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Psychologie Wie erkennt man einen Narzissten?

Kann man einen Narzissten an seinem arroganten Blick erkennen? Vielleicht. Dieser dient ihm aber nur aus Selbstschutz – Narzissten haben tief im Inneren ein geringes Selbstbewusstsein
Kann man einen Narzissten an seinem arroganten Blick erkennen? Vielleicht. Dieser dient ihm aber nur aus Selbstschutz – Narzissten haben tief im Inneren ein geringes Selbstbewusstsein
© watman/Adobe Stock
Heutzutage werden Menschen schnell als "typische Narzissten" bezeichnet. Tatsächlich haben aber nur 0,4 Prozent der Weltbevölkerung eine diagnostizierte krankhafte, narzisstische Persönlichkeitsstörung. Doch woher weiß man, ob der Chef oder die Partnerin nur egoistisch und schwierig ist – oder schon ein Narzisst oder eine Narzisstin?

Inhaltsverzeichnis

Narzisstinnen und Narzissten wirken ungeheuer anziehend auf Menschen. Forschende der Universität Graz fanden in einer Studie heraus, dass Narzissten bei ersten Dates um für bis zu 10 Prozent attraktiver gehalten werden als andere. Das gilt sowohl für Frauen als auch für Männer. Der Grund: Narzissten sind extrovertiert, machen sich attraktiv zurecht und sind freundlich.

Daher sind sie auf den ersten Blick die perfekten Partnerinnen und Partner. Doch weit gefehlt. Denn obwohl der Beginn einer Beziehung mit einem Narzissten sehr schön sein kann, entwickelt sich die Partnerschaft im Laufe der Zeit oft zu einem Albtraum: Der Narzisst macht den eigenen Partner von sich abhängig und zerstört durch dessen Abwertung sein Selbstbewusstsein.

Durch dieses manipulative Verhalten suggeriert ein Narzisst dem Partner oder der Partnerin glaubhaft, dieser sei Schuld an den Problemen in der eigenen Beziehung. Aus diesem Grund fällt es vielen Betroffenen trotz dieser toxischen Verbindung so schwer, sich zu trennen.

Damit man gar nicht erst in diese Situation kommt, ist es hilfreich, einen Narzissten oder eine Narzisstin als diese zu erkennen – und dann bestenfalls zu meiden. Doch wie erkennt man einen Narzissten?

Wie erkennt man einen Narzissten? 

In den letzten Jahren wird die Bezeichnung "Narzisst" inflationär gebraucht. Ob die Ex-Freundin, der Chef oder Kollege – zu viele Menschen werden derzeit als "typische Narzissten" bezeichnet. Denn nicht jeder, der selbstbewusst und egoistisch handelt, ist ein Narzisst.

In der Psychologie wird zwischen krankhaftem Narzissmus und Narzissmus als gesunder Persönlichkeitseigenschaft unterschieden. Selbst wenn jemand narzisstische Charakterzüge hat, wie ein großes Selbstbewusstsein und Mut zum Risiko, ist das noch lange nicht krankhaft. Diese Menschen leiden nicht, im Gegenteil: Sie sind häufig sehr beliebt, kommunikativ und extrovertiert – und sehr erfolgreich im Berufsleben.

"Ist die Selbstliebe eines Menschen jedoch stark geschädigt oder unentwickelt, dient die perfekte äußere Fassade aus Erfolg, Leistung, Status, Attraktivität und Schlankheit als Ersatz für ein positives Selbstgefühl", schreibt die Psychologin Bärbel Wardetzki in ihrem Buch "Eitle Liebe".

Erfolgreich im Beruf, Probleme im Privatleben

In beruflichen Zusammenhängen seien narzisstische Menschen daher meist sehr erfolgreich und kompetent, ihr Problem liege mehr im Umgang mit Menschen und in intimen Beziehungen. "Denn Unsicherheiten und Selbstzweifel können zwar hinter der perfekten Fassade versteckt werden, bleiben aber dennoch erhalten und zeigen sich häufig in den Momenten, in denen jemand einem anderen Menschen emotional nah kommt. In der Distanz können sie sich besser tarnen als in der wärmenden Nähe", so Wardetzki.

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Stark ausgeprägte narzisstische Persönlichkeitsmerkmale führen hingegen zu sozial unverträglichen Eigenschaften und Verhaltensweisen – worunter die Narzissten auch sehr leiden können. Die so genannte narzisstische Persönlichkeitsstörung tritt aber nur bei bis zu 0,4 Prozent der Weltbevölkerung auf.

Wie erkennt man also, ob jemand wirklich von Narzissmus betroffen ist? 

Wie merkt man, ob jemand Narzisst ist? Merkmale der narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Eine "narzisstische Persönlichkeitsstörung" (NPS), wie man die krankhafte Form des Narzissmus nennt, ist eine tiefgreifende Störung der Persönlichkeit, welche sich durch mangelndes Selbstwertgefühl, eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber Kritik und einer geringen Empathie für andere Menschen auszeichnet.

Das mangelnde Selbstbewusstsein wird häufig durch eine Zurschaustellung "grandioser" Taten kompensiert. Krankhafte Narzisstinnen und Narzissten werten noch dazu andere Menschen ab, um sich selbst "größer" zu fühlen.

Otto Kernberg, einer der berühmtesten Psychotherapeuten der Welt, ist führender Experte im Gebiet Narzissmus. Er sieht die Unfähigkeit zu lieben als typisches Symptom der narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Narzisstinnen und Narzissten würden Bewunderung brauchen, keine Liebe.

In einem Interview beschreibt er einen krankhaften Narzissten wie folgt: "Eine narzisstische Störung ist eine Störung der Wertschätzung seiner selbst und des normalen Gefühls der Selbstliebe und der Zufriedenheit mit dem eigenen Leben. Narzisstische Persönlichkeiten leiden an entsetzlicher Unsicherheit und haben ein tiefes Gefühl, nicht anerkannt, nicht geliebt zu werden, das von frühesten Lebensjahren stammt."

Aus diesem Grund brauchen sie ständig Anerkennung und Bewunderung von anderen. Gegenüber anderen zeigen Narzissten oft eine große Selbstverliebtheit, doch im Inneren sind sie unsichere Menschen mit wenig Selbstwert.

Wie definiert man krankhaften Narzissmus?

Für die Diagnose einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung müssen Patientinnen und Patienten laut Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition [DSM-5]) mindestens fünf dieser Punkte erfüllen:

  • ein übertriebenes, unbegründetes Gefühl der eigenen Bedeutung und Talente (Grandiosität)
  • die Beschäftigung mit Phantasien von unbegrenzten Erfolgen, Einfluss, Macht, Intelligenz, Schönheit oder der vollkommenen Liebe
  • der Glaube, dass sie speziell und einzigartig sind und sich nur mit den Menschen auf höchstem Niveau verbinden sollten
  • der Wunsch, bedingungslos bewundert zu werden
  • die Ausnutzung anderer, um ihre eigenen Ziele zu erreichen
  • ein Mangel an Empathie gegenüber anderen
  • Neid auf andere und der Glaube, dass andere sie beneiden
  • Überheblichkeit

Wie verhält sich ein Narzisst in der Beziehung?

Eine Beziehung zu einer Narzisstin oder einem Narzissten läuft meist in einem typischen Muster ab: Narzissten sind zu Beginn sehr einnehmend. Sie überschütten den (potentiellen) Partner oder die Partnerin mit Komplimenten, setzen ihren ganzen Charme ein, um den Begehrten oder die Begehrte zu erobern. Das Gegenüber denkt oft, die ganz große Liebe gefunden zu haben.

Doch sobald die Partnerschaft gefestigt ist, ändert sich das anfangs so traumhafte Verhalten des Narzissten. Er erwartet viel, nimmt keine Rücksicht auf die Bedürfnisse des anderen, wird beleidigend und verletzend – und das offen oder subtil. Durch sein manipulatives Verhalten will er das Selbstbewusstsein des Partners schwächen.

In Situationen, in denen es dem Partner oder der Partnerin schließlich reicht und diese*r sich trennen möchte, setzt der Narzisst wieder seinen Charme ein. Das lässt sein "Opfer" an die guten Zeiten zu Beginn der Beziehung zurückerinnern. Der Partner bleibt. Das Spiel beginnt von neuem. Und der toxische Kreislauf einer emotionalen Abhängigkeit beginnt, aus dem sich die Partner nur sehr schwer lösen können.

Einen Narzissten erkennen: Typische Sätze und Kommunikationsformen

Narzissten erkennt man, wenn man darauf achtet, wie sie sich verhalten – aber auch, was sie sagen. Denn manche Sätze verwenden manche Narzissten so oder ähnlich immer wieder.

"Das bildest du dir nur ein": Narzissten sind Meister darin, andere Menschen zu manipulieren. Das machen sie so überzeugend, dass ihre Partner, Freunde oder Kolleginnen schließlich selbst an sich zweifeln, obwohl ihr Bauchgefühl ihnen ganz klar sagt, dass sie im Recht sind.

Ein Beispiel: Ein Narzisst hat vor Monaten zu seiner Partnerin gesagt, ihre Freundin sehe besser aus als sie. Das hat er gemacht, um das Selbstbewusstsein seiner Partnerin zu schwächen, um sich selbst besser zu fühlen. Und zudem noch, um sie abhängiger von ihm zu machen.

Nun streiten die beiden, und seine Freundin erinnert den Narzissten daran, was er damals zu ihr gesagt hat. Sie bilde das sich nur ein, empört sich dieser, so etwas würde er nie tun. Und das sagt der Narzisst so dermaßen überzeugend, dass die Partnerin irgendwann selbst denkt, er habe es gar nicht so gesagt.

"Du bist Schuld": Narzissten verhalten sich teilweise unmöglich – sind aber nie Schuld an ihrem Verhalten. Das sind ganz klar die anderen. Ein Narzisstin vergisst den Geburtstag ihres Freundes? Na, der hätte sie doch daran erinnern müssen! Die kann da gar nichts dafür! Ein Narzisst verschwitzt einen Termin im Büro? Na, weil er die Einladung dazu nicht per Mail bekommen hat, ganz klar! Er würde nämlich nie einen Termin vergessen.

"...... (Schweigen)": Eine typische und brutale Waffe von Narzissten in Beziehungen ist ihr Schweigen, auch "Silent Treatment" genannt. Es ist eine Form der passiv-aggressiven Kommunikation, und kann sogar als emotionaler Missbrauch beziechnet werden, wenn es wiederholt auftritt.

Beim "Silent Treatment" bestraft der Narzisst sein Gegenüber damit, dass er nichts sagt, und ihn ignoriert. Das macht er besonders dann, wenn er beleidigt ist. Zum Beispiel, weil der Partner etwas Lapidares gesagt hat, was den Narzissten aber sehr kränkt, da dieser keinen Selbstwert hat. Das Schweigen kann lange anhalten, und wird regelrecht zur Folter, wenn der Partner mit dem Narzissten sprechen möchte um sich wieder zu vertragen – er aber einfach ignoriert wird. Der Narzisst möchte so Kontrolle über den Partner erlangen, ihn regelrecht mürbe machen und dessen Selbstwert schwächen.

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