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Ab nach draußen Maximale Ernte auf kleinem Raum: So geht Square Foot Gardening

Gärtnern im Quadrat, ein Trend aus den USA, spart Platz und optimiert den Ertrag auf wenig Fläche. Das raffinierte System verspricht selbst Anfängern große Ernteerfolge. Los geht's!
Square Foot Gardening: Anpflanzen von Blumen, Kräutern und Gemüse in  Quadraten in Holzkisten auf dem Balkon
Beim Square Foot Gardening oder Quadratgärtnern wird in klar abgegrenzte Rechtecke gepflanzt. Platz, Aufwand und Ernte lassen sich so optimieren. Normalerweise sind alle Quadrate gleich groß, es gibt aber auch individuelle Abwandlungen
© Arterra / Getty Images

Seien wir ehrlich: Die klassische Anbaumethode für Gemüse – meterlange Reihen von Möhren, Kohlrabi, Salat, die alle zur selben Zeit reif werden – ist für den Hobbyanbau nicht ideal. Zu platzintensiv, zu unflexibel. Erst recht in der Stadt.

Das dachte sich in den 1970er-Jahren auch Mel Bartholomew, ein amerikanischer Gärtner und Bauingenieur. Und so klügelte der im Umgang mit Millimeterpapier geübte Gemüseenthusiast kurzerhand sein eigenes System aus: Square Foot Gardening, auf Deutsch "Quadratgarten", "Gärtnern im Quadrat" oder "Quadratfußmethode" genannt. 

Square Foot Gardening ist anfängerfreundlich, modular und funktioniert auch auf kleinstem Raum. Sogar auf Balkon oder Terrasse lässt sich die Methode einsetzen, um den vorhandenen Platz optimal zu nutzen.

Was ist Square Foot Gardening?

Im anglo-amerikanischen Raum hat Square Foot Gardening seit Jahrzehnten eine treue Fangemeinde. In deutschsprachigen Ländern ist es dagegen erstaunlich wenig bekannt. Das mag vielleicht an dem für uns ungewöhnlichen Maß liegen, mit dem die Beete eingeteilt werden: Foot – Fuß. Ein Fuß misst rund 30 Zentimeter.

Beim Square Foot Gardening definiert ein Fuß das Maß der kleinsten Beeteinheit; die ist einen Quadratfuß groß, also 30 mal 30 Zentimeter. Ein solches Quadrat wird mit einer fest vorgegebenen Menge Gemüse bepflanzt.

Der Clou: Je nach Platzbedarf des Gemüses passen beispielsweise 16 Möhren, neun Spinatpflanzen (Babyleaf-Anbau), vier kleine Salatköpfe oder ein Palmkohl in eine Beeteinheit. Das sind deutlich mehr, als wenn man sie in Reihe pflanzen würde.

Square Foot Gardening: Ein selbstgebautes quadratisches Hochbeet mit Setzlingen  die durch Schnüre getrennt sind
Mit Schnüren wird die Fläche unterteilt. Jedes Quadrat hat dieselbe Größe und bietet einer vorgegebenen Anzahl von Gemüsen Platz. Beispielsweise passen in ein Quadrat mehrere Salatpflanzen oder ein Kürbis
© Michael Courtney / Getty Images

Die Quadrate können beliebig nebeneinander gesetzt und kombiniert werden. Auf diese Weise bilden mehrere Quadrate ein größeres Beet, und der Platz wird auf den Zentimeter genau ausgenutzt. Die Wegfläche verringert sich und Beikräuter werden durch den dichten Bewuchs unterdrückt. Heißt: Man muss weniger jäten.

Wie pflanzt man Gemüse in einem Quadratbeet am besten an?

Die Methode ist dazu gedacht, möglichst viele unterschiedliche Gemüse auf kleinem Raum unterzubringen. Auf diese Weise entsteht eine gesunde Mischkultur, die den Boden nicht einseitig auslaugt, Nützlinge anlockt und Schädlinge abhält, die die vielen Gerüche verwirren. Außerdem sorgt eine bunte Bepflanzung für Abwechslung auf dem Teller.

Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht, wie viel Gemüse in ein Quadrat passt. Je nach Sorte kann es dennoch Abweichungen geben:

GemüseAnzahl pro Quadrat
Basilikum4
Buschbohne9
Feldsalat9
Frühlingszwiebeln16
Gurke1
Kopfsalat klein4
Kürbis klein1
Mangold4
Möhren16
Palmkohl1
Petersilie4
Pflücksalat4
Radieschen16
Rauke9
Rüben9
Schnittlauch4
Spinat4-9
Sonnenblume1
Stangenbohnen8
Tomaten1
Zuccini1
Zuckererbsen8
Zwiebeln16

Alternativ kann man sich auch grob an der Angabe zum Pflanzabstand (nicht Reihenabstand!) auf den Samentütchen orientieren. Die Kantenlänge der Quadrate, also 30 Zentimeter, teilt man durch den Pflanzabstand. Das Ergebnis wird mit sich selbst multipliziert:

  • Bei 30 Zentimetern Pflanzabstand passt zum Beispiel nur 1 Pflanze ins Quadrat
  • Bei 15 Zentimetern sind es bereits 4
  • Bei 10 Zentimetern sind es 9
  • Und bei unter 8 Zentimetern sind es sogar 16

Sobald ein Quadrat abgeerntet ist, wird nachgesät oder -gepflanzt. Das macht die Methode so effektiv. Es reicht, die entsprechende Anzahl Samen oder Jungpflanzen nach Augenmaß gleichmäßig im vorgesehenen Quadrat zu verteilen. Manche verwenden auch quadratische Plastik- oder Holzschablonen mit jeweils vier, neun oder 16 ausgestanzten Löchern.

Wie beim normalen Anbau auch ist auf den idealen Pflanzzeitraum des jeweiligen Gemüses zu achten. Wer ein Meister der Planung ist und die Herausforderung liebt, kann es durch vorausschauende Vorkultur sogar schaffen, dass immer eine Jungpflanze bereit steht, um nach der Ernte oder durch Schneckenbefall entstehende Lücken sofort zu füllen. Auf diese Weise lässt sich der Ertrag weiter maximieren. Zudem hat man von Anfang an einen Überblick, wie viel Saatgut und Jungpflanzen benötigt werden. Am besten erstellt man sich hierfür einen Pflanzplan. Auch manche digitalen Planungstools berücksichtigen die Methode bereits.

Darüber hinaus ist es auch möglich, die Quadrate selbst noch einmal zu halbieren oder zu vierteln, um unterschiedliche Gemüse in einem Quadrat unterzubringen. Beispielsweise könnte man je zur Hälfte Möhren und Frühlingszwiebeln in ein Quadrat pflanzen. Solche Unterteilungen machen das System allerdings komplizierter.

Welcher Standort ist für den Quadratgarten ideal?

Grundsätzlich eignen sich für die meisten Gemüse sonnige Standorte am besten. Das Beet sollte so bepflanzt werden, dass sonnenhungrige Gewächse wie Tomaten oder Kohl nicht von höher wachsenden Pflanzen verschattet werden. Andererseits sind hitzesensible Kulturen wie Kopfsalat oder Petersilie im Sommer für Schatten durchaus dankbar. Das gilt es bei der Planung zu berücksichtigen.

Square Foot Gardening: frisch bepflanzter Quadratmeter Garten im Hinterhof
Mit einem Rankgitter kann auch in die Höhe gepflanzt werden. Beispielsweise Tomaten oder Kletterbohnen
© Sherry Galey / Getty Images

Wer ein Gitter befestigt, an dem Bohnen, Gurken oder Zucchini nach oben ranken, sollte es so platzieren, dass es je nach Bedarf entweder maximalen oder minimalen Schatten auf die Nachbarquadrate wirft. Bodenrankende Pflanzen wie Kürbis, Zucchini und Melone werden idealerweise in Randquadrate gepflanzt. Und zwar so, dass sie über den Beetrand hinauswachsen und nicht in andere Quadrate hinein. Bei großen Sorten können manchmal sogar zwei Quadrate für eine Pflanze sinnvoll sein.

Üblicherweise wird das Quadratbeet nicht ebenerdig, sondern als leicht erhöhtes Hochbeet angelegt, beispielsweise mit Holzumrandung. Die einzelnen Quadrate lassen sich mit gespannten Schnüren, Drähten oder Holzleisten voneinander abgrenzen. Die Breite sollte 1,20 Meter jedoch nicht überschreiten, damit man von allen Seiten gut herankommt. Eine Größe von 1,20 mal 1,20 Meter umfasst beispielsweise 16 Quadrate. Auf dieser Fläche lassen sich 16 verschiedene Gemüsesorten gleichzeitig anbauen.

Was gilt es bei Fruchtfolge und Pflanznachbarschaften im Quadratbeet zu beachten?

Viele Hobbygärtner zermartern sich den Kopf über Fruchtfolgen, gute und schlechte Pflanznachbarn, weil sie gehört haben, dass das wichtig ist. Wer sein System perfektionieren möchte, kann derartige Überlegungen natürlich in die Pflanzplanung integrieren. Ob sich der Aufwand lohnt, ist allerdings fraglich.

Fruchtfolgen sind vor allem für Monokulturen relevant, in denen auf einem ganzen Feld über lange Zeit dasselbe angebaut wird. Das laugt den Boden einseitig aus und lockt Schädlinge an. Dieses Problem erledigt sich im Quadratbeet allerdings durch die vielfältige Bepflanzung von selbst.

Square Foot Gardening: Frau mittleren Alters erstellt ein  Pflanzraster in einem Hochbeet
Alle 30 Zentimeter eine Schraube, abwechselnd eine Schnur von Seite zu Seite spannen, fertig ist das Quadratbeet. Die Quadrate helfen, im Blick zu behalten, was wo wächst
© Vgajic / Getty Images

Auch Pflanznachbarschaften sind wahrscheinlich überbewertet: Tatsächlich können sich Pflanzen durch ihre Wurzelausscheidungen gegenseitig im Wachstum fördern oder hemmen – theoretisch. Wie aber sich Möhre, Kohl und Bohnen konkret im Beet zueinander verhalten, ist wissenschaftlich erstaunlich wenig untersucht. 

Komplizierte Mischkulturtabellen, wie man sie oft findet, beruhen daher bestenfalls auf langjährigen Erfahrungen, oft aber auch nur auf Hörensagen. Wer ohnehin wenig Lust hat, sich eingehend damit zu beschäftigen, kann seine Energie stattdessen in die Auswahl hochwertigen Saatguts und die Aufzucht kräftiger Jungpflanzen investieren; um den Preis, dass mal etwas nicht optimal wächst. Das kann, wie Gärtnernde allzu gut wissen, aber ohnehin passieren – aus vielerlei Gründen.

"Mels Mix": Welches Substrat gehört ins Quadratbeet?

Weil das Quadratbeet als Hochbeet angelegt wird, ergeben sich im Vergleich zum Gartenboden einige Besonderheiten in Bezug auf Wasserhaltefähigkeit und Drainage. Einerseits trocknen Hochbeete im Sommer schneller aus. Andererseits können sie aber auch zu Staunässe neigen, wenn sie auf einem dichten Untergrund stehen und die eingefüllte Erde zu wenig Hohlräume oder grobe Partikel enthält.

Um diese Probleme zu beheben, hat Bartholomew nicht nur die Maße seines Quadratgartens vorgegeben, sondern auch, mit welchem Erdsubstrat dieser zu befüllen ist. "Mels Mix" besteht zu gleichen Teilen aus drei Bestandteilen:

  • 1/3 Kompost liefert Nährstoffe und muss jährlich aufgefüllt werden, als Richtwert gelten 1 bis 2 Zentimeter pro Jahr
  • 1/3 Vermiculit; das Mineral speichert zugleich Wasser, lüftet den Boden und sorgt für einen guten Ionenaustausch
  • 1/3 Torfmoos speichert ebenfalls Wasser und gibt dem Substrat Struktur

Viele schwören darauf, dass sich mit Mels Mix die besten Ergebnisse erzielen lassen. Er hat allerdings einige Nachteile. Vermiculit etwa muss zwar nur einmal angeschafft werden, ist aber kostspielig und einmal ausgebracht nicht mehr aus dem Garten zu entfernen. Außerdem staubt es und sollte angefeuchtet und nur mit Schutzmaske verarbeitet werden.

Früher konnte Vermiculit aus bestimmten Lagerstätten sogar Asbestfasern enthalten. Bei Produkten für den Gartenbau sollte das inzwischen allerdings nicht mehr der Fall sein. Um Vermiculit zu ersetzen, mischen manche alternativ das deutlich billigere Perlit (auf "Gartenperlit" achten) unter, das Wasser allerdings nicht so gut speichert. Auch Blähton ist eine, wenn auch teure Option, um die Drainage und Struktur zu verbessern. Die Kügelchen neigen allerdings dazu, mit der Zeit an die Oberfläche zu "wandern".

Torfmoos wird aus trockengelegten Mooren gewonnen und gilt als umweltschädlich. Da Moore enorme Mengen Kohlendioxid speichern, wird dieses bei der Torfgewinnung entsprechend wieder freigesetzt. Zwar gibt es bereits trockengelegte Torfbestände, die nicht mehr vernässt werden können. Doch diese sind begrenzt und werden für die Pflanzenaufzucht in der professionellen Landwirtschaft benötigt, die uns mit Lebensmitteln versorgt. Wer nachhaltig gärtnert, verwendet daher eine torffreie Erde. Als Alternative zu Torf werden häufig Kokos- oder Rindenfasern genutzt, auch wenn diese nicht ganz so vorteilhafte Eigenschaften haben und schneller austrocknen.

Wer auf Torf und Vermiculite verzichten möchte, kommt daher nicht umhin, mit anderen Mischungen und verfügbaren Materialien wie Kompost, Sand, Gartenboden zu experimentieren. Es gilt darauf zu achten, dass die Erde locker ist und weder zu trocken noch zu feucht und verdichtet wird. Wenn es gelingt, einen funktionierenden Mix zu finden, steht üppigem Pflanzenwachstum und einer reichen Ernte nichts mehr im Weg.