Türkei Im Innern einer Koranschule: Fotografin Sabiha Çimens gewährt einzigartige Einblicke

Besteht Ayşe die Prüfung nicht, muss sie weitere zwei Jahre zur Schule gehen. Doch das Auswendiglernen fällt ihr schwer, sie sucht sich dafür einsame Ecken
Besteht Ayşe die Prüfung nicht, muss sie weitere zwei Jahre zur Schule gehen. Doch das Auswendiglernen fällt ihr schwer, sie sucht sich dafür einsame Ecken
© Sabiha Çimen
Als Kind besuchte Sabiha Çimen eine Koranschule, in der sie sich geborgen fühlte, aber auch eingeengt. Als Fotografin kehrte sie zurück. Ihre Bilder gewähren einzigartige Einblicke in das Innenleben der Internate
Text: Viktoria Morasch, Fotos: Sabiha Çimen

Ein Foto: zwei Mädchen, ein Baum. Zwillinge, sie heißen Rabiya und Sabiha. Sie sind elf Jahre alt und leben in Fatih, einem konservativen Viertel Istanbuls. Zum ersten Mal in ihrem Leben tragen sie Kopftuch an diesem Tag. Die Mädchen sind gleich angezogen, wie immer. Ihre Tücher sind gelb, wie zwei Sonnenblumen stehen sie neben dem Baum, eines rechts von ihm, eines links. Die eine weint, die andere lacht.

Rabiya freut sich, an diesem Tag ist sie dem Erwachsensein einen Schritt näher gekommen. Sabiha hasst es, das Tuch macht sie und ihre Schwester noch verwechselbarer. Wenig später erstreitet sie sich bei der Mutter ein Stück Individualität: Sie darf sich ein eigenes Kopftuch aussuchen, ein dunkelblaues mit einer kleinen Blume.

Die beiden Mädchen werden unterschiedliche Wege einschlagen. Rabiya bleibt in Fatih, wird Hausfrau und bringt zwei Kinder zur Welt. Sabiha wird Fotografin, heiratet einen Amerikaner und zieht nach New York.


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