"Weltuntergangsknolle" Geheimtipp für Selbstversorger: Warum Sie Topinambur anbauen sollten

Eine Hand hält Topinamburknollen
Wann sollte man ihn pflanzen? Diese Frage stellen sich viele, die Topinambur anbauen wollen. Frühling und Herbst sind ideale Zeitpunkte
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Aromatisch, gesund und wuchsstark: Topinambur pflanzen und bei minimalem Aufwand riesige Erträge ernten – für Selbstversorger ist die Knolle ein Muss. So gelingt der Anbau

Topi…was? werden manche vielleicht denken. Die aromatische Knolle ist bei uns kaum bekannt, beziehungsweise in Vergessenheit geraten, obwohl sie einst ein Grundnahrungsmittel war, bevor sie von der Kartoffel verdrängt wurde. In südlichen Regionen kennt man Topinambur (Helianthus tuberosus) vor allem als Schnaps, "Rossler" oder "Topi" genannt. Dabei wird Topinambur in anderen Ländern durchaus als Delikatesse geschätzt und ist ein gesunder Booster für unser Darmmikrobiom. 

Zudem liefert die Knolle Erträge, bei denen Selbstversorgern die Augen feucht werden. Manche bezeichnen die ursprünglich von Indigenen in Nordamerika kultivierte Pflanze, die im 17. Jahrhundert nach Europa gelangte, sogar als "Weltuntergangsknolle": Das Gewächs scheint nahezu unverwüstlich und soll unsere Vorfahren in Notzeiten diverse Male vor dem Hungertod bewahrt haben.

Topinambur pflanzen: Der richtige Zeitpunkt und Standort

Topinambur sollte man von Februar bis Anfang Mai pflanzen, wenn der Boden frostfrei ist. Alternativ geht es auch im Herbst von Oktober bis November. Wer ihn einmal in die Erde gesetzt hat und immer ein paar Knollen im Boden belässt, muss die mehrjährige Pflanze sogar nie mehr nachpflanzen. Somit eignet sich Topinambur auch als Permakultur.

Im späten Frühling können die Knollen vor dem Pflanzen für schnelleres Wachstum einige Tage auf einem Teller mit Wasser am hellen Fensterbrett vorgetrieben werden. Anschließend wird der Gartenboden aufgelockert, mit reifem Kompost angereichert und die Knollen 10 bis 15 Zentimeter tief im Abstand von 30 bis 40 Zentimetern vergraben. Andrücken und kräftig wässern. 

Wie bei Kartoffeln auch, kann es helfen, die Triebe mit etwas Erde anzuhäufeln, damit sich noch mehr Knollen bilden. Besondere Pflege braucht die Pflanze nicht. Wer kräftige Knollen ernten möchte, sollte regelmäßig gießen und bei Topfkultur ab und zu düngen. An windigen Standorten sollten die Pflanzen angebunden werden. Um den Ertrag zu steigern, wird manchmal empfohlen, Blüten im Spätsommer frühzeitig zu entfernen. 

Topinambur Knolle neben einer Schaufel
Der Topinamburanbau gelingt am besten in einem nährstoffreichen, gut gelockerten Boden in sonniger Lage
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Den Standort sollte man sich gut überlegen, da die Rhizome Ausläufer bilden und nur schwer vollständig wieder zu entfernen sind (siehe unten: Topinambur ist invasiv). Eine Wurzelsperre ist ratsam, vor allem in der Nähe von Nachbargrundstücken, oder man setzt auf Topfkultur. Je größer das Gefäß, desto mehr Knollen können sich entwickeln. 

Am liebsten hat Topinambur einen lockeren Boden an einem sonnigen Plätzchen, da er die Energie aus dem Licht braucht, um kräftige Pflanzen und viele Knollen zu bilden. Die bis zu drei Meter hohen Stängel verdecken ihrerseits wiederum alles, was in ihrem Schatten wächst. Auch das gilt es bei der Standortwahl zu beachten. 

Zu welcher Pflanzenfamilie gehört Topinambur?

Topinambur bildet Knollen wie eine Kartoffel, schmeckt ähnlich wie Kartoffel und kommt ebenfalls aus Amerika, hat mit dem Nachtschattengewächs ansonsten aber nichts gemein. Vielmehr zählt Topinambur zur Familie der Korbblütler und zur Gattung der Sonnenblumen. Das sieht man auch an seinen hübschen gelben Blüten. 

Topinamburplfanze blüht an einem Gartenzaun
In voller Blüte wird die Pflanze bis zu drei Meter hoch und überragt so manchen Gartenzaun. Eine Wurzelsperre verhindert, dass sie sich auf Nachbars Grundstück ausbreitet
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Ein im englischen Sprachraum verbreiteter Name lautet "Jerusalem-Artischocke", was aber wohl auf einem Übersetzungsfehler beruht. Topinambur kommt nicht aus Israel und erinnert allenfalls geschmacklich an eine Artischocke.

Welche Topinambursorten gibt es?

Die Sortenauswahl ist deutlich begrenzter als bei Kartoffeln. Aber es gibt die Wahl zwischen hellweißen, braunen und rötlichen Sorten. Je dunkler die Sorte, desto kräftiger das Aroma, heißt es. Auch die Form unterscheidet sich. Es gibt eher rundliche (etwa "Gute Gelbe"), die sich leicht schälen lassen, und länglichere Sorten. Wer keine meterhohen Stängel im Garten haben oder die Knollen im kleinen Topf kultivieren möchte, ist mit einer kleinwüchsigen Sorte wie "Dwarf" gut beraten. "Bianca" und "Topstar" gelten als besonders ertragreich, "Weiße Trüffel" werden vor allem für ihren feinen Geschmack geschätzt.

Oft stellt sich die Frage nach der Sorte allerdings ohnehin nicht, weil es schwierig genug ist, überhaupt frische Knollen für den Eigenanbau zu besorgen. Diese finden sich schließlich nicht in jedem Supermarkt. Mit etwas Glück wird man auf Wochenmärkten bei lokalen Biobauern fündig. Oder im Internet.

Topinambur ernten: Knollen satt im Herbst

Der oberirdische, grüne Teil des Topinamburs ist nicht winterfest. Das Laub färbt sich gegen Ende des Jahres braun und stirbt ab. Das ist der Moment, ab dem geerntet werden kann. Im Hausgarten gelten Erträge von zwei bis drei Kilogramm pro Quadratmeter als realistisch. Da Topinambur in der Erde sogar Minusgrade überdauert, im Kühlschrank aber nur begrenzt lagerfähig ist, empfiehlt es sich, nach Bedarf zu ernten.

Ist der Boden locker genug, kann man mit bloßen Händen nach den Knollen wühlen. Noch besser eignet sich eine Grabegabel oder eine Kartoffelgabel, mir der die Erde seitlich aufgestemmt wird. Anschließend lassen sich die Knollen mit der Hand herausklauben. Die Stängel werden mit einer Gartenschere entfernt und kompostiert, oder sie bleiben als Winterschutz an Ort und Stelle liegen.

Ist Topinambur invasiv? Das gilt es im Sinne des Naturschutzes zu beachten

Topinambur wird für seine Robustheit geschätzt. Es gibt bis auf Wühlmäuse und Wildschweine kaum Tiere, die ihn anknabbern, und wenig nennenswerte Krankheiten. Die Kraut- und Braunfäule etwa, die ganze Kartoffelernten auf einen Schlag zu vernichten vermag, kann ihm nichts anhaben. Diese Widerstandsfähigkeit hat auch mit seiner fremden Herkunft zu tun. Und das wird in Kombination mit seiner Wuchs- und Vermehrungsfreudigkeit mancherorts zum Problem.

Denn Topinambur verwildert leicht und kann die Uferböschungen von Gewässern erodieren lassen. Der Anbau ist in Deutschland und Österreich zwar nicht reguliert, dennoch hat er in unmittelbarer Nähe von Fließgewässern oder Naturschutzgebieten nichts zu suchen. In der Schweiz gelten besondere Auflagen, wenn Topinambur in Verkehr gebracht, also weiterverkauft oder -verschenkt wird.

Zubereitung und gesundheitliche Wirkung von Topinambur

Topinambur liefert große Mengen eines Ballaststoffes namens Innulin. Von Medizinerinnen wird Innulin als Präbiotikum gepriesen, es dient als Futter für unsere guten Darmbakterien. Allerdings produzieren die Mikroorganismen bei der Verdauung des Ballaststoffes nicht nur hilfreiche Botenmoleküle, die beispielsweise den Blutdruck senken und Entzündungen lindern, sondern auch Gase. Und zwar nicht zu knapp.

Das sollte man vor dem Verzehr wissen und sich vorsichtig an die Menge herantasten. Eine kleine Knolle reicht für den ersten Versuch. Mit der Zeit gewöhnt sich der Körper an größere Portionen, und die Beschwerden lassen nach. Gewürze wie Kümmel oder Asant können helfen, die Gasbildung zu reduzieren. Sofern man nicht an Reizdarm oder Fruktoseintoleranz leidet, sind die Blähungen jedoch völlig harmlos.

Bei der Zubereitung gibt es außer der Menge nichts weiter zu beachten. Letztlich kann Topinambur so verwendet werden wie Kartoffel und ist im Gegensatz zu dieser sogar roh essbar. Wer die Knollen mit einer Gemüsebürste gut putzt, braucht sie nicht einmal zu schälen. In dünnen Scheiben in der Pfanne knusprig gebraten entfaltet Topinambur beispielsweise ein feines, leicht nussiges Aroma. Einmal gekostet, möchte man ihn nicht mehr missen.