Cybermobbing Wie Sie sich und andere vor Hass im Internet schützen können

Lena Faecks und Sarah Klauke
Ein trauriges Mädchen liegt mit ihrem Handy im Bett
Mobbing und Diskriminierung finden nicht nur in der Schule, bei der Arbeit oder auf der Straße statt, sondern auch virtuell
© Odua Images / Adobe Stock
Mobbing und Diskriminierung finden nicht nur in der Schule, bei der Arbeit oder auf der Straße statt, sondern auch virtuell. Was bei Hassrede im Netz getan werden kann und welche Stellen Hilfe anbieten

Diskriminierung findet auch in der virtuellen Welt statt. Viele fühlen sich im Internet anonym und somit sicher, um andere anzugreifen. Besonders betroffen sind davon dann Personen oder Gruppen, die Randgruppen angehören und bereits gesellschaftliche Benachteiligung erfahren – wie auch Menschen, die LGBTQIA+ sind. Umfragen zufolge ist etwa ein Fünftel von ihnen zuletzt selbst zum Ziel von Online-Attacken geworden.

Was genau ist Hate Speech?

Wenn digitale Kommunikation, egal ob in Wort oder Bild, dazu genutzt wird, eine Person oder Personengruppe gezielt anzugreifen und herabzuwürdigen, wird dies als "Hassrede" oder "Hate Speech" bezeichnet. Darunter fallen zum Beispiel Rassismus oder Antisemitismus, aber letztendlich auch jegliche Ausdrücke, die Hass schüren, Intoleranz ausdrücken und dazu gedacht sind, andere zu verletzen.

Eine aktuelle repräsentative Umfrage zeigt: Vor allem bei jüngeren Menschen ist die Sensibilität für abwertende Rede im Internet gestiegen. Fast jede Person zwischen 14 und 24 Jahren hat bereits entsprechende Kommentare als solche erkannt, in der Gruppe ab 60 Jahren sind es dagegen nur 59 Prozent. Gerade für LGBTQIA+-Jugendliche hat der Schutz im Internet einen besonderen Stellenwert: Sie verbringen generell mehr Zeit online, suchen dort Information oder Austausch mit anderen, die fühlen wie sie.

Hate Speech kann dann höchst unterschiedliche Formen annehmen. So kann es Foren und Websites geben, deren Zweck allein der Hetze dient. Die Angriffe können aber auch subtil verlaufen, etwa, wenn ein*e Influencer*in unterschwellig sexistisch die Frauenquote in Großkonzernen diskutiert.

In Deutschland ist Hassrede allerdings kein feststehender juristischer Begriff, jedoch können bestimmte Äußerungen strafbar sein und angezeigt werden – etwa wenn es sich um Volksverhetzung, Beleidigung, Bedrohung, Verleumdung und üble Nachrede handelt.

Ist ein Angriff meine Schuld?

Wer zum Ziel von Hass im Internet wird, fühlt sich nicht selten selbst schuldig, sucht etwa nach Gründen für die Angriffe in der Art, wie die eigene Darstellung in Social Media gestaltet ist.

Expert*innen raten dazu, sich dann klarzumachen: "Ich bin ich, mit all meinen Eigenheiten, Ecken und Kanten! So darf, soll und kann ich sein! Ich lasse mich nicht durch die unreflektierte Meinung anderer dazu verleiten, meine Identität zu hinterfragen."

Denn Schuld ist allein die Person, die meint, sich über andere stellen zu dürfen.

Natürlich, es ist immer schwer, Anfeindungen gegen die eigene Persönlichkeit zu erfahren. Das soll einen aber nicht davon abbringen, zu sich selbst zu stehen. Hinter vielen Kommentaren stecken mindere Beweggründe, so Expert*innen, die für andere nicht nachvollziehbar sind. Wichtig ist allein, selbst einen Umgang damit zu finden. Vielen hilft es, sich mit anderen auszutauschen. Denn wie in den meisten Situationen im Leben, haben auch andere Ähnliches erlebt.

Was tun, wenn ich von Hate Speech betroffen bin?

Expert*innen raten zu folgenden zwei Schritten.

Erstens: durchatmen, runterkommen, nicht zur schnellen, unüberlegten Reaktion provozieren lassen.

Zweitens: Initiative ergreifen. Niemand muss Anfeindungen stehen lassen, jede*r kann – und sollte – sich wehren, wenn es einem möglich ist. Dabei gilt es, zwar freundlich, aber bestimmt aufzutreten. Hass mit Hass zu begegnen, führt selten zu Erfolg.

Außerdem gilt die Regel: "Don’t be afraid to delete!" Kommentare dürfen gelöscht werden. Wer den Eindruck gewinnt, dass ein Austausch sinnlos ist und für einen selbst zur Belastung wird, sollte rigoros löschen. Professionelle Unterstützung bieten etwa die Teams von no-hate-speech.de oder von neuemedienmacher.de/helpdesk.

Was kann ich gegen Hate Speech machen?

Wer erlebt, dass andere zum Ziel von Hassrede werden, sollte nicht tatenlos bleiben: Wichtig ist, die Betroffenen zu fragen, ob und welche Hilfe erwünscht ist. Die Personen sollten erleben, dass sie nicht allein sind – dass andere für sie da sind.

Und auch auf die andere Seite lässt sich einwirken: Wenn außenstehende Personen die Initiative ergreifen, kann dies den Hetzer*innen bewusst machen, dass ihre Meinung auch von anderen, nicht Betroffenen, verurteilt wird – und so Wind aus den Segeln nehmen.

Viele Initiativen, etwa "Hass im Netz" oder "Hate Aid" haben es sich zur Aufgabe gemacht, Hate Speech kollektiv zu begegnen und für Solidarität mit Betroffenen und ein freundliches Miteinander zu sorgen, auch und gerade im Internet.

Denn das Gefühl, gemeinsam gegen Hass und Hetze einzustehen, kann sich auch außerhalb des Internets positiv auf unser aller Miteinander auswirken. Umfangreiche Informationen dazu stellt auch der Lesben- und Schwulenverband im Internet bereit.

 

Dieser Text erschien zuerst im aktuellen GEO Wissen Extra Heft zum Thema Sexuelle Vielfalt und Identität. Hier bestellen