Wanderungen in der Sfakia Teil 1/Aradaina-Schlucht

Reisebericht

Wanderungen in der Sfakia Teil 1/Aradaina-Schlucht

Reisebericht: Wanderungen in der Sfakia Teil 1/Aradaina-Schlucht

Die Sfakia auf Kreta ist ein besondere Landschaft im Südwesten der Insel. Einsame Bergwanderungen, tiefe Schluchten und Wege am Meer entlang sind hier möglich. Einige Wanderungen habe ich hier in den letzten Jahren gemacht. Beginnen möchte ich mit einer Rundwanderung durch die Schlucht von Aradaina

Alter Weg in der Aradena Schlucht

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September. Für eine Wanderung auf Kreta wäre ich lieber im Mai hier, wenn die Wiesen grün sind, Blumen blühen und Orangen reif an den Bäumen hängen. Aber im Mai muss man noch mit Schneefeldern auf den Bergen Kretas rechnen und das brauche ich nicht.

Mit einem Mietwagen bin ich von Herakleion aus über Rethymnon nach Chora-Sfakion gefahren, und dann weiter über die Serpentinen hinauf nach Anopolis, wo ich mir in einem kleinen Hotel ein Zimmer reserviert habe. Trotz der unangenehmen Straße hinauf nach Anopolis, die auch noch teils eine Baustelle ist und verbreitert wird, genieße ich den Blick soweit als möglich hinaus auf das Libysche Meer.

Das Hotel ist eine Mischung aus einem kleinen Laden und einer Taverne in der man essen und trinken kann, die dazu noch einige einfach eingerichtete Zimmer mit Dusche hat. Für mich ausreichend. Sie liegt zentral im Ort an einem großen Platz und vom Balkon aus habe ich einen Blick auf die Statue des Freiheitskämpfers Daskalo Giannis, der hier wie auf ganz Kreta verehrt wird.

Am nächsten Tag will ich durch die Schlucht von Aradena wandern und habe mir dann für den folgenden Tag die Besteigung des Pachnes vorgenommen. Am Morgen fahre ich von Anopolis aus weiter westwärts bis zu dem verlassenen Ort Aradena. Hier gibt es eine Stahlbrücke über den Anfang der Schlucht. Diese Brücke soll durch einen reich gewordenen Kreter, der aus Aradena stammte und nach Amerika ausgewandert war, gestiftet sein. Davor gab es nur einen schmalen Saumpfad in die Schlucht hinab und wieder hinauf. Diesen Pfad sieht man noch und kann so einen Eindruck darüber bekommen, wie schwierig es gewesen sein muss, überhaupt in die Sfakia, Kretas Südwesten, zu gelangen.

Das Auto lasse ich auf einem Parkplatz zurück, gehe hinab in die Schlucht und mache mich auf den Weg die Schlucht abwärts.

Durch Berichte von Freunden und auch durch Reiseführer habe ich mich entscheiden, den Weg durch die Schlucht zum Meer hinab zu wählen. Er schien mir einfacher, als der Weg aufwärts, auch wenn die Leitern, die man an einigen Stellen angebracht hat, heute durch eine andere Wegführung umgangen werden können.



Brücke über die Aradena Schlucht



Brücke über die Aradena Schlucht

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Die Schlucht ist schon am Anfang eng. Noch fällt kein Sonnenstrahl auf den Grund der Schlucht. Hoch über mir sieht man die Brücke und hört bisweilen das Rumpeln der Holzbohlen, wenn ein Auto hinüber fährt.

Der Weg ist nicht einfach zu gehen. Felsen, große Steinbrocken und manchmal Steigungen machen es nicht einfacher. Aber der Eindruck der Schlucht entschädigt. Ich bin allein in dieser Schlucht. Nur das Bimmeln der Ziegenglocken und dann und wann das Schreien eines Greifvogels sind zu hören. Ansonsten Ruhe und Stille. In der Mitte der Schlichtwand sind Höhlen; man erkennt sie an den weißen Vogelkotfahnen, die einen Hinweis darauf geben, dass hier vielleicht sogar Geier ihren Horst haben.



Aradena Schlucht



Aradena Schlucht

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An einigen Stellen gibt es steile Abstiege, bei denen ich froh bin, dass ich nicht die Schlucht aufwärts gehe. Auch die bereits erwähnten Leitern kann ich sehen. Der Weg ist anstrengend. Typisch für mich am ersten Tag einer Wandertour – ich überlege, ob es nicht auch möglich wäre, aus der Schlucht heraus abzukürzen. Aber diesen Gedanken schiebe ich bald zur Seite.



Aradena Schlucht



Und nach etwa 2 Stunden erreiche ich eine kleine Bucht am Meer. Hier gibt es eine Badestelle. Es liegen Rucksäcke und Badelaken herum, aber Menschen sind nicht zu sehen. Eine Hütte mit einer Veranda steht auf einem flachen Felsen – auch hier kein Mensch.



Schluchtausgang der Aradena Schlucht



Nach einer Kurzen Rast mache ich mich auf den wieder auf den Weg. Ich muss zurück nach Aradena und habe mich entschieden, eine andere Route zu nehmen; über Livaniana die Steilküste wieder hinauf und dann zurück nach Aradena.

Erst einmal geht es ein Stück über die Felsenküste und dann ein steiles Stück aufwärts. Der Atem keucht und ich muss öfters eines Pause machen. Warum tue ich mir das an? Weg mit dieser Frage und weiter. In einiger Entfernung sehe ich einen Weg, der mich dann zum südlichen Ortseingang von Livaniana bringt. Im Schatten eines Baumes mache ich Pause. Ein Hund kläfft, Ziegen kann ich hören, aber Menschen sehe ich noch immer nicht. Es gilt Kräfte zu sammeln für das nächste Stück. Durch den kleinen Ort hindurch komme ich auf eine schmale Asphaltstraße, die sich in engen Windungen und Serpentinen die Steilküste hinauf windet.



Livaniana Südküste Kreta



Mittlerweile steht die Sonne schon hoch. Auch im September hat sie noch genug Kraft, um mich zu Schwitzen zu treiben. Immer wieder suche ich an der Böschung Schatten. Aber die Straße strahlt die Hitze zurück. Es kommt sogar ein Auto von oben herab. Touristen. Man grüßt sich und irgendwie habe ich die Hoffnung, dass der Fahrer vielleicht gleich umkehrt und mich mitnimmt, weil 1. In Livaniana sowieso nichts los ist, nichts zu sehen ist, 2. Ich wahrscheinlich mit ausgestreckten Armen die Straße blockieren werde und ihn so zu Stopp zwinge. Bis dahin gehe ich einfach mal weiter, zähle die Kehren und schaue dann und wann nach oben, um zu sehen, wie weit es noch sein wird. Von oben kommt ein Motorrad – das Auto von unten ist immer noch nicht wieder zurückgefahren. Auch auf diesem Motorrad sitzen zwei Touris, die noch nicht mal zurückgrüßen. Pack!



Südküste Kreta



Endlich. Ein längeres Stück gerade, wenn auch weiter aufwärts, dann noch eine Kehre und ich kann erkennen, dass das Steilstück vorbei ist und die Straße nur noch mäßig aufwärts geht. Die Sonne knallt. Keine Bäume, keine Sträucher, kein Auto von unten, das mich mitnehmen könnte und ich habe noch etwa zwei Kilometer vor mir. Eigentlich ein Klacks.

Tatsächlich taucht dann nach einer flachen Kuppe der Ort Aradena auf und ich freue mich drauf, endlich wieder ins Hotel fahren zu können.



Ortseingang Aradaina



Der erste Tag meiner Wanderungen in der Sfakia. Am Kommenden Tag geht es hinauf auf den Pachnes.

Routenbeschreibung ist zu sehen unter http://www.wandermap.net/route/120729
Länge etwa 13 km, Höhenunterschied gesamt ca 1.400 m


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Kommentare

  • ruma94

    Da braucht man ganz schön Willenskraft...auch um allein in so einer engen Schlucht keine Beklemmungen zu kriegen! Aber sehr beeindruckende Bilder, vor allem die Brücke ist der Hammer! Bin gespannt, wie´s weitergeht! LG, Ruth

  • Blula

    Lieber Klaus!
    Nachdem ich ja bereits sozusagen mit Dir durch die Petres-Schlucht (Bericht) gewandert bin, führst Du uns hier durch die Schlucht von Aradaina. Alle Achtung vor dieser Tour. Bin sehr beeindruckt, auch von den großartigen Fotografien, die Du unterwegs gemacht hast. Dein Bericht ist gut zu lesen, ob ich allerdings gerne life dabei gewesen wäre, ist eine andere Frage.
    LG Ursula

  • Zaubernuss

    Lieber Klaus,
    Was bist Du auch für ein nimmermüder Kraxler! Mit grossem Respekt und riesiger Bewunderung für Deine Zähigkeit und Ausdauer bin ich Deiner Spur gefolgt, über eine Wand, die ich nie und nimmer hinaufgehen möchte! Ich weiss nicht, was ich an Deiner Stelle getan hätte... Vielleicht hätte ich den Bus angehalten oder ich hätte den Touris auf dem Motorrad Verwünschungen nachgerufen...Danke auch für die kurzweilig erzählte Wandergeschichte mit den schönen Bilder.
    LG: Ursula

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