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Karpaltunnelsyndrom Wann Sie ständiges Fingerkribbeln ernst nehmen sollten

Frau mit Karpaltunnelsyndrom
Wer unter dem Karpaltunnelsyndrom leidet, verspürt häufig ein Kribbeln und Schmerzen in der Hand und den Fingern
© Anut21ng Photo - Shutterstock
Wohl jeder kennt das taube Gefühl in den Fingern, wenn zwischendurch die Hand einschläft. Das Kribbeln ist zwar unangenehm, meist jedoch harmlos und lässt sich mit ein wenig Bewegung schnell wieder vertreiben. Tritt das Fingerkribbeln aber häufiger auf und wird von Schmerzen begleitet, so sollte es durch einen Arzt abgeklärt werden

Wer häufiger und vor allem nachts ein Kribbeln in den Händen oder Fingerspitzen verspürt, sollte die Symptome genau im Blick behalten. Denn das nächtliche Kribbeln kann auf das sogenannte Karpaltunnelsyndrom hindeuten, bei dem die Nervenstränge im Karpaltunnel (siehe Grafik unten) der Handwurzel unter hohen Druck geraten und verengen.

Da die Symptome sich oft schleichend verstärken, weil der Druck auf den Mittelarmnerv in der Hand langsam zunimmt, nehmen viele Menschen diese zunächst nicht ernst und riskieren so über die Jahre dauerhafte Schäden.

„Die Nervenstränge werden von Blutgefäßen begleitet. Sorgt der Druck im verengten Karpaltunnel für eine Unterbrechung des Blutstroms, besteht die Gefahr, dass die von ihnen versorgten Nervenfasern absterben“, warnt Dr. Martin Schreiber, Handchirurg am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden.

Darstellung einer Hand mit Karpaltunnelsyndrom
Beim Karpaltunnelsyndrom handelt es sich um eine Einklemmung des Mittelhandnervs oder Mittelarmnervs im Karpaltunnel des Handgelenks
© Blamb - Shutterstock

Das kann zum Beispiel die Fingerfertigkeit beeinflussen: Die Tür aufzuschließen, fällt dann mitunter schwer. Oder es fallen einem immer wieder Gegenstände aus der Hand, weil die Finger taub werden.

Zusätzlich können unangenehme Begleiterkrankungen auftreten. Häufig sind laut Deutscher Gesellschaft für Neurochirurgie schmerzhafte, geschwollene und auch "schnappende" Finger, die durch eine Einklemmung der Beugesehnen in Höhe des Ringbandes hervorgerufen werden.

Jeder sechste Erwachsene ist vom Karpaltunnelsyndrom betroffen

Laut des Deutschen Ärzteblatts ist etwa jeder sechste Erwachsene in Laufe seines Lebens mehr oder weniger stark von dieser Form der Nervenkompression betroffen. In Deutschland ist das Karpaltunnelsyndrom eine der häufigsten Gründe für einen handchirurgischen Eingriff.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollte man das Kribbeln, das besonders häufig an Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger und vor allem beim Schlafen auftritt, zeitnah von einem Spezialisten abklären lassen. "Die rechtzeitige Beratung durch eine Chirurgin beziehungsweise einen Chirurgen mit der Zusatzbezeichnung Handchirurgie ist wichtig, um sich möglichst viele Behandlungsoptionen zu erhalten", sagt Prof. Adrian Dragu, Direktor für Plastische- und Handchirurgie am UniversitätsCentrum für Orthopädie, Unfall- und Plastische Chirurgie in Dresden.

Ist die Diagnose "Karpaltunnelsyndrom" gestellt, ist der erste Behandlungsschritt oft eine spezielle Schiene, mit der das Handgelenk nachts ruhig gestellt und so der Mittelarmnerv im Karpaltunnel entlastet wird. Wer mit stark vibrierenden Geräten, wie zum Beispiel Rüttelplatten auf dem Bau, arbeitet oder häufig schwere Lasten tragen muss, muss die Hand schonen, wenn diese Tätigkeiten als Ursache in Frage kommen.

Bleiben das Kribbeln, die Taubheitsgefühle und die Lähmungserscheinungen trotz dieser konservativen Therapieansätze bestehen, muss die Hand eventuell operiert werden. Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant bei örtlicher oder regionaler Betäubung und dauert häufig nicht länger als 20 Minuten.

Nach der Operation muss die Hand zwei Wochen geschont werden. Danach treten in der Regel keine Einschränkungen mehr auf, sofern sich die Patienten nicht zu spät operieren lassen und die betroffenen Nerven ohne irreversible Schäden geblieben sind.

mit dpa

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