Wer schon einmal mit Haien geschwommen ist, weiß: Sie verdienen Respekt. Angst sollte man jedoch nicht haben. Mit Europäischen Hornissen, lateinisch Vespa crabro, ist das ähnlich. Nur dass die Insekten viel harmloser sind als jeder Hai. Tatsächlich verdienen sie sogar – genau wie die Haie – unsere Bewunderung.
Nun hat es natürlich seine Berechtigung, dass der schwarz-signalgelb-rote, bis zu 3,5 Zentimeter lange Brummer unseren Fluchtreflex triggert. Schließlich sagt ja schon das Farbdesign: Leg dich nicht mit mir an – das wird unangenehm für dich. Das Gift ist vergleichbar mit dem der Wespen, ein Stich schmerzhaft, für Allergiker möglicherweise gefährlich.
Was einer der Gründe dafür sein dürfte, dass Wespen und Hornissen alle Jahre wieder auf der Presse-Agenda stehen. "Wird dieses Jahr ein Wespenjahr?" ist zuverlässig eine der am häufigsten beantworteten Fragen auf den "Vermischtes"-Seiten. Natürlich nicht, weil wir uns um die Artenvielfalt sorgen. Sondern einzig aus dem Grund, dass viele Menschen von Wespen so genervt sind, dass sie schon im Frühjahr wissen wollen, ob sie im Sommer unbehelligt im Freien frühstücken, Kuchen essen und Kindergeburtstage feiern können.
Mit Hornissen allerdings haben wir deutlich weniger Berührungspunkte. Nicht nur, weil es weniger von ihnen gibt: Sie interessieren sich – anders als die Deutsche oder die Gemeine Wespe – einfach nicht für Süßes auf unserem Essenstisch.
Sicherlich kommt es hin und wieder zu Konflikten und Stichen. Überschätzen sollte man die Gefährlichkeit der Insekten dennoch nicht: Theoretisch bräuchte es etwa 1000 Hornissenstiche, um einen nicht allergischen Menschen in Lebensgefahr zu bringen. Wenig überraschend also, dass für die letzten fünf Jahrzehnte in Deutschland kein einziger Todesfall dokumentiert ist. An den Folgen eines Zeckenstichs dagegen sterben jedes Jahr mehr als 20 Menschen.
Win-win: Wer Hornissen in Ruhe lässt, wird von ihnen in Ruhe gelassen
Aber jetzt mal ehrlich: Warum sollte man es drauf anlegen? Wer versucht schon, ohne Not eine Hornisse mit der bloßen Hand zu fangen – oder sie überhaupt in Bedrängnis zu bringen? Wer stochert absichtlich in einem Hornissennest herum? Es wäre nicht nur unsinnig und riskant – sondern auch strafbar. Die imposanten Insekten sind nach der Bundesartenschutzverordnung des Bundesnaturschutzgesetzes geschützt. Und zwar "besonders streng".
Zur Wahrheit gehört natürlich, dass Hornissen Fleischfresser sind. Während die erwachsenen Tiere sich vegan, nämlich hauptsächlich von Pflanzensäften, Nektar und Fallobst ernähren, braucht die Brut: Fleisch. Also andere Insekten. Wer zufällig beobachtet, wie eine Hornisse zum Beispiel einen Falter überfällt und tötet, braucht starke Nerven. Wie sich die Ankunft neuer Hornissenarten wie der Asiatischen Hornisse auf die heimische Artenvielfalt auswirkt, bleibt abzuwarten.
Aber ist die Ernährungsweise ein Grund, sie zu hassen? Nicht wenige Tierarten – darunter auch Homo sapiens –, ernähren sich vom Fleisch getöteter Tiere. Und für die heimische Artenvielfalt ist nicht die Hornisse das größte Problem. Sondern Monokulturen, Ackergifte und schwindende Nistmöglichkeiten wie hohle Bäume. Also am Ende, wie so oft: der Mensch.
Lange wurden Hornissen wegen ihrer vermeintlichen Gefährlichkeit sogar direkt verfolgt. Bis sie in den 1980er-Jahren vor dem Aussterben standen. Heute haben sich ihre Bestände erholt. Die Angst vor den schwarz-gelb-roten Brummern ist bei vielen Menschen einer Neugier und Faszination gewichen.
Die Hornisse ist zurück, ganz ohne Drama und Alarm. Es ist eine der ansonsten eher raren Erfolgsgeschichten des Naturschutzes.