.

Umwelt weiterhin ein wichtiger Faktor

Dass die genetische Ausstattungd die Persönlichkeit und das Verhalten beeinflusst, haben zuvor schon andere Studien, etwa zur Vererbbarkeit von altruistischem und kooperativem Verhalten gezeigt. Das Autorenteam weist aber auch darauf hin, dass die Umwelt als Einflussfaktor auf das eigene Verhalten immer noch eine wichtige Rolle spielt. So könnten beispielsweise auch politische Maßnahmen die Erblichkeit beeinflussen.

Die Autoren und Autorinnen hoffen nun, dass weitere Forschungen dazu beitragen können, die Entstehung und Vererbung von Umweltbewusstsein zu verstehen – und zu stärken.

Zurückhaltend äußerte sich der nicht an der Studie beteiligte Wissenschaftler Felix Tropf. Es gebe kein Gen, das uns näher an die Natur heranrückt, sagt der Professor für soziale Genomik vom Pariser Center for Research in Economics and Statistics. "Alles, was wir beobachten, ist, dass genetisch identische Zwillinge sich in Bezug auf ihre Einstellung zum Klimawandel ähnlicher sind als genetisch unterschiedliche." Es sei noch ein langer Weg, die Bedeutung der Erblichkeit für Einstellungen gegenüber der Umwelt zu verstehen.


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