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Forschung Rock oder Hip Hop: Mögen Hunde unsere Musik?

Ein Mops hört seinem Herrchen beim Gitarrenspielen zu
Ein Mops hört seinem Herrchen beim Gitarrenspielen zu. Ob dies Musik in seinen Ohren ist?
© Leonid Lastremskyi/ Alamy Stock Photos / mauritius images
Welche Musik beruhigt Hunde, wenn sie aufgeregt sind? Wie finden Hunde unsere Lieblingsmusik? Und wie laut dürfen wir sie aufdrehen? Einige Studien haben sich mit dem Verhalten der Vierbeiner unter Einfluss von Musik beschäftigt

Inhaltsverzeichnis

Hundebesitzer kennen dieses Szenario: Man sitzt im Auto und im Radio läuft ein Lied, dass man mag. Man dreht auf, singt vielleicht sogar mit. Und fragt sich unwillkürlich, wie der Hund auf der Rückbank das wohl findet.

Sind die Songs unserer geliebten Bands wirklich Musik für die Hundeohren? Oder klingt Rock, HipHop oder Alternative für unsere Vierbeiner eher nach Krach, als nach einer schönen Melodie? Quälen wir unsere geliebten Tiere sogar, wenn wir diese Musik hören?

Welche Musik wirkt beruhigend auf Hunde?

Wissenschaftler*innen des Universität Glasgow haben für eine Studie die Wirkung von Musik auf Hunde untersucht. Über ein halbes Jahr spielten sie 38 Hunden in einem Tierheim verschiedene Musik-Richtungen wie Reggae, Motown, Pop, Klassik oder Soft Rock vor. Die Hunde befanden sich, während sie die Musik hörten, in einem Zwinger.

Das Ergebnis: Das Hören von Reggae und Soft Rock reduzierte das Stresslevel bei den Zwingerhunden, wie die Autoren 2017 in "Science Direct" berichteten. Die Hunde legten sich häufiger hin, der Herzschlag wurde ruhiger, die Hunde waren messbar weniger gestresst. Diese Effekte wurden ebenfalls bei einer ähnlichen Studie beobachtet, bei der Hunden klassische Musik vorgespielt wurde.

Das Abspielen von Motown, Pop und Klassik-Musik hatten bei der Studie aus Glasgow einen geringeren positiven Effekt auf die Hunde.

Es wurde jedoch auch eine schnelle Gewöhnung an die jeweilige Musikrichtung nachgewiesen. Die Hunde wurden mit der Zeit unruhiger. Doch als die Musikrichtung gewechselt wurde, konnte der Effekt aufrechterhalten werden, so die Forscher.

Welche Musik hören Hunde am liebsten?

Wer seinen Hund beruhigen will, sollte ihm also Bob Marley oder Bryan Adams vorspielen. Oder die Musik des Amerikaners David Teie. David Teie komponiert Musik speziell für Tiere, für Katzen, Hunde und sogar Affen. Und das bereits seit über 15 Jahren mit erstaunlichem Erfolg.

Teie ist Cellist am National Symphony Orchestra in Washington und setzt sich für die Tier-Musik mit der Psyche der jeweiligen Gattungen auseinander. Dafür arbeitet er mit einem Psychologen zusammen. Auf der Suche nach den geeigneten Klängen orientiert sich Teie etwa an Lauten einer Mutter, die zärtlich mit ihrem Jungtier kommuniziert. Dann seien die Rhythmen gleichmäßig, der Ton sanft, und die Intervalle nicht nur konsonant, sondern sogar in Tonarten, sagt Teie. Kein Wunder also, dass seine Musik Tiere beruhigt.

Die Idee, für Tiere zu komponieren, hatte Teie ursprünglich, da ihm die Tiere im Zoo leidtaten. Da er zu wenig Geld hatte, beschloss Teie, erstmal  Aufmerksamkeit mit seinen Kompositionen für Haustiere zu erlangen. Wer seinem Hund eines der Musikstücke vorspielen möchte, kann das unter diesem Link.

Wie schlimm ist laute Musik für Hunde?

Hunde hören um einiges besser als wir Menschen. Sie können höhere Schallfrequenzen wahrnehmen. Wir Menschen können bei gutem Gehör bis zu 20.000 Hertz wahrnehmen, manche Hunderassen bis zu etwa 45.000 Hertz. Daher können sie zum Beispiel Hundepfeifen gut hören, welche wir nur leise wahrnehmen. Je höher der Ton, desto besser hören ihn Hunde.

Dazu sind Hunde sehr gut im Selektieren von Geräuschen. Angenommen, es läuft in der Wohnung Musik, der Hund döst. Plötzlich raschelt es in der Küche – und der Hund ist sofort wach und läuft zum potentiellen Futter. Hunde können einige Geräusche, die für sie nicht relevant sind, also einfach ausblenden – bis ein für sie ein relevantes Geräusch entsteht.

Doch was bedeutet das für das Hören unserer lauten Musik?

Grundsätzlich gilt: Alles, was laut ist, ist für den Hund unangenehm. Das gilt nicht nur für laute Musik, sondern auch für lautes Streiten. Wenn der Staubsauger oder Föhn läuft, stresst das manche Hunde. Daher gilt: Wer seinen Hund wenig stressen will, sollte darauf achten, dass der Geräuschpegel in der Wohnung moderat bleibt. Staubsaugen kann man auch in einem geschlossenen Raum, in dem sich der Hund nicht aufhält. Und die Lieblingsmusik im Auto dreht man am besten dann auf, wenn der Hund nicht dabei ist.

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