Brasilien Frische Seelen für die Freikirchen: Die unheimliche Macht der Evangelikalen

Gläubige beten in der "Assembleia de Deus" im Norden von Rio de Janeiro. Pastor der Megakirche ist Silas Malafaia, ein konservativer Evangelikaler, der den Präsidenten Jair Bolsonaro unterstützt. Beide eint das Motto: "Brasilien über alles, Gott über alles"
Gläubige beten in der "Assembleia de Deus" im Norden von Rio de Janeiro. Pastor der Megakirche ist Silas Malafaia, ein konservativer Evangelikaler, der den Präsidenten Jair Bolsonaro unterstützt. Beide eint das Motto: "Brasilien über alles, Gott über alles"
© Ian Cheibub
Überall in Brasilien suchen Freikirchen neue Mitglieder. Sie dringen in die letzten Urwalddörfer vor und haben das Ohr des rechtspopulistischen Präsidenten Jair Messias Bolsonaro. Ihr Siegeszug ist eine Bedrohung für die Umwelt – und für die afrobrasilianische Gemeinde
Text: Jan Christoph Wiechmann; Fotos: Ian Cheibub

Schon im Morgengrauen begibt sich der Prediger Tiago Hyccry vom indigenen Volk der Krikati auf eine historische Mission. Aus seinem Runddorf im Osten des Amazonasgebiets macht er sich auf den Weg zu einer einsamen weißen Kirche auf einem Hügel. Noch steht die Sonne hinter den Tafelbergen, als warte sie auf Einlass. In den Kronen des Regenwalds hängt der Frühnebel wie Spanisches Moos. Doch schon vernimmt er aus einer Dorfhütte singende Frauenstimmen, die ihn strahlen lassen.

"Sie preisen Jesus", sagt er. "Die Eroberung ist in vollem Gang."

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