Auf der Fensterbank Tomaten vorziehen: Alles Wichtige zu Saatgut, Zeitpunkt und Pflege

Tomaten vorziehen: Anzuchtset , junge Tomatenpflanzen und Hand mit Tomaten
Tomaten vorziehen macht auch deshalb Freude, weil man aus Tausenden von Sorten wählen kann, was am besten schmeckt
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Wenn ein Gemüse sich jetzt zu säen lohnt, dann Tomaten: Die Sortenvielfalt! Die Wüchsigkeit! Das Ernteglück! Damit es auch wirklich klappt, hier die besten Tipps für die Voranzucht

Tomaten selbst zu ziehen hat viele Vorteile. Es macht Spaß, ihnen beim üppigen Wachsen zuzusehen, spart Geld, und man kann aus der Vielfalt der Sorten die schönsten und schmackhaftesten wählen. Außerdem ist es leicht. Tomaten zählen zu den Anfängergemüsen, ob im Beet oder Topf.

Ab wann kann ich auf der Fensterbank Tomaten vorziehen?

Die Antwort hängt von der eigenen Erfahrung und der vorhandenen Ausrüstung ab. Wer über ein (beheiztes) Gewächshaus verfügt, kann schon Mitte Februar mit der Voranzucht beginnen. Alle anderen warten bis März. 

Mit einer speziellen Pflanzlampe und viel Platz kann man sich Anfang März an die Aussaat wagen. Wer nur das Licht auf der Fensterbank nutzt, für den lohnt es sich, bis Mitte oder sogar Ende März zu warten, wenn die Tage länger werden. Später gesäte Tomaten holen das Wachstum oft auf, weil die Lichtverhältnisse einfach besser sind.

Haben Sie im Hinterkopf, dass Sie die Tomaten je nach Wetterlage erst Mitte Mai ins Freiland, beziehungsweise Mitte April ins Gewächshaus auspflanzen können. So lange müssen die Pflanzen in der Wohnung ausharren. Bekommen sie nicht genug Licht oder fehlt der Platz zum Umtopfen, werden die Pflanzen schwächlich, und der Vorteil der frühen Aussaat ist dahin. Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür, wann der richtige Moment gekommen ist.

Saatgut: Wie finde ich die Tomatensorte, die zu mir passt?

Schätzungen nach soll es mehr als 10.000 Sorten geben. Die optische und geschmackliche Bandbreite reicht von grün und gelb über orange, schwarz, lila, gestreift, gescheckt, murmelgroß, fleischig, tropfenförmig, rauchig bis quietschsüß.

Was von einer Tomatensorte zu erwarten ist, kann der Beschreibung auf der Saatgutverpackung oder im Internetshop entnommen werden. Es gibt neben der Auswahl im lokalen Handel Dutzende professionelle und private Saatguthändler, die Tomatensamen anbieten und per Post versenden.

Bevor Sie Ihre Wahl treffen, sollten Sie die wichtigsten Merkmale kennen:

  • Buschtomaten, Stabtomaten oder Wildtomaten: Buschtomaten eignen sich vor allem für den Kübelanbau, da sie kompakt wachsen und nicht ausgegeizt werden müssen. Der dichte Wuchs macht sie je nach Sorte aber auch anfälliger für Krankheiten im ungeschützten Freiland. Stabtomaten wachsen luftiger, brauchen aber einen Stab, eine Schnur oder ein Gitter, an dem sie nach oben ranken können. Wildtomaten wiederum wachsen ausufernd in alle Richtungen und bilden murmelgroße Früchte. Sie gelten als besonders robust gegen Krankheiten.
  • Cocktailtomaten oder Fleischtomaten: Cocktailtomaten bilden kleinere, dafür aber mehr und aromatischere Früchte als Fleischtomaten. Außerdem reifen sie schneller. Für die Kultur im Kübel sind sie daher besser geeignet. Fleischtomaten liefern bei ausreichend Platz im Beet oder Gewächshaus hohe Erträge, haben aber eine längere Reifezeit. Sie eignen sich häufig perfekt für Saucen. Viele Sorten liegen irgendwo zwischen kleiner Cocktail- und großer Fleischtomate.
  • Gewächshaus- oder Freilandtomaten: Im Gewächshaus lässt sich beides anbauen. Im Garten oder auf einem ungeschützten Balkon sind jedoch Freilandsorten zu bevorzugen. Sie sind robuster. Das bedeutet vor allem, dass sie sich bei nasser Witterung nicht so schnell mit der Kraut- und Braunfäule infizieren.
  • Samenfeste Sorten oder Hybridsorten: Von samenfesten Sorten kann man eigenes Saatgut gewinnen. Sie punkten mit intensiven Aromen, sind aber oft weniger ertragreich als Hybridsorten (F1-Hybride), die für den Erwerbsanbau entwickelt wurden. Hybridsorten eignen sich nicht zur Weitervermehrung (warum, ist hier erklärt). Auch wer die Samen von Tomaten aus dem Supermarkt oder vom Wochenmarkt verwenden möchte, sollte darauf achten, dass es sich nicht um Hybride handelt.

Extratipp: Tomatensamen bleiben jahrelang keimfähig, mit etwas Glück sogar zehn Jahre und länger. Allerdings lässt die Keimrate mit der Zeit nach. Daher empfiehlt es sich, bei älterem Saatgut vorsorglich etwas mehr auszusäen.

Tomaten aussäen: So einfach geht es!

Die Aussaat ist denkbar simpel, denn im Vergleich zu vielen anderen Gemüsesorten sind Tomaten dankbare Keimer. Man fülle einen Topf oder eine beliebige Plastikschale, die unten Löcher aufweist, mit Erde. Dies kann Aussaaterde sein, leicht gedüngte Erde oder gut abgelagerter Kompost. Als Starkzehrer vertragen Tomaten zu Anfang mehr Nährstoffe als anderes Gemüse.

  • Drücken Sie die Erde gleichmäßig an, und legen Sie die Tomatensamen mit mindestens einem Zentimeter Abstand darauf (je enger Sie säen, desto früher müssen Sie pikieren).
  • Anschließend die Tomaten locker mit Erde bestreuen oder übersieben. Da Tomaten Lichtkeimer sind, dürfen sie nicht zu tief vergraben werden. Die Erde nun gründlich befeuchten. Eine Ballbrause verhindert, dass die Samen freigespült werden. Beschriften nicht vergessen.
  • Zum Keimen stellen Sie das Pflanzgefäß an einen möglichst warmen Ort, der konstant um die 20 bis 24 Grad Celsius aufweist. Das kann in der Nähe eines Heizkörpers sein oder auf der Fußbodenheizung im Bad.
  • Um zu verhindern, dass die Erde durch die Hitze austrocknet, was für die Samen tödlich wäre, empfiehlt es sich, eine Haube oder Plastiktüte über das Aussaatgefäß zu stülpen. Diese sollte aber entfernt werden, sobald die Köpfchen aus der Erde lugen. Das kann je nach Sorte und Saatgutqualität schon nach drei bis vier Tagen geschehen.
Tomaten vorziehen: Tomatensamen werden von Hand in eine Schale gesät
Tomaten säen: Die Samen in etwa einem Zentimeter Abstand auf die Erde legen, leicht bedecken und anfeuchten
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Extratipp: Eierkartons oder Klopapierrollen eignen sich weniger gut als Anzuchtgefäße, weil sie zum Schimmeln und Austrocknen neigen. Wer upcyceln möchte, kann Gemüseschalen aus dem Supermarkt oder aufgeschnittene, am Boden perforierte Tetra Paks verwenden.

Tomaten pikieren: Nach dem Keimen kommt das Vereinzeln

Sobald die Jungpflanzen ihre Keimblätter aus der Erde schieben, sollten sie an einen kühleren, möglichst hellen Ort gestellt werden. Dies kann zum Beispiel ein helles Südfenster in einem wenig beheizten Raum sein. Um die Lichtmenge zu erhöhen, können Sie einen hellen Karton oder einen Spiegel hinter die Pflänzchen stellen. Profis nutzen ein Pflanzlicht, zwingend nötig ist das nicht.

Wer dicht gesät hat, sollte die Pflanzen pikieren, also vereinzeln, sobald die Tomaten ihr erstes echtes Blattpaar entwickeln. Es erscheint nach den lanzettförmigen Keimblättern und unterscheidet sich optisch deutlich von diesen. Zum Pikieren kann man entweder alle Tomaten samt Erde aus dem Topf herausziehen und vorsichtig vereinzeln. Oder man hebelt die Pflänzchen mit einem Pikierstab samt Wurzel heraus. Als Pikierstab eignet sich etwa ein Stift oder ein Essstäbchen. 

Tomaten vorziehen: Hand pikiert Tomatensamen mit einem Bleistift
Tomaten pikieren: Während die eine Hand das Blatt festhält, löst die andere mit einem Stab die Wurzeln aus der Erde
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Sodann füllen Sie einen Topf mit vorgedüngter Erde und bohren mit dem Finger ein Loch hinein. Manövrieren Sie das Pflänzchen mit der Wurzel zuerst in das Loch, sodass nur noch die Keimblätter herausschauen. Falls das nicht auf Anhieb ganz klappt, können Sie die Wurzeln mit dem Pikierstäbchen sanft tiefer in das Pflanzloch ziehen. Anschließend das Loch mit Erde füllen, gut andrücken und gießen.

Extratipp: Die Pflänzchen nicht am Stiel anfassen, weil hier die lebenswichtigen Leitungsbahnen verlaufen, die nicht gequetscht werden dürfen. Fassen Sie stattdessen an den Blättern an. 

Tomaten gießen, düngen – und streicheln

In einem großen Topf (siehe Foto) können die Jungpflanzen einfach bis zum Auspflanzen weiterwachsen. Sollten die Wurzeln jedoch anfangen, im Kreis zu wachsen, muss zwischendurch noch einmal umgetopft werden. Sind die Wurzeln bereits verfilzt, werden sie gelockert und gegebenenfalls mit einer sterilen Schere leicht eingekürzt. 

Tomaten vorziehen: Junge Tomatenpflanzen auf der Fensterbank zu Hause
Nach fünf bis sechs Wochen sollten die Tomatenjungpflanzen kräftig sein. Sie können die Fensterbank nun langsam verlassen und sich an draußen gewöhnen
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Gedüngt wird nach drei Wochen mit einem um die Hälfte verdünnten Flüssigdünger oder wenn die Blätter sich hell färben (Stickstoffmangel). Sparsam gießen und nach Möglichkeit von unten, also in den Untersetzer. Wenn sich die Erde nach zehn Minuten vollgesogen hat, restliches Wasser entfernen. Achtung: Staunässe lässt die Wurzeln absterben, was ebenfalls gelbe Blätter nach sich zieht.

Extratipp: Streicheln sie mindestens einmal täglich sanft über die Köpfe der Jungpflanzen. Das simuliert den Wind, der in der Wohnung fehlt, und lässt die Tomaten kräftiger und gedrungener wachsen.

Hilfe, meine Tomaten sind vergeilt! Was nun?

Von Vergeilen spricht man, wenn der Tomatenkeimling in die Höhe schießt und sich gefährlich zur Seite neigt. Der Grund für Vergeilen ist zu viel Wärme bei gleichzeitig zu wenig Licht. In diesem Zustand droht der Keimling umzufallen; insbesondere wenn das Substrat sehr feucht ist und Trauermücken und Pilzkrankheiten an den Wurzeln nagen.

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Die gute Nachricht: Die meisten vergeilten Tomaten lassen sich retten, indem man sie einfach tiefer setzt. Denn sie können auch am Spross Seitenwurzeln ausbilden. So hat es sich bewährt, vergeilte Tomaten sofort umzutopfen und sie bis zu den Keimblättern in die Erde zu setzen. Anschließend sollten sie an einen kühleren und möglichst hellen Platz gestellt werden.

Der Sommer naht, wann soll ich die Tomaten pflanzen?

Ist kein Frost mehr zu befürchten und die Temperaturen liegen auch nachts konstant über zehn Grad, dann ist es Zeit, die Tomaten draußen abzuhärten, um sie an Sonne, Wind und Temperaturschwankungen zu gewöhnen.

Dafür werden sie eine Woche lang jeden Tag ein bisschen länger nach draußen gestellt. Zunächst eine Stunde in den windstillen Schatten, später auch in die Sonne und über Nacht. Nur Regen gilt es so lange wie möglich zu vermeiden, da er Kraut- und Braunfäule fördert. Nach sieben Tagen sind die Jungtomaten dann bereit, in den Kübel oder ins Beet zu wandern.