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Heimische Tierwelt Das sind die häufigsten Greifvögel Deutschlands

Fischadler fängt einen Fisch und fliegt davon
Der Fischadler ist weltweit verbreitet, in Deutschland sieht man ihn an den Brandenburgischen und Mecklenburgischen Seen
© markmedcalf - adobe stock
Könige der Lüfte, Jagdgefährten, Naturschauspiel – die Greifvögel in Deutschland sind eindrucksvoll und begleiten den Menschen seit Jahrtausenden. Die zehn häufigsten Greifvogelarten im Überblick

In Deutschland wird die Gesamtzahl aufrund 330.000 Vögel geschätzt. Mit einer Spannweite von 2,50 Meter hat es der Seeadler als größter Greifvogel hierzulande sogar zum Wappentier gebracht.

Während bestimmte Adlerarten stark gefährdet sind, haben Greifvogelarten wie Mäusebussarde eine stabile Population. Wir stellen zehn der häufigsten und schönsten Greifvogelarten in Deutschland vor.

Mäusebussard (Buteo Buteo)

Mäusebussard (Buteo Buteo)
Der Mäusebussard, wissenschaftlich Buteo Buteo, gehört zu den häufigsten Greifvögeln Deutschlands
© ondrejprosicky - adobe stock

Der Mäusebussard gehört zu den zahlmäßig am stärksten vertretenen Greifvögeln in Europa. Die Zahl der Tiere in Deutschland wird auf rund 100.000 geschätzt. Mit einer Spannweite von bis zu 1,30 Meter ist dieser Greifvogel oft am Himmel zu sehen, während er kreisend nach Beute Ausschau hält.

Der gellende Ruf des Mäusebussards ist bei Spaziergängen oft zu hören. Der dunkelbraun-weiß gefiederte Greifvogel braucht zur Jagd offene Landschaften mit Wiesen, Äckern und Feldern. Oft sieht man ihn auf Zäunen oder Weidepfählen sitzen, wo er nach Beute Ausschau hält. Er frisst kleine Säugetiere und nistet bevorzugt in kleinen Waldgebieten.

Turmfalke (Falco tinnunculus)

Turmfalke (Falco tinnunculus) vor dunkelgrünem Hintergrund
Der Turmfalke ist der am häufigsten vorkommende Falke Mitteleuropas
© Raúl Esparza - adobe stock

Streng wissenschaftlich gesehen, gehören die Falken nicht zu den Greifvögeln. Doch in ihrem Aussehen, ihrer Lebensweise und ihrer ökologischer Funktion gleichen sie ihnen.

Wer sich schon immer über einen Beutegreifer gewundert hat, der flügelschlagenderweise in der Luft zu "stehen" scheint – hier die Antwort: Es ist der Turmfalke. Der gut 35 Zentimeter große Jäger jagt gern Mäuse in der freien Wiesenlandschaft. Faszinierend: Im Gegensatz zum Menschen können Turmfalken auch infrarotes Licht sehen und so die Kot- und Urinspuren von Nagern im Gras verfolgen, um sie aus der Luft aufzuspüren.

Als sogenannter "Kulturfolger" brütet der Turmfalke schon längst nicht mehr nur in Baumhöhlen, sondern ist oft in Städten und damit in Menschennähe beheimatet. Hier stehen auch kleinere Vögel auf seinem Speiseplan. Allein in Berlin leben zwischen 200 und 300 Brutpaare. In Deutschland gibt es rund 100.000 Turmfalken. Auffällig ist der rot-braun gefärbte Rücken mit kleinen schwarzen Rauten darauf.

Sperber (Accipiter nisus)

Sperber (Accipiter nisus)
Die Sperber-Weibchen sind fast doppelt so groß und schwer wie die Männchen
© alan1951 - adobe stock

Mit etwa 35.000 Tieren ist die Zahl der Sperber in Deutschland nicht ganz so groß wie bei Mäusebussard und Turmfalke. Weil der bis zu 40 Zentimeter lange Greifvogel mit Vorliebe im Wald nistet und meist auch dort jagt, ist er nicht so einfach zu beobachten. Eine Besonderheit: Das Weibchen ist größer als das Männchen. Sperber jagen kleine Vögel wie Sperlinge oder Meisen – schlagen aber bei Gelegenheit auch schon mal eine Taube oder ein kleines Huhn.

Das Gefieder von Sperbern ist auf der Oberseite grau-blau (Männchen) bis beige-braun (Weibchen). Die Unterseite ist auffällig quer bestreift – bei Weibchen mit hellem Untergrund und bei Männchen fast schon orange. Der Sperber steht in Deutschland unter Schutz. Durch die Aufnahme von Pestiziden über die Nahrung war der Sperber lange Zeit gefährdet. Inzwischen haben sich die Bestände in erholt.

Habicht (Accipiter gentilis)

Habicht (Accipiter gentilis)
Das Habicht-Weibchen ist etwa so groß wie ein Mäusebussard, das Männchen ist deutlich kleiner.
© henk bogaard / Adobe Stock

Der Habicht wird im Flug durch sein quergestreiftes Bauchgefieder oft mit dem Sperber verwechselt. Spätestens im Sitzen klärt sich der falsche Eindruck: Habichte sind mit gut einem Kilogramm Körpergewicht und einer Größe bis zu 60 Zentimetern deutlich größer als Sperber. Als Lebensraum zum Nisten brauchen  Habichte alten Baumbestand und entsprechende Wälder.

Sie jagen kleine bis mittelgroße Vögel und kleine Säugetiere. Im Gegensatz zu vielen anderen Greifvögeln in Deutschland, stürzen sich Sperber nicht aus der Luft, sondern jagen in Bodennähe. Dabei nutzen Habichte vorhandene Hecken, Bäume oder auch Häuser in Siedlungen als Deckung. In Deutschland wird die Zahl der Habichte auf rund 30.000 Vögel geschätzt.

Rotmilan (Milvus milvus)

Rotmilan (Milvus milvus)
Der Rotmilan (Milvus milvus) ist leicht an seinem gegabelten Schwanz zu erkennen
© Dirk - adobe stock

Beim Rotmilan sehen Männchen und Weibchen fast gleich aus. Sie unterscheiden sich nur durch Größe und Gewicht, wobei das Weibchen meist schwerer ist als das Männchen.  Der hellbraun-rötliche Greifvogel hat eine Spannweite bis zum 1,70 Meter und wird zwischen 60 und 80 Zentimeter groß. Der Rotmilan fällt im Flug vor allem durch seinen gegabelten Schwanz auf.

In Deutschland gibt es rund 25.000 Tiere. Ihre Nahrung sind überwiegend Kleinsäuger wie Hasen, Maulwürfen oder Mäuse. Eine Besonderheit des Rotmilans: Er nimmt gern ein Sonnenbad, liegt dabei auf der Erde und breitet komplett seine Flügel aus. Rotmilane können bis zu 30 Jahre alt werden und gehören damit zu den Senioren unter den Greifvögeln in Deutschland. Im Durchschnitt liegt das maximale Alter bei rund 20 Jahren – von Ausnahmen abgesehen.

Wespenbussard (Pernis apivorus)

Wespenbussard (Pernis apivorus)
Ein Wespenbussard sitzt im Gras
© ondrejprosicky - adobe stock

Hier ist der Name wirklich Programm: Der Wespenbussard ernährt sich im Gegensatz zu vielen Greifvögeln nicht hauptsächlich von Vögeln oder kleinen Säugetieren, sondern mit Vorliebe von Wespen und Bienen. Er fängt Wespen im Flug oder spürt ihre Nester auf und raubt sie aus. Dafür gräbt er die Nester mit seinen  Fängen aus der Erde aus.

Der braun-graue, gut eine halben Meter große Greifvogel hat eine Flügelspannweite von rund 1,5 Metern. Er nistet in hohen Bäumen, selten am Waldrand. Wie ein Zugvogel verlässt der Wespenbussard den europäischen Raum im Winter und zieht nach Afrika. Die Zahl der Vögel in Deutschland wird auf 20.000 geschätzt.

Rohrweihe (Cirus aeruginosus)

Rohrweihe (Cirus aeruginosus) im Portrait
Die Rohrweihe ist die größte europäische Weihe
© Yakubovich Dmitry - adobe stock

Auch die Rohrweihe ist ein Zugvogel unter den Greifvögeln in Deutschland. Der bis zu 55 Zentimeter große Vogel bleibt meist nur bis Ende Juli und zieht dann nach Afrika, bevor er im März/April wieder nach Deutschland zurückkehrt. Männchen und Weibchen unterscheiden sich von der Farbgebung stark. Die Männchen sind bräunlich mit blaugrauem Schwanz und schwarzen Flügelspitzen. Kopf und Brust sind gelb-weiß. Die Weibchen hingegen sind einfarbig dunkel, an Kopf, Nacken und Kehle cremeweiß.

Rohrweihen haben eine Flügelspannweite bis zu 1,30 Meter und fressen bevorzugt Singvögel und junge Wasservögel. Die Rohrweihe "überrumpelt" ihre Beute meistens, da sie sich in schaukelndem Flug dicht über dem Boden oder dem Wasser nähert. In Deutschland leben rund 15.000 Rohrweihen.

Schwarzmilan (Milvus migrans)

Schwarzmilan (Mlivus migrans)
Der Schwarzmilan, wissenschaftlich Milvus migrans, ist etwas kleiner als der Rotmilan
© AGAMI - adobe stock

Der Schwarzmilan hat die Größe eines Mäusebussards und lebt bevorzugt in Wassernähe. In Deutschland wird die Zahl der Tiere auf 8000 geschätzt. Die Nistplätze finden sich oft in hohen Bäumen an See- oder Flussufern. Im Deutschen heißt der Greifvogel auch See- oder Wasermilan. Er fängt kleine Säugetiere bis zur Größe eines Hasen oder auch Fische, die durchaus sein eigenes Gewicht von bis zu einem Kilogramm haben können. Bei Bedarf ernährt sich der Schwarzmilan auch von Aas wie beispielsweise von überfahrenen Kleintieren an Straßen oder folgt Fischerbooten.

Schwarzmilane greifen sich auch schon mal das Fleisch vom Grill. Insbesondere jagen Schwarzmilane anderen Greifvögeln mit  Vorliebe die Beute ab. Sie bedrängen ihre Konkurrenten im Flug solange, bis sie die Beute fallen lassen oder wieder auswürgen. Bei Waldbränden wurde beobachtet, dass Schwarzmilane sogar brennende Zweige weitertransportiert undfallen gelassen haben, um durch selbst gelegte Brände Kleintiere zur Flucht zu bringen und zu erlegen.

Baumfalke (Falco subbuteo)

Baumfalke (Falco subbuteo)
Auffälligstes Merkmal des Baumfalken sind seine rostroten "Hosen“" (Beingefieder und Unterschwanzdecken)
© Wim - adobe stock

Mit rund 7000 Exemplaren ist der Baumfalke nach dem Turmfalken die zweithäufigste Falkenart in Deutschland. Zwar wirkt der gut 35 Zentimeter große Vogel im Flug zuerst wie ein übergroßer Mauersegler. Die rostrot gefiederten Beine und der von unten gleichfarbige Schwanz machen den Baumfalken aber schnell erkenntlich.

Der Baumfalke brütet gern an Waldrändern, Baumgruppen oder auch freistehenden Bäumen – gern in alten Krähennestern. Manchmal bauen Baumfalken auch Nester in Hochspannungsmasten. Er jagt Kleinvögel wie Schwalben, Drosseln oder Finken, ernährt sich aber auch von Libellen, Käfern oder fliegenden Ameisen, die er im Flug erbeutet. Der Baumfalke überwintert im südlichen Afrika.

Wanderfalke (Falco peregrinus)

Wanderfalke im Flug bei der Jagd im Wald
Es gibt kaum einen Vogel, der nicht auf seiner Speiseliste steht: der Wanderfalke jagt fast ausschließlich fliegende Vögel im freien Luftraum
© Milan - adobe stock

Der Wanderfalke ist mit rund 2000 Tieren in Deutschland vertreten. Während in den 1970er Jahren die Bestände vor allem durch Pestizide stark rückläufig und akut gefährdet waren, nimmt die Zahl dieser Greifvögel in Deutschland inzwischen wieder zu. Der Wanderfalke wird bis zu 58 Zentimeter groß und hat eine Flügelspannweite von rund 1,20 Meter.

Er kommt auf allen Kontinenten vor – außer in der Antarktis. Wanderfalken jagen fast ausschließlich Vögel im Flug. Dafür entwickeln sie im Sturzflug eine immense Geschwindigkeit, die zwischen 320 km/h  und bis zu 390 km/h angegeben wird. Damit ist der Wanderfalke das schnellste Tier der Welt.


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