Einmal falsch bewegt oder die Nacht über schief gelegen – und prompt macht der Nacken sich bemerkbar, allerdings auf ziemlich unsanfte Weise. "Schmerz ist immer ein Warnzeichen und bedeutet: Mach es anders oder lass es!", sagt Prof. Bernd Kladny. Er ist Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU).
Woran können wir konkret ansetzen – und was steckt überhaupt hinter Nackenschmerzen? Die wichtigsten Fragen dazu – und die Antworten im Überblick.
Warum entstehen Nackenschmerzen?
Nackenschmerzen können durch ganz unterschiedliche Ursachen ausgelöst werden; medizinisch wird dabei zwischen spezifischen und unspezifischen Nackenschmerzen unterschieden.
Nicht-spezifische Nackenschmerzen
Die allermeisten Nackenschmerz-Fälle lassen sich in diese Kategorie einsortieren. "Hier ist die Ursache unklar", sagt Prof. Thomas Kötter, Allgemeinmediziner am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. "Drücke ich als Arzt bei meinem Patienten auf den Muskel, tut er weh. Aber bei einer feingeweblichen Untersuchung oder beim MRT könnte ich nichts feststellen."
Eine große Rolle bei der Entstehung nicht-spezifischer Nackenschmerzen spielen Verspannungen. Hintergrund ist, dass sich der Kopf in alle möglichen Richtungen bewegen kann. Dabei kann es zu Belastungen in den Gelenken der Halswirbelsäule kommen, die das normale Ausmaß übersteigen. "Die Folge: Die Muskeln verspannen sich, um das Gelenk zu schützen, es schmerzt."
Oft ist das auf Fehlhaltungen des Kopfes zurückzuführen, so der Arzt - etwa, wenn wir lange am Bildschirm arbeiten oder mit immer wieder mit gesenktem Kopf auf das Smartphone schauen. Auch psychische Einflüsse wie Stress spielen bei der Entstehung von Nackenschmerzen oft eine Rolle.
Spezifische Nackenschmerzen
Sie entstehen zum Beispiel durch Entzündungen oder durch die Bedrängung von Nerven wie bei einem Bandscheibenvorfall. "Ebenso können Knochenbrüche, Osteoporose und Knochenmetastasen nach einer Krebserkrankung die Ursache sein", zählt Bernd Kladny auf.
Nackenschmerzen können plötzlich auftauchen, "andere verstärken sich langsam über mehrere Tage", sagt Thomas Kötter. Das ist nach einem Bandscheibenvorfall genauso möglich wie bei Entzündungen. Übrigens: "Auch nicht-spezifische Nackenschmerzen können unterschiedlich verlaufen."
Wie ernst sollte ich Nackenschmerzen nehmen?
"Sie können bei Nackenschmerzen ohne Hinweise auf die oben genannten Erkrankungen ein, zwei Wochen abwarten", sagt Bernd Kladny. Natürlich komme es auf die Intensität an, aber oft bilde sich das Problem von allein zurück. Das ist die gute Nachricht. "Ignoriert man Nackenschmerzen aber dauerhaft, nimmt man oft eine Schonhaltung ein, damit es nicht mehr so wehtut", so der Orthopäde. Ein Teufelskreis beginnt: Die Muskulatur verkrampfe, Folgeprobleme wie Anspannung, Stress und stärkere Schmerzen drohen.
Wie gestalte ich meinen Alltag, damit ich mir im besten Fall Nackenschmerzen ersparen kann?
Ob Yoga, Schwimmen oder Dehnübungen für den Nacken: Unsere Nackenmuskulatur freut sich über regelmäßige Bewegung. Selbst der kurze Spaziergang in der Mittagspause ist ein guter Anfang. Und auch ein gesunder Umgang mit Stress - und mit dem Smartphone - kann sich auszahlen.
Für ein nackenfreundliches Arbeiten am Schreibtisch geben Ergonomie-Experten folgenden Rat: "Die Oberkante des Monitors sollte auf Augenhöhe sein, der Abstand zum Körper eine Armlänge betragen", so Bernd Kladny. Bei der idealen Schreibtischhöhe könne man die Schulter hängen lassen, die Füße abstellen und Knie sowie Hüften stehen in einem Winkel von 90 Grad.
Eine goldene Ergonomie-Regel besagt aber auch: "Die beste Haltung ist immer die nächste." Daher wechselt man am besten mindestens dreimal pro Stunde die Haltung, wie Bernd Kladny sagt - und auch Beispiele liefert: "Stehen Sie beim Telefonieren auf, nutzen Sie ein Stehpult, stellen Sie den Mülleimer weg vom Schreibtisch."
Nachts im Bett sollte sich die Wirbelsäule gut erholen können. "Deswegen darf die gesamte Wirbelsäule beim Schlafen nicht abknicken oder überstrecken", so der Experte. Hier kommt es auf die Kissenhöhe an: Sie passt, wenn der Kopf in Verlängerung der Wirbelsäule liegen kann und das Kissen selbst den Raum zwischen Kopf und Schultern ausfüllt. Wichtig: Die Schultern gehören nicht aufs Kissen. "Rücken- und Bauchschläfer nehmen besser ein flaches Kissen", rät Bernd Kladny. Doch generell günstiger sei die Seitenlage.
Welche Nackenübungen helfen bei Schmerzen?
Auch hier ist Bewegung der Schlüssel. Treten Nackenschmerzen auf, können verschiedene Gymnastik-Übungen helfen, die man nach Bedarf in seinen Alltag einbauen kann:
1. Schulterkreisen im Stand oder Sitz
- Aufrecht stehen oder sitzen, Arme locker hängen lassen.
- Schultern langsam nach vorne oben ziehen, weit nach hinten und unten kreisen.
- 10–15 langsame Kreise in jede Richtung.
2. Nacken-Dehnung nach hinten
- Aufrecht stehen oder sitzen, Arme locker hängen lassen.
- Schulterblätter zurücknehmen, nach hinten und unten ziehen.
- 10 Sekunden halten.
3. Nacken-Dehnung zur Seite
- Aufrecht sitzen, Schultern bewusst nach unten ziehen.
- Den Kopf langsam zur Seite drehen, 10 Sekunden sanft dehnen (rechtes Ohr Richtung Schulter).
- Ruhig weiteratmen, nach 20 Sekunden Pause die Seite wechseln.
4. Kinn-zur-Brust (sanfte Mobilisation)
- Aufrecht sitzen, Blick nach vorn.
- Kinn langsam Richtung Brustbein ziehen, als würden Sie ein Doppelkinn machen, ohne den Kopf nach vorne zu "schieben".
- 5-10 Sekunden halten, lösen, 10-mal wiederholen.
5. Isometrische Nackenübung (Halsmuskeln aktivieren)
- Aufrecht sitzen, rechte Hand an die rechte Schläfe legen.
- Kopf sanft gegen die Hand drücken, ohne dass Bewegung sichtbar ist, 5 Sekunden halten.
- 3-5 Wiederholungen pro Seite; gleiches Prinzip auch mit der Hand an Stirn (vorne) und Hinterkopf (hinten).
6. Brustkorb öffnen (Ausgleich zur Schreibtischhaltung)
- Aufrecht stehen, Hände hinter dem Rücken verschränken.
- Arme leicht nach hinten/unten ziehen, Brustbein anheben, Blick nach vorne.
- 20-30 Sekunden halten, 2–3-mal wiederholen.
Wichtig dabei: "Machen Sie niemals etwas ruckartig oder in den Schmerz hinein", sagt Bernd Kladny.
Vor allem bei nicht-spezifischen Nackenschmerzen kann auch Wärme sehr wohltuend sein. Wärme regt nämlich die Durchblutung an, wodurch sich die Muskeln entspannen. Das kann Schmerzen lindern. Neben Kirschkernkissen, Rotlicht, Wärmepflastern oder einem Schal sind auch Salben mit dem Wirkstoff Capsaicin eine Option. "Bei einer Entzündung allerdings hilft Wärme nicht. Das Gewebe ist hier ohnehin schon vermehrt durchblutet", sagt Thomas Kötter.
Schmerzlindernde, rezeptfrei erhältliche Mittel wie Ibuprofen können den Reiz-Zustand ebenfalls reduzieren. Übertreiben sollte man es damit aber nicht. Kladny: "Gerade bei Vorerkrankungen können Nebenwirkungen auftreten."
Wann sollte ich Nackenschmerzen unbedingt ärztlich abklären lassen?
"Warnsignale sind Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen in den Armen", fasst Thomas Kötter zusammen. Ein rund um die Uhr andauernder Schmerz kann auf eine Entzündung hindeuten. Treten nach einem Unfall Nackenschmerzen auf oder hat man eine Krebserkrankung überstanden, ist ebenfalls rasch ein Arztbesuch angesagt.