Weichselmündung Seltenes Naturschauspiel: Meer an der polnischen Ostseeküste zugefroren

Weichselmündung: Seltenes Naturschauspiel: Meer an der polnischen Ostseeküste zugefroren
© reuters / Lukasz Glowala
Video: ntv; Bild: reuters
In Polen ist es seit Jahren zum ersten Mal richtig winterlich – das zeigt sich auch an der Küste. Eisflächen bedecken weite Bereiche der Ostsee und halten sogar die Mündung der Weichsel im Griff 


Seit Wochen beherrscht eine starke Kältewelle Polen, mit Extremtemperaturen von bis zu minus 30 Grad Celsius wie in der Nacht zu Montag. Dadurch gefror die Wasseroberfläche der Ostsee sowie die Mündung der Weichsel bis etliche Kilometer flussaufwärts. Eine eisbedeckte Ostsee ist an der polnischen Küste keine Seltenheit, doch das Zufrieren der Weichselmündung kommt nur alle paar Jahre vor. Dieser Anblick ist spektakulär, denn unter dem festen Eis fließt das Wasser weiter.

Wie kommt es zu diesem Phänomen?

Normalerweise sorgen die starke Strömung, gezeitenähnliche Wasserstandsschwankungen sowie Wind und Wellen dafür, dass sich an der Flussmündung keine geschlossene Eisfläche bilden kann. In diesem Jahr trafen jedoch mehrere Faktoren zusammen: lang anhaltender Dauerfrost seit Januar, zudem kein Hochwasser, wodurch die Strömung geringer ist und Eis sich leichter an der Oberfläche bilden an.

Als zentraler Faktor gilt jedoch der Wind. Ist er zu Beginn noch nicht so stark, entstehen weniger Wellen, die die Eisbildung einschränken könnten. Wenn die Wasseroberfläche dann bereits mit Eis bedeckt ist, hilft der Wind, die Schollen in Richtung Mündung zu schieben. Besonders wirkungsvoll ist das, wenn der Wind über einen längeren Zeitraum aus einer ähnlichen Richtung weht.

Unterhalb der Eisdecke fließt das Wasser weiter. Das hängt mit seiner Dichte und Temperatur zusammen. Warmes Wasser hat eine größere Dichte und ist somit "schwerer" als kaltes Oberflächenwasser – es sinkt nach unten. Das kalte Wasser gefriert somit zuerst, während das Wasser in tieferen Schichten oft ein paar Grad wärmer bleibt. Zudem wirkt die Eisdecke isolierend. Sie bremst den weiteren Wärmeverlust und verhindert, dass das Wasser darunter komplett gefriert. 

Eisbrecher an der Ostsee erst mal auf Eis gelegt

Die aktuelle Wettersituation an der polnischen Ostseeküste führte dazu, dass die Eisbrecherflotte laut polnischen Medienberichten vorerst nicht weiterarbeiten kann. In einer ersten Operation waren 18 Schiffe im Einsatz, darunter zwölf polnische und sechs deutsche Eisbrecher. Sie räumten Flussläufe, um einem Rückstau und Hochwasser vorzubeugen. Bei den aktuellen Temperaturen jedoch birgt weiteres Eisbrechen selbst das Risiko von Eisstauungen. Die freigelegten Fahrrinnen frieren schnell wieder zu. Daher muss die Schiffsflotte jetzt auf wärmere Temperaturen warten.

Mehr zum Thema