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Aspergillose Warum ein überall vorkommender Schimmelpilz immer gefährlicher wird

Der Schimmelpilz Aspergillus fumigatus erträgt Temperaturen von bis zu 48 Grad Celsius, Desinfektionsmittel und Trockenheit
Der Schimmelpilz Aspergillus fumigatus erträgt Temperaturen von bis zu 48 Grad Celsius, Desinfektionsmittel und Trockenheit
© Artur / Adobe Stock
Sporen von Schimmelpilzen sind so gut wie überall. Doch wenn das menschliche Immunsystem geschwächt ist, können manche von ihnen lebensbedrohliche Infektionen auslösen. Schuld daran ist auch die Landwirtschaft

Aspergillus fumigatus kommt praktisch überall vor – von der Sahara bis zur Antarktis. Und fast jeder Mensch atmet die Sporen des Schimmelpilzes täglich ein. Normalerweise ist das kein Problem. Außer, das Immunsystem ist geschwächt. Dann können die mikroskopisch kleinen Sporen eine oft tödlich verlaufende Infektion auslösen. Häufig sind die Nasennebenhöhlen und die Lunge betroffen, es können aber auch andere Organe, wie die Haut oder der Magen-Darm-Trakt, befallen sein.

Zwar gibt es für die Behandlung einschlägige Medikamente. Doch die wirken nicht immer. Denn viele Varianten des Pilzes, der sich normalerweise von abgestorbenen Pflanzenresten ernährt, haben Resistenzen gegen die einschlägigen Medikamente entwickelt.

Ein Forschungsteam um die Mikrobiologin Johanna Rhodes vom Imperial College London hat nun 218 Proben des Pilzes aus Großbritannien und Irland untersucht. Die Schimmelpilze stammten zum Teil von infizierten Patienten, zum Teil aus der Umwelt, etwa von Komposthaufen, aus dem Boden oder aus der Luft.

Zunehmender Trend bei den Resistenzen

Das Ergebnis veröffentlichte das Team jetzt im Fachblatt "Nature Microbiology": 106 der Pilz-Proben waren gegen mindestens eines der einschlägigen Medikamente resistent. 26 Schimmelpilzen konnten sogar zwei oder mehr der üblicherweise eingesetzten Wirkstoffe nichts anhaben. Auffällig dabei: von diesen 26 besonders gefährlichen, multiresistenten Schimmelpilzen stammten 23 aus Proben, die in der Umwelt entnommen worden waren.

Zwar kommt es vor, dass Schimmelpilze während der Behandlung mit Medikamenten eine Resistenz entwickeln. Doch offenbar bringen immer mehr Pilze diese problematische Eigenschaft schon aus der Umwelt mit. Auch einen Verdächtigen für diesen besorgniserregenden Trend haben die Forschenden identifiziert: die Landwirtschaft.

Fungizide aus der Landwirtschaft unter Verdacht

Gegen den Befall mit Schimmelpilzen werden in der Landwirtschaft Wirkstoffe aus der Gruppe der Azole eingesetzt: dieselben Wirkstoffe, die auch in Medikamenten gegen Aspergillose enthalten sind. "Dass der Schimmelpilz in der Umwelt mit Azolen in Kontakt kommt", so heißt es in einer Pressemitteilung der Universität, "bedeutet, dass er eine resistente Form annimmt, bevor er auf Menschen trifft, die er infiziert."

Mit einer sogenannte invasiven Aspergillose infizieren sich vor allem Immungeschwächte – oder Menschen, deren Immunantwort durch Medikamente unterdrückt wird, etwa nach einer Organtransplantation. Bis zu 20 Millionen Menschen weltweit leiden an einer Aspergillose. Und selbst mit ärztlicher Behandlung sterben etwa ein Drittel bis ein Viertel der Infizierten.

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