VG-Wort Pixel

Nützlich und faszinierend Heimische Spinnen: Diese Arten krabbeln durch Deutschland

Heimische Spinnen gibt es in Deutschland einige
In Deutschland gibt es einige heimische Spinnen, sie auseinander zu halten ist nicht immer leicht
© saipudin haron/EyeEm - Adobe Stock
Zugegeben: Spinnen sind nicht jedermanns Sache. Viele Menschen wollen ihnen lieber nicht zu nahe kommen. Dabei sind die Achtbeiner äußerst nützlich und nur selten gefährlich. Wir stellen zehn heimische Spinnen in Deutschland vor, die hierzulande besonders verbreitet sind

Sie krabbeln, sie hängen, sie springen und sie beißen auch schon mal: Spinnen. Wer eine Spinne sieht, ist meistens wenig begeistert, obwohl die netzbauenden Achtbeiner äußerst nützlich sind und nur selten giftig. Weltweit gibt es rund 45.000 verschiedene Arten – fast 1000 Spinnenarten leben auch hierzulande. Wen wundert´s: Immerhin sind Spinnen seit gut 500 Millionen Jahren auf der Erde unterwegs. Wir stellen die zehn häufigsten Spinnenarten in Deutschland vor.

Winkelspinne: Häufigste unter den heimischen Spinnnen

Winkelspinne Tegenaria domestica ist eine der heimischen Spinnen
Die Winkelspinne Tegenaria domestica fühlt sich besonders an dunklen und kühlen Orten wohl, zum Beispiel im Keller
© Ernie Cooper - Adobe Stock

Auch, wer sich noch so vor Spinnen hütet, kommt um die Winkelspinne wahrscheinlich nicht herum. Die rötlich-braune Spinne mit einer Körperlänge bis zu 1,6 Zentimetern kommt am häufigsten in Deutschland vor und wird deshalb auch Hauswinkelspinneoder kurz Hausspinne genannt. Tegenaria domestica sitzt gern an feuchten Orten wie Badezimmern, Kellern oder Garagen und baut dort ihre trichterförmigen Netze.

Die Beute sind meist Silberfische, Fliegen oder andere Spinnen. Die Winkelspinne lähmt ihre Opfer mit einem Biss, um sie dann zu verspeisen. Für Menschen ist die Spinne ungefährlich. Dass der bekannte Achtbeiner "Große Winkelspinne" heißt, kommt nicht von ungefähr. Die Spinne wird zwar nur einen Zentimeter groß, doch durch ihre langen, behaarten Beine bringt sie es auf einen maximalen Durchmesser von beachtlichen zehn Zentimetern.

Gartenkreuzspinne: helles Kreuz auf dem Hinterleib

Kreuzspinne im Netz
Kreuzspinnen gehören zu den größten heimischen Spinnen in Deutschland
© Michael Drak - Adobe Stock

Sie wird ihrem Namen mehr als gerecht, denn sie lebt fast ausschließlich draußen: die Gartenkreuzspinne. Kreuzspinnen gibt es auf der ganzen Welt. Die Gattung Araneus aus der Familie der Echten Radnetzspinnen baut kunstvolle Netze in der Natur und lähmt ihre Beute ebenfalls mit einem Biss. Das Gift der Kreuzspinne ist für Menschen ungefährlich.

Ihren Namen hat die Kreuzspinne durch die kreuzartige Zeichnung auf dem vorderen Teil des Hinterleibs, die jedoch nicht bei allen Kreuzspinnen so deutlich ausgeprägt vorkommt wie bei einigen Vertretern der europäischen Kreuzspinne. Die Farbgebung reicht von hellbraun über rötlich und gelblich bis zu schwarzen Tieren in Gebirgslagen. Weibchen und Männchen lassen sich nicht nur durch eine unterschiedliche Färbung unterscheiden, sondern vor alle durch die Größe. Die Weibchen der Gartenkreuzspinne werden mit bis zu 18 Millimeter Größe deutlich größer als das nur einen Zentimeter große Männchen.

Zebraspringspinne: Meisterin der Technik

Zebraspringspinne in Nahaufnahme
Die Zebraspringspinne mag sonnige, windstille Plätze
© Mario Plechaty - Adobe Stock

Dass Beute sich auch ohne Netze fangen lässt, beweist die Zebraspringspinne. Die nur vier bis sieben Millimeter große Spinne entlässt einen Faden aus ihrem Hinterleib und verankert ihn am Boden als Sicherung. Der Grund: die Zebraspringspinne heißt nicht von ungefähr so, denn das schwarz-weiß gemusterte Tier springt auf seine Beute zu. Fliegen, Käfer oder auch Stechmücken werden so praktisch im Flug erbeutet, mit den Beinen umklammert und mit den Giftklauen getötet.

Zebraspringspinnen mögen es sonnig und warm, halten sich deshalb oft an und in Häusern auf. Bioniker – also Techniker auf Naturbasis - sind von der Spinnenart fasziniert, weil sie mit fast jedem Sprung durch die genaue Beugung und Streckung der Beine exakt ihre Beute erreicht. Diese Leistung bringt die Hydraulik bis heute nicht zustande.

Zitterspinne: macht ihre Netze unsichtbar

Zitterspinne im unsichtbaren Netz
Die Zitterspinne ist eine Meisterin der Täuschung: durch Vibration macht sie ihr Netz unsichtbar
© denis - Adobe Stock

Wenn es eine Taktikerin unter den Spinnen gibt, dann ist es die Zitterspinne. Zwar baut das unauffällige, grau-gelbliche Tier sehr große Netze, in denen sich auch größere Opfer verfangen können – eine eher mutige Leistung. Naht jedoch ein Angreifer, beginnt die Spinne oftmals im Netz haltlos zu zittern. Was zunächst feige erscheint, ist jedoch Absicht. Durch die schnelle Vibration verschwimmen die Konturen der Spinne im Netz. Sie wird praktisch unsichtbar.

Im Gegensatz zur geringen Körperlänge von rund einem Zentimeter stehen die filigranen, bis zu fünf Zentimeter langen Beine. Dadurch wird die Zitterspinne oft mit dem Weberknecht verwechselt – der aber zur Familie der Spinnentiere gehört und keine Spinne ist. Die Unterscheidung ist einfach: Der Körper von Zitterspinnen ist zweigeteilt – der von Weberknechten nicht und sie spinnen keine Netze.

Dornfinger: die einzige gefährliche Spinne

Dornfinger-Spinne sitzt auf der Erde
Ein Biss der Dornfinger-Spinne kann Symptome hervorrufen, die denen eines Bienen- oder Wespenstichs ähneln
© guesi - Adobe Stock

Der Dornfinger ist die einzige auch für den Menschen gefährliche Spinnenart in Mitteleuropa. Mit ihrem wespenstichartigen Biss macht die 1,5 Zentimeter große Spinne ihrem Namen alle Ehre – ist jedoch abgesehen vom Anschwellen der Stichstelle und Gliedmaßen sowie Fiebersymptomen für Menschen nicht akut bedrohlich. Die rötlich-braune Giftspinne hat sich in Form der Ammen-Dornfinger-Spinne zwar bereits in den 1950er-Jahren vom Mittelmeer aus auf den Weg nach Deutschland gemacht – ist aber bedingt durch die Klimaerwärmung inzwischen deutlich auf dem Vormarsch gen Norden.

Die Dornfinger-Spinne lebt bevorzugt in hohem Gras an Weg- oder Waldrändern und ist nachtaktiv. Das Männchen stirbt gleich nach der Paarung im Sommer. Das Weibchen beschützt im hühnerei-großen Brutkokon den Nachwuchs bis in den Herbst und stirbt dann. Damit werden Dornfinger-Spinnen nur ein Jahr alt. Viele europäische Spinnen werden mehrere Jahre alt.

Tapezierspinne: Spinne des Jahres 2013

Tapezierspinne Atypus affinis
Die Tapezierspinne gehört im weitesten Sinne zu den Vogelspinnen
© Gonzalo - Adobe Stock

VIP-Status hat die Gemeine Tapezierspinne. Immerhin wurde die schwarz-braune Spinne mit einer Körperlänge zwischen sieben Millimetern bis 15 Millimetern im Jahr 2013 von der Arachnologischen Gesellschaft zur Spinne des Jahres gekürt. Besonders ist aber nicht nur ihr Verbreitungsgebiet von Nordafrika bis Dänemark, sondern auch ihre Herkunft: Die Tapezierspinne Atypus affinis gehört nicht zu den echten Webspinnen, sondern im weitesten Sinne zu den Vogelspinnen.

Zu sehen ist die Gemeine Webspinne eher selten. Sie lebt in Heidelandschaften und an Felshängen zurückgezogen in einem bis zu 45 Zentimeter langen, unterirdischen Wohngang. Davor befindet sich ein Fang-Gang mit dem Gespinst der Gemeinen Tapezierspinne, in dem sich Insekten als Beute verfangen. Die Gemeine Tapezierspinne wird bis zu acht Jahre alt.

Wespenspinne: schwarz-gelber Hingucker

Wespenspinne Argiope Bruennichi mit Beute im Netz
Die Färbung der Wespenspinne Argiope Bruennichi macht ihrem Namen alle Ehre
© Oleksandr Filatov - Adobe Stock

Die Wespenspinne wird ihrem Ruf nicht nur durch ihre schwarz-gelbe Färbung gerecht. Ihr Biss ruft beim Menschen ähnlich wie bei einem Wespenstich Schwellungen, Rötungen und leichte Schmerzen hervor. Wer der Wespenspinne aus dem Weg gehen will, sollte Wiesen und halbhohes Gras vermeiden.

Zudem lässt sich ihr Standort leicht an der Netzform erkennen. Wespenspinnen bauen im Gegensatz zu anderen Spinnen runde Netze mit Zacken am Rand. Und auch der extreme Größenunterschied zwischen den Geschlechtern ist auffällig. Während das Weibchen bis zu 2,5 Zentimeter lang werden kann, wird das Männchen nur sechs Millimeter groß – was der Grund dafür sein könnte, weshalb das Männchen nach der Paarung oft vom Weibchen verspeist wird.

Dunkle Wolfsspinne: heimische Spinnenart ohne Netze

Wolfsspinne Pardosa amentata
Die Dunkle Wolfsspinne Pardosa amentata baut kein Netz, sondern lebt unter der Erde
© ll911 - Adobe Stock

Während oftmals vom bösen Wolf die Rede ist, hat die Wolfsspinne diese irreführende Bezeichnung nie bekommen. Warum auch – schließlich ist die gut zwei Zentimeter große Spinne ein nützlicher Insektenjäger, der Blattläuse und andere Gartenschädlinge frisst. Die grau-braune Spinne baut kein Netz, sondern lebt in Erdlöchern und lauert ihren Opfern auf.

Eine Besonderheit: Die Wolfsspinne hat - wie viele Spinnen - zwar auch acht Augen, aber sie kann damit besonders gut in der Dunkelheit sehen. Größere Wolfsspinnen können mit ihrem Biss auch die menschliche Haut durchdringen. Abgesehen von Rötungen oder Schwellungen ist das Gift aber harmlos.

Krabbenspinne: Meisterin der Tarnung

Veränderliche Krabbenspinne sitzt in einer Blüte
Die Veränderliche Krabbenspinne Misumena vatia ist eine Meisterin der Tarnung
© Colleen Slater - Adobe Stock

Ihren Namen verdankt die Krabbenspinne ihren Beinen. Ihre beiden Vorder-Beinpaare sind sehr kräftig und lang, wodurch sie eher einer Krabbe ähnelt als einer Spinne. Die Veränderliche Krabbenspinne kommt in ganz Europa vor und ist schon lange wegen ihrer auffälligen Färbung bekannt.

Besonders gern versteckt sich die Krabbenspinne in in Korb- und Doldenblütlern, da sie sich in deren zusammengesetzten Blüten gut verstecken kann und dort auf anfliegende Insekten lauert. Die Kabbenspinne baut keine Netze, in denen sich ihre Opfer verfangen, sondern nutzt den Chamäleon-Trick. Die Weibchen können ihre Körperfarbe sogar aktiv wechseln und mal weiß, mal gelb oder grünlich gefärbt sein, eine perfekte Möglichkeit zur Tarnung.

Nosferatu-Spinne: schon deutschlandweit verbreitet

Nosferatu-Spinne
Die aus dem Mittelmeergebiet stammende Nosferatu-Spinne hat sich inzwischen fast deutschlandweit ausgebreitet
© Robert Pfeifle/Nabu/dpa

Die aus dem Mittelmeergebiet stammende Nosferatu-Spinne hat sich inzwischen fast deutschlandweit ausgebreitet. Vor allem entlang von Rhein, Neckar und Ruhr kommt die Nosferatu-Spinne nahezu flächendeckend vor. Nach Norden und Osten dünnen die Nachweise merklich aus.

Ihren Namen trägt sie, weil man angeblich auf ihrem Körper das Gesicht des Vampirs Nosferatu aus dem Stummfilm von 1922 erkennen kann. Die Nosferatu-Spinne ist jedoch relativ harmlos. Zwar kann sie anders als die meisten in Deutschland lebenden Spinnenarten mit ihren Beißwerkzeugen die menschliche Haut durchdringen. Der Biss ist jedoch bei Menschen in der Regel mit einem Bienen- oder Wespenstich zu vergleichen – sofern keine Allergie vorliegt. Mit bloßer Hand einfangen sollte man sie daher nicht, sondern ein Glas über sie stülpen, eine Pappe darunter schieben und sie ins Freie verfrachten.

Weberknecht: gehört zur Gattung der Spinnentiere

Weberknecht sitzt auf einem hellgrünen Blatt
In Deutschland gibt es etwa 50 verschiedene Arten der Weberknechte
© kreide68 - Adobe Stock

Er sieht aus wie eine Spinne, ist aber keine: der Weberknecht. Der achtbeinige Geselle gehört zur Gattung der Spinnentiere, eine Klasse der Gliederfüßer wie Skorpione und andere. Nicht alle seiner Beine sind wirklich Beine, sondern teilweise auch Tastorgane. In Deutschland gibt es 52 Arten mit den größten Exemplaren bis zu einem Zentimeter Körperlänge. Der Körper ist einteilig, oval und grau bis braun gefärbt.

Weberknechte leben in lockerem Bodenlaub oder Totholzhecken. Sie ernähren sich von winzigen Gliederfüßern oder kleinen Insekten. Der größte Unterschied zur Spinne: Der Weberknecht hat nur zwei Augen, während die meisten Spinnen acht Augen besitzen. Und noch einen wesentlichen Unterschied zur Spinne gibt es: Selbst, wenn Weberknechte wollten – sie können keine Netze spinnen. Stattdessen besitzen sie Stinkdrüsen mit einer übelriechenden Flüssigkeit zur Abwehr von Feinden.

Mehr zum Thema