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Weltraumteleskop Dunkle Materie im Visier: Euclid ins All gestartet

Nachthimmel mit Sternen.
Weite Bereiche unseres Nachthimmels sind dunkel. Doch wenn Astrophysiker*innen vom "dunklen Universum" sprechen, meinen sie etwas anderes: jene Materie und Energie, die wir Menschen weder sehen noch detektieren können, aus denen das Universum aber wohl zum größten Teil besteht. 
© Jjpacetti/Wirestock Creators/stock.adobe.com
Fern der Erde soll das Weltraumteleskop Euclid in die Tiefen des Kosmos blicken, um  das "dunkle Universum" zu erkunden, erklärt die Astrophysikerin Dr. Mariana Wagner vom Planetarium Hamburg

Mit der Mission will die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) "Licht ins Dunkel" bringen. Indem Euclid Milliarden von Galaxien in bis zu einigen Milliarden Lichtjahren Entfernung beobachtet, wird sie eine detaillierte Karte der großräumigen Struktur des Universums erstellen. Ziel der Mission ist es, mehr über die Entwicklung des Kosmos, die Rolle der Schwerkraft und die Natur der Dunklen Materie und Dunklen Energie zu erfahren.

Dr. Mariana Wagner arbeitet als Astrophysikerin im Planetarium Hamburg. In ihrer Forschung hat sie Exoplaneten untersucht. Außerdem war sie als Musikautorin und -produzentin für verschiedene Künstler*innen tätig. In ihrer eigenen Show "Sound of Space" im Planetarium Hamburg vereint sie die beiden Welten Astrophysik und Musik: Mit dem Publikum horcht sie dem Klang des Alls nach und erklärt, wie verschiedene Himmelskörper klingen und warum. An dieser Stelle beschreibt sie monatlich, welche Highlights uns am Sternenhimmel erwarten.
Dr. Mariana Wagner arbeitet als Astrophysikerin im Planetarium Hamburg. In ihrer Forschung hat sie Exoplaneten untersucht. Außerdem war sie als Musikautorin und -produzentin für verschiedene Künstler*innen tätig. In ihrer eigenen Show "Sound of Space" im Planetarium Hamburg vereint sie die beiden Welten Astrophysik und Musik: Mit dem Publikum horcht sie dem Klang des Alls nach und erklärt, wie verschiedene Himmelskörper klingen und warum.
© Mira Luna Geiger

Das Bizarre ist: Nur wenige Prozent des Universums bestehen aus Materie, die wir kennen. Um die 95 Prozent aller Materie und Energie gehört zum "dunklen Universum". Dazu zählt die Dunkle Materie, die wir nicht direkt sehen oder messen können. Dennoch gehen wir davon aus, dass sie existiert, denn ihre Gravitation wirkt sich auf die uns sichtbare Materie aus. Mittels Dunkler Materie lässt sich zum Beispiel erklären, warum sich Sterne in den äußeren Regionen von Galaxien schneller bewegen als erwartet. 

Zu dem uns unbekannten "dunklen Universum" gehört auch die Dunkle Energie: Sie ist dafür verantwortlich, dass sich das Universum immer schneller ausdehnt. Noch wissen Astrophysiker*innen nicht, was sich hinter der Dunklen Energie verbirgt. Auch hier soll Euclid neue Erkenntnisse liefern. 

1,5 Millionen Kilometer entfernt von der Erde

Die über eine Milliarde Euro teure Mission ist am Samstag, 1. Juli 2023 gestartet, als Euclid mit einer Falcon-9-Trägerrakete von Cape Canaveral in Florida abhob. Nach einer 30-tägigen Reise soll das Teleskop den Lagrange-Punkt L2 erreichen, 1,5 Millionen Kilometer entfernt von der Erde, wo sich bereits das James-Webb-Teleskop befindet. Der Lagrange-Punkt L2 ist ein idealer Ort, um das Universum zu beobachten: Dort können Sonden im Gleichtakt mit der Erde um die Sonne kreisen, ohne selbst viel Sprit zu verbrauchen.

Zwei Menschen, von hinten zu sehen, stehen vor der Raumsonde Euclid, die sie um einige Meter überragt
4,7 Meter Höhe misst das Weltraumteleskop Euclid. An der rechten Seite sind seine schwarzen Solarpaneele zu sehen, die ihm Energie liefern, sowie unten die Antenne, die die Messdaten zur Erde sendet. Links verbirgt sich weiß das Teleskop, das einen Durchmesser von 1,2 Meter hat. 
© Syspeo/Sipa

Während der sechs Jahre dauernden Mission soll Euclid mehr als ein Drittel des Firmaments kartieren. Die so entstehende 3D-Karte unseres Universums wird mehrere Milliarden Galaxien umfassen. Euclid ist mit einem Teleskop und zwei Instrumenten ausgestattet – dem Near-Infrared Spectrometer and Photometer (NISP) und dem Visible Instrument (VIS). Das NISP wird im Nahinfrarotbereich detailliert die Farben und die Rotverschiebungen von Millionen von Galaxien analysieren. Das VIS wiederum wird mit hoher Bildqualität alle Galaxien der Durchmusterung abbilden. Beide Instrumente kombiniert eingesetzt liefern die dreidimensionale Position der Galaxien, die Formen der Galaxien, die Verteilung der Dunklen Materie und die Auswirkungen der Dunklen Energie in unserem Universum. 

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