Altes Ägypten Muff der Mumien: Was der Geruch über die Rezeptur von Einbalsamierern verrät

Papyrus zeigt Person, die verstorbenen Körper einbalsamiert
Totenkult: Die alten Ägypter mumifizierten die Körper Verstorbener und entwickelten Konservierungsmethoden über mehrere Tausend Jahre weiter
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Forschende haben den Duft ägyptischer Mumien analysiert – und rekonstruiert, mit welchen Materialien die Körper einbalsamiert wurden. Aus den Ergebnissen lässt sich ein Trend ablesen

Mumien riechen – und zwar nicht nur nach Verwesung. Ihr Geruch verrät auch die Substanzen, mit denen Einbalsamierer vor mehreren Tausend Jahren im alten Ägypten die Körper der Toten behandelt haben. Das hat ein Forschungsteam um die Biochemikerin Wanyue Zhao von der Universität Bristol herausgefunden. 

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten, welche Duftstoffe mumifizierte Körper bis heute absondern. Dazu haben sie flüchtige organische Verbindungen (VOC) – gas- und dampfförmige Stoffe in der Umgebungsluft der Mumien – analysiert, wie sie in ihrer Studie im Fachblatt "Journal of Archaeological Science" beschreiben. Da die einzelnen Substanzen bestimmte Biomarker aufweisen, konnten sie etwa pflanzliche Fette, tierische Öle und Wachs mit einem Gaschromatografen sowie einem Massenspektrometer bestimmen – und daraus die Zusammensetzung von Einbalsamierungstinkturen ableiten.

Mumien wurden mit Ölen, Fetten, Bienenwachs und Harz einbalsamiert

Wanyue Zhao und ihr Team entnahmen Geruchsproben von 19 Mumien aus der Zeit zwischen 3200 v. Chr. und 395 n. Chr. Das Ergebnis zeigt einen Trend auf: Die ältesten Körper der Verstorbenen wurden mit reinen Ölen und Fetten einbalsamiert, jüngere dagegen auch mit Bienenwachs, dem Harz von Kiefern und Bitumen, einer dickflüssigen Ölmasse. An einem Beinverband aus der Zeit zwischen 100 v. Chr. und 395 n. Chr. wiesen die Forschenden etwa folgende Zusammensetzung nach: 51 Prozent Bienenwachs, 27 Prozent natürliche Fette und Öle, 21 Prozent Nadelbaumharz. 

Einbalsamierer verfeinerten die Rezepturen zur Konservierung von Mumien im Laufe der Zeit also weiter. Dafür betrieben die alten Ägypter einen kostspieligen Aufwand: Im Land selbst wuchsen keine harzproduzierenden Bäume. Dieses Material musste, genau wie Bitumen, erst importiert werden.

Noch etwas fanden die Forschenden heraus: Ägyptische Mumien wurden nicht einheitlich einbalsamiert. "Beispielsweise wiesen Proben aus den Köpfen oft andere Muster auf als solche aus den Torsos", schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Studie. Doch warum? Ging es den Einbalsamierern um die optimale Konservierung bestimmter Körperregionen? Oder spielte schlicht die Verfügbarkeit von Materialien eine Rolle? Bislang fanden die Forschenden keine Erklärung.

Die Düfte von Mumien dagegen sind schon länger Thema in der Wissenschaft. 2025 analysierte ein Forschungsteam die Gerüche neun altägyptischer Mumien und klassifizierte sie in Kategorien wie "holzig", "würzig" und "süßlich". "Tatsächlich spielte Duft in der ägyptischen Mythologie und im Jenseits eine entscheidende Rolle", schreiben auch Wanyue Zhao und ihre Kollegen. "Gewürze dürften aufgrund ihres starken Aromas beim Einbalsamierungsprozess wertvoll gewesen sein, da sie die mit dem Tod verbundenen unangenehmen Gerüche überdeckten."

Die Praxis, Verstorbene zu mumifizieren, ist aus unterschiedlichen Regionen der Welt belegt, etwa aus Südostasien und Südamerika. Keine Kultur jedoch hat die Begräbnissorge mit einer solchen Kunstfertigkeit betrieben wie die alten Ägypter. Die frühesten bislang bekannten Funde stammen aus der Gegend südlich der heutigen Stadt Assiut, aus der Zeit um 4200 v. Chr.: Es sind Reste von Stoffstreifen, mit denen Verstorbene umwickelt waren und die dafür mit einer Mischung aus Fetten und Harz getränkt wurden.

In einigen Gräbern der Stadt Hierakonpolis um 3500 v. Chr. haben Forschende Körper von Verstorbenen gefunden, denen man die inneren Organe entnommen, diese gesondert umwickelt und wieder im Bauchraum platziert hat. Das Mumifizieren war, das zeigen die aktuellen Studien, im alten Ägypten ein hochkomplexes Verfahren.

mop