Hauptspalte:
Chronik
Daten und Fakten zum Goldenen Zeitalter der Niederlande
Kunst und Innovation
Als sich die nördlichen Niederlande Ende des 16. Jahrhunderts von spanischer Krone und Katholizismus lossagen, entsteht dort erstmals in der Geschichte ein gewaltiger Markt für Kunst – Bürger fast aller Schichten kaufen Gemälde. Die Maler formen neue, alltagsnahe Genres, zeigen heimische Landschaften, Stillleben, Szenen des bürgerlichen Daseins, verfeinern den präzisen Stil ihrer Vorläufer, stellen sich der Konkurrenz durch kompositorische und maltechnische Innovation. Im Süden, noch von Adel und Klerus beherrscht, kultivieren Künstler dagegen den flämischen Barock.
1369
Juni.
Herzog Philipp
der Kühne von Burgund
– einem Fürstentum
im Osten des
heutigen Frankreich
– heiratet Margarete
von Male, die Tochter
und Erbin des
Grafen von Flandern,
zu dessen Territorium
neben Flandern
weitere Teile der
Niederlande (der
niedrig gelegenen
Mündungsgebiete
von Rhein, Maas
und Schelde) gehören,
etwa Artois und
die Städte Antwerpen
und Mecheln.
Bis zur Mitte des
15. Jahrhunderts
fallen auch die Provinzen
Holland, Seeland,
Hennegau,
Luxemburg und Brabant
an Burgund.
um 1425
Der niederländische
Maler Jan van
Eyck tritt in den
Dienst Philipps des
Guten, Herzog von
Burgund, und lässt
sich bald darauf in
Brügge nieder. Seit
dem 14. Jahrhundert
ist die Stadt
einer der wichtigsten
Handelsplätze
Europas. Metropolen
wie Brügge
und Antwerpen
machen die Niederlande
neben Italien
zur wirtschaftlich
fortschrittlichsten
Region auf dem
Kontinent – und
durch ihre Steuern
den burgundischen
Hof zu einem der
reichsten des
Zeitalters.
Der Hof zieht
viele Künstler an,
neben van Eyck
etwa auch Rogier
van der Weyden und
Robert Campin.
Die Werke dieser
"altniederländischen"
Meister, zu
denen ebenso Hieronymus
Bosch
zählt, machen die
niederländische
Malerei erstmals
über die Landesgrenzen
hinaus bekannt.
Mit ihrer
detailreichen Darstellungsweise,
den
leuchtenden Farben
und sehr realistisch
wirkenden Bildmotive
begründen
sie eine Maltradition,
an welche die
Künstler des Goldenen
Zeitalters später
anknüpfen.
1477
19. August.
Maria
von Burgund, die
Erbin des Herzogs
Karl des Kühnen,
heiratet den Habsburger
Maximilian
von Österreich, den
Sohn Kaiser Friedrichs
III. Ihr Mann,
der später selber
Kaiser wird, übernimmt
die Regentschaft
in Burgund
und damit auch
über die niederländischen
Provinzen.
1515
5. Januar.
Maximilian
I. ernennt seinen
15-jährigen Enkel
Karl zum Herzog
von Burgund. 1516
wird Karl zum König
von Spanien, drei
Jahre später wählen
ihn die deutschen
Kurfürsten als
Karl V. zum römischdeutschen
König;
kurz darauf übernimmt
er auch den
Kaisertitel.
um 1519
Der Flame Joachim Patinir vollendet sein Bild "Landschaft mit dem Hl. Hieronymus". Während der Heilige auf eine kleine Figur im verdunkelten Vordergrund reduziert ist, türmen sich über ihm bizarre Felsformen, erstreckt sich hinter ihm eine weite Ebene von Wiesen und Wäldern. So macht Patinir erstmals die Landschaft zum wichtigen Bildinhalt – eine Tendenz, die die späteren niederländischen Maler fortentwickeln werden.
1523
In Brüssel werden zwei Mönche verbrannt, weil sie die Lehren Luthers gepredigt haben. Immer härter unterdrückt Kaiser Karl V. die protestantischen Bestrebungen.
1543
September.
Karl V.
erobert das Herzogtum
Gelderland,
nachdem er zuvor
schon Friesland und
Utrecht seinen Besitzungen
hinzugefügt
hat. Damit sind für
die folgenden knapp
vier Jahrzehnte erstmals
alle 17 niederländischen
Provinzen
unter einer
Herrschaft vereint.
1551
Pieter Bruegel der Ältere, geboren in einem Dorf in Brabant, wird Meister in der Malerzunft von Antwerpen, das inzwischen eine der bedeutendsten Kunststädte Nordeuropas ist. Bruegel entwickelt schnell eigene künstlerische Motive: Er malt vor allem atmosphärische Landschaftsansichten und anekdotische Szenen aus dem Bauernalltag – Themen, die so bis dahin nur in der Buchmalerei vorgekommen sind. Zahlreiche Künstler lassen sich von seinen Bildideen inspirieren.
1555
25. Oktober.
In
Brüssel ernennt
Karl V. seinen Sohn
Philipp II. zum Regenten
der Niederlande.
Als der Kaiser
kurz darauf abdankt,
erhält Philipp die
spanische Krone, die
Niederlande und
die habsburgischen
Besitzungen in Italien,
sein Onkel Ferdinand
I. den Kaisertitel
und deutsche
Ländereien. Als Regierungssitz
wählt
der 1527 in Spanien
geborene Philipp
die Stadt Madrid.
um 1560
Die "kleine Eiszeit" erreicht ihren Höhepunkt, sie wird für die kommenden Generationen das Klima Mittel- und Nordeuropas prägen. In den Niederlanden führen die langen Winter und feuchten Sommer zu Missernten. Lebensmittel werden teurer, Arbeitslosigkeit, Armut und Krankheiten breiten sich aus. Bauern und Grundbesitzer beginnen nun zunehmend, die Landwirtschaft zu modernisieren: Sie legen Landstriche trocken, züchten neue Feldfrüchte und investieren in die profitable Viehzucht. Günstiges Getreide wird aus dem Ostseeraum importiert. Neben der Heringsfischerei und dem Tuchgewerbe blüht vor allem der Handel auf. Während große Teile Europas Hunger leiden, bricht in den Niederlanden ein goldenes ökonomisches Zeitalter an.
1561
Der Reformator Guy de Brès veröffentlicht die calvinistische Bekenntnisschrift "Confessio Belgica". Zwar sind die meisten Niederländer noch katholisch, doch der Calvinismus, eine sehr rigorose Glaubensrichtung, die sich scharf von der römischen Kirche distanziert, wird zur bevorzugten Konfession der Mittel- und Oberschicht. Da die habsburgischen Landesherren mit aller Gewalt die Papstkirche verteidigen, ist der Protestantismus ein politisches Bekenntnis.

