Paläontologie So klein wie ein Huhn: Forschende entdecken winzigen Dinosaurier in Spanien

Dinosaurier Illustration grün
Von der Schnauze bis zur Schwanzspitze misst der Mini-Dino nur etwas mehr als 50 Zentimeter
© Martina Charnell / EurekAlert / dpa
In Spanien haben Forschende eine ganze Gruppe von Dinosauriern entdeckt – und schreiben damit ein wichtiges Kapitel der Frühkreide neu. Die Tiere zählen zu einer bislang unbekannten Art

Im Norden Spaniens haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Überreste einer sehr kleinen Dinosaurierart entdeckt. Aufgerichtet würde Foskeia pelendonum, der auf zwei Beinen lief, einem Erwachsenen heutzutage gerade einmal bis zum Knie reichen. Von der Schnauze bis zur Schwanzspitze maß der winzige Dinosaurier nur etwas mehr als 50 Zentimeter. Damit ist der Dino größentechnisch eher mit dem heutigen Huhn vergleichbar als mit "klassischen" Dinosauriern dieser Zeit.

"Wir wussten von Anfang an, dass diese Knochen aufgrund ihrer winzigen Größe außergewöhnlich sind. Ebenso beeindruckend ist, wie die Untersuchung dieses Tieres die weltweiten Vorstellungen über die Evolution der Ornithopoden-Dinosaurier auf den Kopf stellt", wird der Forscher Fidel Torcida Fernández-Baldor in einer Mitteilung zitiert. Er ist Mitarbeiter des Dinosaurier-Museums Salas de los Infantes im spanischen Burgos und hatte die Knochen in der Nähe des Ortes Castrillo de la Reina gemeinsam mit seinem Team entdeckt.

Das Forschungsteam fand Knochen von mindestens fünf Individuen der Dinosuarierart Foskeia pelendonum. Mindestens eines der Tiere war ausgewachsen, schreibt die Gruppe im Fachjournal "Papers in Palaeontology". Auf den Fund folgende Untersuchungen unter Leitung des belgischen Paläontologen Koen Stein hätten demnach bestätigt, dass das größte gefundene Exemplar ein erwachsener Dinosaurier gewesen sei. 

Erstaunlich fortschrittliche Anatomie

Die Tiere, die zu den Vogelfußdinosauriern (Ornithopoda) zählen, lebten den Forschenden zufolge vor etwa 120 Millionen Jahren in einer feuchten Auenlandschaft mit Flussläufen und Überschwemmungsflächen. Ihr Stoffwechsel erinnere an den kleiner Säugetiere oder Vögel.

Die winzige Größe sei kein Zeichen für eine geringere Entwicklung gewesen, betont Marcos Becerra von der Universität Córdoba, Mitautor der Studie. Foskeia pelendonum sei anatomisch erstaunlich "fortschrittlich" gebaut gewesen. So weist insbesondere der Schädel mehrere spezialisierte Merkmale auf, etwa veränderte Gelenkflächen und Zahnreihen, die darauf hindeuten, dass der Dinosaurier bereits sehr effizient pflanzliche Kost zerkleinern konnte.

Urzeit: Die wahre Geschichte der Evolution: Wie Saurier und Säuger Seite an Seite lebten
© Annika Siems
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© Illustrationen: Annika Siems

Damit rückt die Art nahe an den Ursprung jener europäischen Pflanzenfresserlinie heran, aus der später größere Formen wie die Rhabdodontiden hervorgingen – Foskeia bildet gewissermaßen ein fehlendes Bindeglied im Stammbaum. Die Entdeckung verändert damit das Bild davon, wie sich die Körpergröße bei pflanzenfressenden Dinosauriern entwickelte. Foskeia gilt als einer der kleinsten bekannten erwachsenen Ornithopoden und zeigt, dass Miniaturisierung – also eine evolutionäre Verkleinerung – in dieser Gruppe mehrfach und unabhängig voneinander stattgefunden haben muss. 

Der aktuelle Fund stützt außerdem die Idee, dass nicht nur große, in Herden lebende Tiere erfolgreich waren, sondern dass auch sehr kleine, flinke Pflanzenfresser eigene ökologische Nischen besetzten – etwa im Unterholz, wo sie junge Triebe, Samen oder weiche Blätter fraßen und sich im Dickicht vor Räubern verstecken konnten.

Fund des Mini-Dinos ist ein Glücksfall

"Diese Fossilien beweisen, dass die Evolution bei kleinen Körpergrößen ebenso radikale Experimente durchführte wie bei großen", schreiben die Forschenden. Die Zukunft der Dinosaurierforschung werde künftig davon abhängen, dass man solchen fragmentarischen und kleinen Funden genügend Aufmerksamkeit schenke.

Für die Paläontologie der Iberischen Halbinsel ist der winzige Dino ein Glücksfall. Die Castrillo-de-la-Reina-Formation war schon länger für Fußspuren und isolierte Knochen verschiedener Dinosaurier bekannt, doch mit Foskeia erhält die Region nun einen der ältesten sicher belegten Vertreter der Rhabdodontomorpha weltweit. Damit lässt sich besser nachvollziehen, wie sich Pflanzenfresser im frühen Kreidezeit-Europa verbreiteten – und wie eng die damaligen Tiergemeinschaften auf dem Kontinent und in anderen Teilen der Welt tatsächlich miteinander verwandt waren.

mit Material der DPA