Lehde in Brandenburg

"Lagunenstadt im Taschenformat" taufte Theodor Fontane zärtlich-verzückt das kleine Lehde, als er im Spreewald kurzurlaubte. Das ist nun 160 Jahre her, doch ein Miniatur-Venedig ist das Dorf bis heute: Spreearme sind seine Gassen, Brücken verbinden die Inselquartiere, und der Kahn ist das wichtigste Verkehrsmittel – Postbotin, Müllmänner, Feuerwehr, Polizei erledigen ihre Jobs per Holzboot. Kinder in Lehde, erzählt der Gondoliere Wolfgang Gahl, lernen das Fahren vorm Laufen. Er und seine Kollegen staken Touristen in Kähnen durch das Wasserwegelabyrinth, mit Glück zeigen sich Otter, Eisvogel oder Wasserschlange. Wer Stille sucht, nimmt besser ein Kanu oder ein Kajak. Es gibt das Gurkenmuseum im Dorf und das Freilandmuseum, aber genau genommen ist ganz Lehde ein Museum: die Einlegereien und Reibereien für Gemüse und Meerrettich, die Kähne und die Art, wie sie gebaut werden, die Holzhäuser und die Spreewaldkultur. 130 Lehder halten sie hoch. Und feiern 2019 das Fontanejahr, schließlich hat der Mann das alles berühmt gemacht.

Kallmünz in Bayern

Wenn die Floskel "wunderbar malerisch" irgendwo angebracht ist, dann in dieser oberpfälzischen Marktgemeinde mit ihrem bewaldeten Burgberg und den mittelalterlichen Gassen, Höfen und Treppen. All dies ist aufs Schönste eingebettet in eine Kalkfelsenlandschaft. Seit der Landschaftsmaler Charles Johann Palmié im Jahre 1901 im Gasthof »Zur Roten Amsel« eine Kunstschule eröffnete, streifen Künstler um den Burgberg. Der Bekannteste von ihnen, Wassily Kandinsky, war so ergriffen von dem Dorf, dass er sich hier 1903 heimlich mit Gabriele Münter verlobte. Motive für die Leinwand bieten sich, wohin man auch blickt: Die steinerne Bogenbrücke mit der Nepomukstatue, das berühmte »Haus ohne Dach« (das nur aus einer grünen Wand in einer Felshöhle besteht), die Burgruine auf dem Jurafels. Und als sei das alles nicht idyllisch genug, spiegelt sich das Bild in der Naab wider, die breit wie ein See durchs Zentrum strömt. Wenn man doch nur malen könnte!

Assinghausen in Nordrhein-Westfalen

Ein Dorf? Eher ein Garten voller Blütenrüschen. Rosen klettern weiße Mauern mit schwarzen Balken hoch, winden sich über die Schieferdächer des sauerländischen Fachwerkdorfs im Tal der Ruhr. Mitten hindurch führen vier Rosenwege. Die Rambler Momo lässt den Gartenzaun des alten Schulhauses rot aufleuchten. Hier kam vor rund 190 Jahren der wanderfreudige Heimatdichter Friedrich Wilhelm Grimme zur Welt, heute beherbergt es einen Grimme-Gedächtnisraum. Sein Denkmal steht davor, und ein Wanderweg über die Bergkämme trägt auch seinen Namen.

Born auf dem Darß in Mecklenburg-Vorpommern

Windschiefe Kiefern, Buchen, Eichen und Erlen bilden ein sattgrünes Meer: Der Urwald auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst endet erst an der Ostsee, in Dünen, Steilküste und langen Stränden – und auf der Boddenseite in einem raschelnden Schilfgürtel. Genau dahinter liegt Born. Der Fischerort mit seinen Reetdachhäusern und den kunstvoll bemalten Türen, mit der Fischerkirche und der Dorflinde aus dem 17. Jahrhundert ist, anders als Ahrenshoop und Zingst, nicht nur am Morgen angenehm verschlafen: Denn die meisten Gäste zieht es ans Meer und nicht zum stillen Bodden. Zum Glück – denn so bleibt Born die Ruhe selbst. Gerade öffnet Anka Köhlmann im »Café TonArt« die himmelblauen Fensterläden und serviert den Gästen auf der Terrasse ihren »Sägespänekuchen«, mit massig Schokolade und Kokos. Auf der »Kulturstraat« sind an Buhnenpfählen rund 18 Tafeln montiert: Darauf lässt sich die Geschichte der Häuser und ihrer Bewohner nachlesen.

Menzenschwand in Baden-Wüttemberg

Uralte Schwarzwaldhäuser aus dunklem Holz und tief heruntergezogene Walmdächer, die aus dem Smaragdgrün der Wiesen ragen: Behütet in einem Tal ohne Durchgangsverkehr und Bustouristen ist das Dorf die sanfte Schönheit geblieben, die es immer war. Obwohl es rund 900 Meter hoch genau in der Mitte zwischen den Schwarzwald-Hotspots liegt. Wanderer nähern sich dem Ort auf dem Weg zum Feldberg, übers Äulemer Kreuz und
hinunter zum Schluchsee. Die zeltartige Kirche stammt aus den Siebzigern und durchbricht charakterstark den Bilderbuch-Look. Wer keine Lust hat, zu blühenden Bergwiesen, Wäldern und Seen zu wandern, sieht sich das niedliche kunsthistorische Museum an oder besucht die Therme mit radon- und fluoridhaltigem Heilwasser. Das WLAN ist wackelig, das Tempo gemächlich, die Stille ungewohnt. Nachts rufen Käuzchen und Uhus, tagsüber bimmeln die Ziegen mit ihren Glöckchen. Laut ist nur der Wasserfall. An Sommerabenden wird er beleuchtet.

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