Hintergrundrauschen Wie Klangkulissen den Schlaf beeinflussen

Wer gut schläft, lebt gesünder. Und manchmal helfen Geräusche dabei, zur Ruhe zu kommen
Wer gut schläft, lebt gesünder. Und manchmal helfen Geräusche dabei, zur Ruhe zu kommen
© Maria Korneeva / Getty Images
Ventilatorbrummen, Regenprasseln oder tiefes Grollen: Menschen mit Schlafproblemen setzen auf Geräuschkulissen, um zur Ruhe zu kommen. Doch was unterscheidet White Noise, Pink Noise und Brown Noise?

Anfang der 1960er-Jahre, in einer heißen Sommernacht: Der US-Vertriebsmanager und Tüftler James K. Buckwalter liegt wach, wälzt sich umher. Seine Frau neben ihm, die sonst über Schlafprobleme klagt, ruht stattdessen reg- und scheinbar traumlos. Neben seiner Frau, das fällt Buckwalter auf, läuft ein Ventilator und erzeugt ein monotones Surren, das den Straßenlärm, der durch die geöffneten Fenster dringt, schluckt.  

Fasziniert beginnt James Buckwalter nach dieser Nacht zu experimentieren, baut eine Maschine mit Motor und Luftkanälen, die ein Hintergrundrauschen erzeugt. 1962 kommt der "Sleep Mate" auf den Markt, ein surrendes Gerät, das beim Schlafen helfen soll. Und kurze Zeit später hat auch die Wissenschaft einen Namen für dieses Rauschen: "White Noise" – das weiße Rauschen.

Inzwischen ist das Rauschen des Schlafes bunter geworden, mehr Farben sind hinzugekommen. Weil immer mehr Menschen über Schlafprobleme klagen, untersuchen Experten Möglichkeiten, mit speziellen Geräuschkulissen den Betroffenen zu helfen. Nun wird unterschieden zwischen weißem, rosafarbenem und braunem Rauschen: "white noise", "pink noise" und "brown noise". 

Das Grollen eines rachsüchtigen Dämons

Das weiße Rauschen ist eine Art akustisches Flimmern, in dem alle Töne gleichermaßen vorkommen – so wie beim Ventilator von Buckwalters Frau. Aber auch Klimaanlagen erzeugen ähnliche Töne, prasselnder Regen, eine Meeresbrandung oder ein Radiogerät, dessen Sender nicht richtig eingestellt ist. Von Papst Clemens IX. Mitte des 17. Jahrhunderts ist bekannt, dass er unter schweren Schlafproblemen litt. Einigermaßen ruhig schlafen konnte er nur beim Plätschern eines Brunnens.  

Auch "pink noise" ist im Grunde ein Rauschen, es enthält ebenfalls Töne in allen Frequenzen. Allerdings sind die tieferen Töne lauter und die höheren leiser vertreten. Der Klangteppich erscheint etwas weicher, sanfter, eher wie ein gleichmäßiger Regen, Wind oder ein Wasserfall.     

Ähnliches gilt für "brown noise", nur dass dabei die tieferen Frequenzen noch mehr betont werden, hohe Töne sind noch einmal deutlich leiser. Das Hintergrundrauschen klingt dann fast wie ein fernes Donnergrollen, starker Regen oder Motorenbrummen. Ein Autor verglich das braune Rauschen mal mit dem Grollen eines rachsüchtigen Dämons tief unter der Erde.  

All diesen Geräuschen wird nachgesagt, sie würden im Schlafzimmer Wunder tun, hauptsächlich sollen sie Umgebungslärm maskieren und durch den konstanten Klang beruhigend wirken. Das Internet bietet millionenfach Clips und Tonspuren für jeden Geschmack, manchmal zehn Stunden lang: "Weißes Rauschen Düsengeräusche", "Organic Pink". Auch an die Vierbeiner wird gedacht: "Braunes Rauschen für Hunde".    

Ob das Rauschen – egal in welcher Farbe – wirklich beim Schlafen hilft, ist bislang wissenschaftliche nicht hinreichend untersucht. Am häufigsten haben sich Studien mit dem weißen Rauchen beschäftigt – aber auch dort sind die Ergebnisse nicht eindeutig. 

Eine Überblicksstudie aus New York aus dem Jahr 2022 fasste die Ergebnisse von 34 Untersuchungen zusammen. Demnach zeigten 19 der 34 Studien positive Ergebnisse hinsichtlich der Verbesserung des Schlafs: sechs Studien mit weißem Rauschen, neun mit rosafarbenem Rauschen und vier Studien mit einer Mischung aus weiß, rosa, Stille und Musik. 

Das rosa Rauschen scheint demnach am vielversprechendsten zu sein. Dennoch, schreiben die Autoren der Studie, gebe es keine eindeutigen Belege für die Wirksamkeit der Klangteppiche. Immerhin: Auch Nebenwirkungen konnten die Studien nicht nachweisen.      

dia

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