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Ernährungssicherheit Studie: Mit diesen drei Maßnahmen könnten wir unseren Fleischkonsum reduzieren

Auf 80 Prozent der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche wird Tierfutter angebaut. Das gefährdet die Ernährungssicherheit, kritisieren Expert*innen
Auf 80 Prozent der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche wird Tierfutter angebaut. Das gefährdet die Ernährungssicherheit, kritisieren Expert*innen
© Vadim / Adobe Stock
Forschende vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung warnen vor einer Ernährungskrise infolge unseres hohen Fleischkonsums. Und machen Vorschläge für effektive politische Gegenmaßnahmen

Der russische Krieg gegen die Ukraine legt Schwachstellen der westlichen Industrienationen schonungslos offen: Nicht nur die Energieversorgung mit billigem russischen Öl und Gas erweist sich als Sicherheitsrisiko. Wegen des Krieges kann die Ukraine, bislang einer der wichtigsten Weizen-Exporteure, nicht liefern. Drohender Hunger in Ländern mit niedrigen Einkommen und steigende Lebensmittelpreise auch in den reichen Industrienationen sind die Folge.

"Das globale Ernährungssystem ist in der Krise" stellen Forschende des Potsdam Insituts für Klimafolgenforschung (PIK) in einem jetzt veröffentlichten Bericht fest. Die Autor*innen weisen auf ein grundlegendes Problem hin: Ein Großteil der weltweiten landwirtschaftlichen Produktion landet nicht auf dem Teller, sondern im Futtertrog von Tieren. Während auf etwa 80 Prozent der weltweiten Nutzflächen Futtermittel zur Produktion von tierischen Lebensmitteln – darunter Fleisch, Milch, Butter und Käse – erzeugt werden, tragen diese Lebensmittel nicht einmal zu einem Fünftel zur Ernährung der Weltbevölkerung bei.

"Wenn ein größerer Teil der Ackerflächen für die Erzeugung von Essen für Menschen statt von Futter für Tiere genutzt würde," heißt es in einer Pressemitteilung des PIK, "ließe sich das Angebot von Lebensmitteln rasch und nachhaltig ausweiten und Preisanstiege und Hunger vermindern."

Doch bei gut gemeinten Appellen, weniger Fleisch zu essen, wollen es die Forschenden nicht belassen. Sie schlagen drei Maßnahmen vor:

  1. Mit einem staatlichen Fonds sollen Landwirt*innen gefördert werden, die mehr energiereiche Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse anbauen wollen, Kantinen sollen bei der Umstellung auf ein pflanzliches Angebot unterstützt werden.
  2. "Wirkungsvolle Entlastungspakete" für Verbraucher*innen und gerechte Steuern sollen den Konsum tierischer Produkte verringern. Insbesondere fordern die Autor*innen "kurzfristig" die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf un- und wenig verarbeitetes Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte entfallen und eine Tierwohlabgabe von 40 Cent pro Kilogramm Fleisch und 15 Cent pro Kilogramm Käse und Butter.
  3. Eine staatliche "Zukunftskommission Ernährung und Landwirtschaft" soll die Transformation hin zu einer mehr pflanzenbasierten Ernährung vorantreiben, die Kompetenzen des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz erweitert werden.

"Insbesondere die deutliche Reduktion von Konsum und Produktion tierischer Lebensmittel ist ein zentraler Hebel, um das globale Ernährungssystem resilienter, fairer und nachhaltiger zu gestalten", schreiben die Forschenden in ihrem Bericht.

Das Potenzial einer Umstellung auf eine überwiegend pflanzliche Ernährung nicht nur für die Ernährungssicherheit sei immens, schreiben die Autor*innen: So könnten nicht nur rund drei Viertel der Emissionen im Ernährungs- und Agrarsektor eingespart werden. Es ließen sich auch jährlich mehr als 170.000 vorzeitige Todesfälle durch eine ungesunde, fleischlastige Ernährung vermeiden.


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