Kriegsverbrechen auf Sri Lanka Zehntausende vermisste Männer: Die stille Wut der Witwen

Singhalesische Soldaten verschleppten den jungen Tamilen Antany Vaiththeeswaran im Jahr 2009. Seiner Mutter und seiner Schwester blieb nur eine Fotografie als Erinnerung
Singhalesische Soldaten verschleppten den jungen Tamilen Antany Vaiththeeswaran im Jahr 2009. Seiner Mutter und seiner Schwester blieb nur eine Fotografie als Erinnerung
© Moises Saman/Magnum Photos/Agentur Focus/unterstützt durch das Pulitzer Center
Der Bürgerkrieg auf Sri Lanka ist seit 2009 offiziell vorbei. Aber nach wie vor gelten 100000 Menschen als vermisst, vor allem Männer. Ihre Frauen ­verlangen immer lauter nach ­Aufklärung. Und bringen das Schweigekartell der ­Regierung ins Wanken

Mullaitivu, am 12. Mai 2009: In der Kleinstadt im Nordosten von Sri Lanka bremst ein weißer Lieferwagen vor einem Haus, sechs Männer reißen die Türen auf, rennen mit gezogenen Pistolen über die Straße und klettern über die Grundstücksmauer. Drinnen werfen sie einen drahtigen Tamilen zu Boden, fesseln ihn vor den Augen seiner hochschwangeren Frau und seines sechsjährigen Sohnes und zerren ihn in den Liefer­wagen, rasen davon. Das seien „Agenten der Regierung“ gewesen, erzählt uns Ranjaneeta Navaratnarasa; das Gesicht der 41-Jährigen ist von Sorgen zerfurcht, ihr Haar vorzeitig ergraut, und doch strahlt sie etwas Kämpferisches aus. „Das war das letzte Mal, dass ich meinen Mann gesehen habe.“

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