Gestrandeter Wal Kann der Buckelwal von Timmendorfer Strand es schaffen?

Buckelwal in der Ostsee
Nach tagelangen Rettungsversuchen ist der Buckelwal wieder frei
© Marcus Brandt/dpa
Der Buckelwal ist frei, aber sein Weg zurück ins offene Meer bleibt riskant. Warum sein Gesundheitszustand Sorgen macht und wie Boote jetzt helfen sollen

Nach einer tagelangen und aufwendigen Rettungsaktion ist der vor Timmendorfer Strand auf einer Sandbank liegende Buckelwal in der Nacht zumindest vorläufig freigekommen. Wie kann es jetzt mit dem riesigen Tier weitergehen? Einige Antworten auf drängende Fragen:

Wie kann der Wal zurück in die Nordsee kommen?

Das ist nach Einschätzung der wissenschaftlichen Mitarbeiterin am Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung in Büsum, Stephanie Groß, nicht einfach zu sagen. "Es ist einfach so, dass man schauen muss, wie sich das Tier verhält, ob es sich leiten lässt." Erst mal bestehe Hoffnung. "Das Tier ist in offener See." Jetzt müsse man es begleiten und beobachten.

Nach Angaben des Bürgermeisters von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke, soll der Wal von Booten der Polizei begleitet werden. Am Morgen waren mehrere Boote, darunter auch Schlauchboote, vor Timmendorfer Strand im Wasser. Mehrere Experten versuchten, den Wal daran zu hindern, wieder ins Flachwasser zu schwimmen. 

Die Ostsee ist nur durch drei schmale Meerengen mit dem Kattegat und dem Skagerrak verbunden, die den Übergang zur Nordsee bilden. Der Wal muss den Weg zwischen den dänischen Inseln entweder durch den Kleinen oder den Großen Belt finden oder zwischen Seeland und dem schwedischen Festland durch den Öresund schwimmen, um die Ostsee zu verlassen. 

Warum ist es wichtig, dass der Wal die Ostsee verlässt?

Die Ostsee ist keine natürliche Heimat für Großwale. In dem Binnenmeer herrscht ein zu geringer Salzgehalt des Wassers. Es ist in vielen Bereichen sehr flach und bietet nicht immer ausreichend Nahrung. In der Ostsee kommen aber Kleinwale wie Schweinswale vor.

Wie ist die Ernährungssituation des Tiers?

Groß schätzt die Ernährungssituation des Buckelwals als nicht so schlecht ein. "Diese Tiere können wochenlang ohne Nahrung auskommen. Der Wal hier ist gut genährt, hat also auch noch Reserven. Das wird nicht sein Problem sein", sagt die promovierte Tierärztin. 

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Was ist über den Gesundheitszustand des Wals noch bekannt?

Das sei ein entscheidender Punkt, sagt Groß. "Wir sehen diese Hautveränderungen." Der Wal habe noch eine Leine im Maul, bei der niemand wisse, was sie innerlich mit dem Tier mache. "Insofern muss man das wirklich abwarten." Man habe die Leine soweit möglich entfernt. "Der Wal war jetzt nicht willig, das Maul zu öffnen. Deswegen konnte das, was im Wal ist, nicht entfernt werden." Die Leine sitze fest.

Warum hat man keinen Tracker an dem Wal befestigt?

Einen Sender habe man nicht anbringen können, weil die Haut des Buckelwals in einem sehr schlechten Zustand sei, sagt Groß. Solche Sender, mit denen die Position von Tieren bestimmt werden können, werden auf die Haut geklebt. "Der hätte nicht gehalten. Deshalb wurde das auch nicht gemacht." In den vergangenen Tagen war darüber spekuliert worden, ob der schlechte Zustand der Haut mit dem geringen Salzgehalt des Wassers zusammenhängen könnte. Wie lange der Wal schon in der Ostsee schwimmt, ist nicht bekannt. 

Gibt es eine Erklärung dafür, dass große Wale jetzt häufiger in der Ostsee gesichtet werden?

Eine mögliche Erklärung ist nach Einschätzung der Tierärztin, dass es wieder deutlich mehr Wale gibt. "Die Populationen erholen sich erfreulicherweise langsam. "Insofern kann das einer der Gründe sein, warum einfach mehr Wale da sind." Überlegungen gehen auch dahin, dass ein Wal einem Fischschwarm folgt, weil dieser ihm Nahrung bietet.