Die Retter des Regenwaldes leben in Häusern aus Netzen. Schmetterlinge in etlichen Farben und Größen flattern unter Dächern aus feinen Netzen in einer Welt aus Pflanzen und Blüten. Insektenbauern hegen die Schuppenflügler und verschicken ihre Puppen von Costa Rica aus in alle Welt. Und forsten gleichzeitig den Wald wieder auf.
Noch um 1800 war Costa Rica zu über 90 Prozent von Wald bedeckt, bis 1987 sank die Zahl auf 25 Prozent, in einem mit 51.100 Quadratkilometern vergleichsweise kleinen Land, das trotzdem eine artenreichsten Landschaften der Welt ist. Zwar ging die Regierung schon in den 1970er Jahren gegen die Zerstörung der Natur vor. Trotzdem verschwand immer mehr Wald, um Rinderfarmen und der Landwirtschaft Platz zu machen. Erst kurz vor der Jahrtausendwende nahm der Naturschutz Fahrt auf, seitdem hat sich die Waldfläche wieder auf 65 Prozent des Landes ausgedehnt. Nicht zuletzt mit Hilfe der Schmetterlinge.
An die 400 Familien züchten die Insekten auf ihren Farmen. Wie auf "El Bosque Nuevo" in La Cruz, wo sich Ernesto Rodríguez mit 14 Angestellten um die Tiere kümmert. Und deren Puppen ins Ausland verkauft, an zoologische Gärten, Schmetterlingshäuser und wissenschaftliche Einrichtungen. Mit den Einnahmen kauft er Land, um noch bestehenden Wald zu schützen und zerstörten wieder aufzuforsten. "Wir haben mit 50 Hektar angefangen. Inzwischen sind wir bei 450 Hektar angelangt, eine Insel voll grünen Waldes in einer Einöde," berichtet der Insektenbauer. Wo vorher nur noch 35 Vogelarten wohnten, lebten jetzt wieder 95. "Wir setzen Pflanzen, die Schmetterlingen Nahrung bieten. Die ziehen als Beute wiederum etliche andere Tiere an."
Im "Pierella Garden" in Heredia lebt Kristal Barrantes Guillén mit ihrer sechsköpfigen Familie ebenfalls von der Schmetterlingszucht und der Wiederaufforstung. Dazu beschäftigt sie zwölf Nachbarn. Zum Beispiel als Gärtner, Handwerker, Züchter, aber auch als Fremdenführer und Kellner. Letztere kümmern sich um Ökotouristen, die in den sechs Fremdenzimmern der Farm umweltfreundlich Urlaub machen und dabei das neu geschaffene Paradies genießen. "Unser Wald war vorher nacktes Weideland, das Gras zu minderwertig für Rinder. Keiner wollte es haben," erzählt die Züchterin. Also liehen sie sich zunächst einen Bereich von zwanzig mal zwanzig Metern. Wie auf "El Bosque Nuevo" pflanzten sie Blüher für Schmetterlinge, um die Tiere zu züchten und wilde Exemplare anzulocken. Daraufhin kehrten Vögel und Fledermäuse zurück. "Mit ihrem Kot schleppten sie Samen ein. Dadurch entsteht kräftiger Wald," freut sich die Insektenbäuerin. Nach und nach tauchten immer mehr Tierarten auf, der Lebensraum und die Nahrungskette erholen sich zusehends. Mit dem Profit aus dem Schmetterlingsverkauf, erwarb die Familie schließlich das Land und handeln weiterhin Deals zu angrenzenden Grundstücken aus. "Weil der Boden verbraucht und landwirtschaftlich wertlos ist, sind die meisten von unseren Aufforstungsplänen sehr angetan," so Kristal Barrantes Guillén.
Dazu übernehmen Schmetterlinge, ansonsten Handelsware und Glied der Nahrungskette, auch als Bestäuber des Regenwaldes in Costa Rica eine tragende Rolle. Mit dieser Dreifachaufgabe dürfte ihr Einfluss in Mittelamerika mit ihrer fast sprichwörtliche Platz in der Chaostheorie zu vergleichen sein. Doch während dort theoretisch ein zarter Schmetterling mit einem Flügelschlag einen Tornado auslösen kann, bewirkt er in der Wirklichkeit von Costa Rica die Rettung der Natur.