Der Mai ist angebrochen und die vorgezogenen oder gekauften Tomaten an der sonnigen Fensterbank werden langsam zu groß für ihre Töpfe. Nun ist es Zeit, die Setzlinge an das Draußen zu gewöhnen, damit sie bald in Garten, Topf oder Gewächshaus umziehen können. Gärtnerinnen und Gärtner sprechen vom "Abhärten".
Warum müssen Tomaten vor dem Pflanzen abgehärtet werden?
Tomaten werden in unseren Breiten in beheizten Räumen ab März vorgezogen. So haben sie beim Auspflanzen im Mai einen Wachstumsvorsprung von mehreren Wochen. Wind, Sonne und Regen lernen die Pflänzchen drinnen aber nie kennen. Selbst wenn sie nicht unter Kunstlicht, sondern an einem Südfenster standen, sind sie keine direkte Sonne gewöhnt. Denn das Glas filtert fast die gesamte UV-Strahlung heraus.
Für Tomaten ist es daher ein Schock, wenn sie ohne Eingewöhnung einfach ins Freie gestellt werden. Temperaturschwankungen, Sonnenbrand, Windböen, Hitzestress können den Tod bedeuten oder zumindest einen tage- bis wochenlangen Wachstumsstopp. Selbst im Gewächshaus. Um das zu verhindern, härtet man ab.
Wie härtet man Tomaten richtig ab?
Ideal ist eine langsame Abhärtung über 7-14 Tage, sofern die Tomaten im Freien wachsen sollen. Bei Gewächshaustomaten reicht eine Woche. Zum Abhärten werden die Jungpflanzen ab Anfang Mai jeden Tag ein bisschen länger nach draußen gestellt. Wichtig ist dabei, dass die Temperatur konstant über 10 Grad Celsius liegt.
Das Abhärten ist keine exakte Wissenschaft, es kommt vor allem darauf an, den Pflanzen je nach Verfassung nicht zu schnell zu viel zuzumuten. Ein Schema über 10 Tage im Freien könnte zum Beispiel so aussehen:
- Tag 1: Standort windstill, vollschattig; 1 Stunde
- Tag 2: Standort windstill, vollschattig; 2-3 Stunden
- Tag 3: Standort windstill, vollschattig; 3-4 Stunden
- Tag 4: Standort mit leichter Brise, Halbschatten mit Morgen- oder Abendsonne; 4-5 Stunden
- Tag 5: Standort mit leichter Brise, Halbschatten mit Morgen- oder Abendsonne; 6-8 Stunden
- Tag 6: Standort mit leichter Brise, Halbschatten mit Morgen- oder Abendsonne; ganzer Tag – und Nacht, wenn Temperatur über 10 Grad
- Tag 7: Standort sonnig, Mittagssonne mit einem Vlies abschirmen; ganzer Tag – und Nacht, wenn Temperatur über 10 Grad
- Tag 8-10: finaler Standort sonnig, bei sichtbarem Hitzestress Mittagssonne mit einem Vlies abschirmen; ganzer Tag – und Nacht, wenn Temperatur über 10 Grad
Damit man die Tomaten in der Hektik des Alltags nicht einfach draußen vergisst, empfiehlt es sich, einen Wecker zu stellen.
Vergeilte (in die Höhe geschossene) Pflanzen sollten an einen Stab gebunden werden, damit sie im Wind nicht umkippen und abknicken.
Und das Gießen nicht vergessen: Tomaten verdunsten im Freien mehr Wasser und haben den Vorrat in ihren kleinen Töpfen schnell aufgebraucht. Am besten täglich und bei starker Hitze auch zwischendurch reichlich Wasser in einen Untersetzer gießen und Tomaten hineinstellen. Flüssigkeit, die nach zehn Minuten nicht aufgenommen wurde, abschütten. Auf keinen Fall mit dem Schlauch von oben bespritzen. Auch Regen gilt es so lange wie möglich zu vermeiden, da Nässe auf den Blättern Pilzkrankheiten fördert.
Eine der größten Gefahren für junge Tomaten ist Sonnenbrand. Er zeigt sich durch silbrig-weiße Flecken auf den Blättern. Sonnenbrand bringt die Tomate meist nicht um, schwächt die Pflanze aber und wirft sie im Wachstum zurück, da sie erst neue Blätter bilden muss.
Wann dürfen Tomaten in Beet oder Topf?
Sobald die Temperaturen auch nachts konstant über 10 Grad Celsius liegen, können die abgehärteten Tomaten ausgepflanzt werden. Das ist im Freiland normalerweise Mitte Mai der Fall, wenn die Eisheiligen vorbei sind. Vor diesem Stichtag kann es noch zu Nachtfrösten kommen.
Durch den Klimawandel verschiebt sich das letzte Frostdatum allerdings immer weiter nach vorn. Bei einer längeren Hitzeperiode Anfang Mai kann auch schon früher ausgepflanzt werden. Ebenso wenn man ein (beheiztes) Gewächshaus hat, das die Temperatur auch in der Nacht bei über 10 Grad Celsius hält.
Natürlich kann auch später als Mai gepflanzt werden, beispielsweise im Juni. Die Wachstums- und Ernteperiode verkürzt sich dann aber entsprechend.
Tomaten pflanzen: So geht's?
Zum Auspflanzen befüllt man einen Topf (mindestens 15 Liter) mit gedüngter Erde oder Kompost oder hebt ein Loch im Garten aus. Der Boden sollte gelockert, humos, mit Kompost vorgedüngt (drei bis fünf Liter pro Quadratmeter) und nicht zu kompakt und lehmig sein, da sich sonst Staunässe bildet und die Wurzeln nicht wachsen. Im Topf verhindert man Staunässe, indem man Drainagematerial wie Blähton oder Perlit in die Erde mischt. Die oft empfohlene Blähtonschicht unten im Topf ist dagegen kontraproduktiv.
Die Tomaten werden je nach Größe bis zu den länglichen Keimblättern eingegraben. In die Höhe geschossene Tomaten können aber ruhig noch tiefer gesetzt werden. Sie bilden am Stängel neue Wurzeln (Adventivwurzeln). Blätter, die den Boden berühren, entfernen.
Verfilzte Wurzeln mit den Händen vorsichtig lockern und bei starker Verwachsung mit einer sterilen Schere behutsam einkürzen. Nach dem Pflanzen gründlich wässern.
Welcher Standort ist für Tomaten geeignet?
Der Standort sollte gen Süden liegen, damit die Tomaten möglichst viel Sonne bekommen. Vorsicht ist jedoch an Extremstandorten geboten, etwa einem Südbalkon ohne Schatten, auf dem sich die Hitze staut. Hier können selbst sonnenhungrige Tomaten zu viel bekommen. Lassen sie in der Mittagszeit die Blätter hängen, hilft Verschattung. Hat man keinen sonnigen Platz zur Verfügung, können Tomaten auch im Halbschatten gedeihen, der Ertrag fällt aber häufig geringer aus.
Ein regengeschützter Standort im Gewächshaus oder unter einem Vordach ist für Tomaten ideal. Nasse Blätter fördern die Ausbreitung der Kraut- und Braunfäule, die häufig die Tomatenernte vorzeitig beendet. Dennoch können Tomaten im Freiland angebaut werden, wenn man darauf achtet, dass es sich um freilandtaugliche Sorten handelt.
Starken Wind vertragen Tomaten weniger. Gleichwohl ist es von Vorteil, wenn ab und zu ein Lüftchen weht, damit nasse Blätter schneller abtrocknen.
Je weiter die Pflanzen voneinander entfernt stehen, desto besser. Die Faustregel sind mindestens 50 Zentimeter Pflanzabstand. Denn Tomaten konkurrieren nicht nur um Licht und Nährstoffe, sondern stecken sich auch gegenseitig mit Krankheiten an. Das gleiche gilt für Kartoffeln, die wie Tomaten Nachtschattengewächse sind. Wer im Vorjahr mit Tomatenkrankheiten zu kämpfen hatte, kann probieren, einen anderen Standort zu wählen oder die Erde oberflächlich austauschen.
Ausgeizen oder nicht? Der Unterschied zwischen Buschtomate und Stabtomate
Bei Buschtomaten muss man nichts weiter tun. Sie wachsen von allein in kompakter buschiger Form. Die allermeisten Tomatensorten sind aber Stabtomaten, die zum Wachsen eine Stütze, eine Rankhilfe oder ein Geländer brauchen. Im Gewächshaus reicht eine aufgerollte Schnur, die vom Dach herabgelassen und um die Tomate gewickelt wird. Das hat zudem den Vorteil, dass die Tomate unbegrenzt nach oben weiterwachsen kann. Dazu einfach die Schnur regelmäßig ein Stück entrollen und den Stängel in Bodennähe entblättern und kreisförmig auf der Erde ablegen.
Wachsen Stabtomaten dicht verzweigt, kann das den Fruchtertrag mindern und Krankheiten fördern. Deshalb sollten bis auf ein, zwei Haupttriebe alle Seitentriebe entfernt, sprich "ausgegeizt" werden. Dies erfordert eine wöchentliche Kontrolle, da Tomaten ständig neue Nebentriebe bilden. Wer Bedarf an weiteren Pflanzen hat, kann die Geiztriebe einfach wieder einpflanzen.
Unabhängig von der Tomatensorte wird häufig empfohlen, regelmäßig ältere Blätter zu entfernen. Insbesondere, wenn sie in Bodennähe wachsen, bereits fleckig sind oder erste Anzeichen der Kraut- und Braunfäule zeigen. Dabei auf sterile Hände und Werkzeuge achten. Auch durch verunreinigtes Werkzeug können sich Krankheiten von einer auf die nächste Pflanze übertragen.
Wie werden Tomaten gedüngt?
Tomaten sind Starkzehrer, brauchen also reichlich Nährstoffe. Wer sichergehen will, kann zusätzlich zum Kompost schon beim Pflanzen Schafwollpellets, Hornspäne oder mineralischen Langzeitdünger zu den Tomaten geben und oberflächlich einarbeiten.
Zu Beginn der Blüh- und Fruchtperiode wird mit einem flüssigen Tomaten- oder Gemüsedünger nach Packungsanweisung, in der Regel wöchentlich, nachgedüngt. Dieser sollte reich an Kalium und Magnesium sein, sowie Phosphor enthalten. Reine Stickstoffdünger fördern nur das Blattwachstum, nicht aber die Fruchtbildung.
Wer es ganz genau wissen will, führt eine Bodenanalyse durch, um den Gehalt an Kalium, Magnesium, Phosphor und Stickstoff zu bestimmen und gezielt nachzudüngen. Für eine optimale Nährstoffaufnahme sollte das Verhältnis von Kalium zu Magnesium bei 3:1 liegen.
Im Hobbygarten oder gar auf dem Balkon ist das allerdings kaum machbar. Daher wird häufig pauschal empfohlen, zusätzlich vor der Pflanzung etwas Kalimagnesium (Packungsangabe beachten) gleichmäßig oberflächlich in den Boden einzuarbeiten. Im Topf lieber weniger als mehr.
Bei Mangelerscheinungen kann vorsichtig nachgedüngt werden:
- Helle Blätter und Kümmerwuchs weisen auf einen Stickstoffmangel hin
- Braune Blattränder und Grünkrägen an den Früchten können auf Kaliummangel hindeuten
- Aufhellungen zwischen den Blattadern älterer Blätter können ein Zeichen für Magnesiummangel sein
Tomaten richtig gießen und "erziehen"
Einer der häufigsten Fehler in der Tomatenkultur ist falsches Gießen. Zum einen sollte man Tomaten nie von oben, sondern immer nur von unten gießen. Denn Spritzwasser und auch Regen wirbeln Pilzsporen auf, die wiederum auf nassen Blättern gedeihen. Ideal ist eine gleichmäßige Tröpfchenbewässerung.
Wer keine automatische Bewässerung hat, für den kann es sich lohnen, die Tomaten zu erziehen. Dazu nur zwei- bis dreimal die Woche durchdringend gießen. Gegebenenfalls einen Gießring mit etwas Abstand von der Tomate verwenden, wenn das Wasser wegläuft. Auf diese Weise dringt Feuchtigkeit in tiefere Bodenschichten und bildet dort ein Reservoir. Die Wurzeln wachsen hinterher und bedienen sich nach Bedarf.
Eine zentimeterdicke Mulchschicht aus Pflanzenresten oder Rasenschnitt minimiert zusätzlich die Verdunstung und verlängert die Periode, in der die Tomaten ohne Gießen auskommen. Nur im Topf funktioniert Erziehung nicht, da die Pflanzen nicht tief genug wurzeln können.