Schmetterlinge sind nach Käfern die artenreichste Insektenordnung, mit mehr als 3700 Arten allein in Deutschland. Viele sind bedroht, einige gelten bereits als ausgestorben oder verschollen. Die Entwicklung ihrer Raupen ist unmittelbar mit dem Vorhandensein der richtigen Futterpflanzen verbunden. Während manche Raupen zu den Generalisten zählen und eine Vielzahl von Pflanzenarten fressen können, sind andere auf bestimmte, teilweise seltene Arten angewiesen. Wieder andere beschränken sich auf Pflanzenfamilien, etwa der Schwalbenschwanz, dessen Raupen sich von verschiedenen Doldenblütlern (Apiaceae) ernähren. Dazu zählen zum Beispiel Wilde Möhre, Bibernelle, Fenchel oder Dill.
Bevor ein Falter durch den Garten flattern kann, durchläuft er mehrere Entwicklungsstadien: Aus dem Ei schlüpft eine Raupe, die an ihrer Futterpflanze frisst und im Rekordtempo zu wachsen scheint, bis sie sich verpuppt und im letzten Stadium schließlich als adulter Schmetterling (Imago) schlüpft. Dauer und Zeitpunkt der einzelnen Phasen unterscheiden sich. Einige Falter überwintern als Puppe, andere als Raupe, wieder andere, wie der Zitronenfalter, überstehen sogar als Imago frostige Temperaturen.
Das letzte Entwicklungsstadium erreicht allerdings nur ein Bruchteil der Raupen, denn sie dienen vielen anderen Tieren als Nahrung. Blaumeisen etwa müssen laut LBV pro Tag an die Tausend Raupen finden, um eine Brut von zehn Küken zu versorgen.
Dass trotzdem genug Raupen zu Faltern heranwachsen, hat eine große ökologische Bedeutung, denn Schmetterlinge sind wichtige Bestäuber unzähliger Pflanzen. Um das Überleben der Raupen zu sichern, setzen viele Arten auf Masse: So legt das Weibchen des Tagpfauenauges etwa 200 Eier. Auf Fressfeinde kann die große Ansammlung zuckender Raupen abschreckend wirken.
Manche Arten wie der Segelfalter legen ihre Eier einzeln an sorgfältig bedachten Plätzen ab. Das Schachbrettfalter-Weibchen hingegen wirft sie im Flug ab – sie ernähren sich von Gräsern. Das Landkärtchen stapelt seine Eier zu kleinen Türmchen an der Blattunterseite von Brennnesseln. Und der Wiesenknopf-Ameisenbläuling legt sie direkt in die Blüte des Großen Wiesenknopfs.
Raupenfutterpflanzen: Tipps für Garten und Balkon
Ohne großen Aufwand kann man Raupen im Garten oder auf dem Balkon fördern. Zu den wichtigsten Raupenfutterpflanzen gehören zum Beispiel die Große Brennnessel, die Ackerkratzdistel, Kleearten sowie Obstgehölze und einige Gemüsearten. Wer eine wilde Ecke wachsen lässt und im Obst- und Gemüsegarten auf Gift verzichtet, tut schon eine Menge für die Raupenvielfalt. Trotzdem bietet es sich an, Raupenfutterpflanzen gezielt anzupflanzen.
Sal-Weiden und andere heimische Weidenarten gehören zu den besten Raupenfutterpflanzen. Laut der Plattform NaturaDB ernährt die Sal-Weide ganze 198 Raupenarten, wovon 49 spezialisiert sind.
Kirschen und andere Obstgehölze sind für viele Raupen interessant. Dafür braucht es keinen großen Garten: Obstbäume gedeihen auch im Kübel auf der Terrasse oder dem Balkon.
Schlehen ernähren den Schlehen-Bürstenspinner, den Segelfalter und viele weitere Arten. Auch die Raupen von Gespinstmotten fressen mit Vorliebe die Blätter. Dass sie die Sträucher dabei einspinnen, sorgt bei vielen Gartenfans für Irritation, doch meist treiben die Gehölze zum Sommer wieder aus. In ihrem weißen Gespinst sind die Raupen vor Fressfeinden und der Witterung geschützt.
Birken und Erlen sind ebenfalls beliebte Raupenfutterpflanzen, zum Beispiel für Abendpfauenaugen, Schillerfalter und den Großen Eisvogel. Ein besonderes Schauspiel veranstalten die Larven der Erlenblattwespen, die oft in großer Zahl an den Blättern sitzen. Fühlen sie sich bedroht, nehmen sie eine S-förmige Schreckhaltung ein.
Heimische Wildpflanzen stehen bei vielen Raupen hoch im Kurs. An der Brennnessel kann man neben dem Tagpfauenauge auch die Raupen vom Kleinen Fuchs, Admiral und Landkärtchen beobachten. Viele Feuerfalter fressen am Wiesen-Sauerampfer. Scheckenfalter, Eulenfalter und Bärenspinner nutzen den Spitzwegerich als Futterpflanze, und der Distelfalter mag neben der Ackerkratzdistel auch die Nickende Distel, den Beifuß und den Gewöhnlichen Natternkopf. Am Rotklee fressen neben dem spezialisierten Rotklee-Bläuling auch zahlreiche andere Arten, den Hornklee lässt sich das Sechsfleck-Widderchen schmecken und an der Knoblauchsrauke trifft man mit etwas Glück die Raupen von Aurorafalter und Kohlweißling. Wer den Kohlweißling aus dem Gemüsebeet locken möchte, kann außerdem Kapuzinerkresse als Opferpflanze anbieten.
Auch Gräser dienen als Futterpflanze, etwa die Weiße Segge, das Einjährige Rispengras und der Schaf-Schwingel, an dem Wiesenvögelchen, Mohrenfalter und das Große Ochsenauge anzutreffen sind.
Wer spezialisierte Arten wie das Taubenschwänzchen bei der Metamorphose beobachten möchte, muss ein ausreichend großes Angebot ihrer Futterpflanzen anbieten. Ab Mai erfolgt die Eiablage an Labkräutern wie dem Echten Labkraut oder dem Wiesen-Labkraut.
Die Liste empfehlenswerter Raupenfutterpflanzen ließe sich noch lang weiterführen. Grundsätzlich sollte man auf eine artenreiche Mischung heimischer Gehölze, Sträucher, Stauden, Kräuter, Wildblumen und Gräser setzen. Nur so lässt sich im eigenen Garten oder auf dem Balkon die eindrucksvolle Vielfalt unserer heimischen Raupen fördern und beobachten.