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Tierverhalten Überlebensstrategie im Winter: Pfeifhasen fressen Kot

Schwarzlippiger Pfeifhase, Ochotona curzoniae, im Gras
Um den Winter zu überleben, frisst der Schwarzlippige Pfeifhase den Kot von Yaks
© mauritius images / John Holmes / Alamy
Um lange und harte Winter zu überleben, haben Tiere die unterschiedlichsten Strategien gefunden. Manche ziehen um, andere verstecken sich oder halten Winterschlaf. Anders der Schwarzlippige Pfeifhase: er frisst den Kot von Rindern

Im Südwesten Chinas lebt weit oben auf dem mehr als 4500 Meter hoch gelegenen Tibet-Plateau ein kleines Säugetier. Sein Name: Schwarzlippiger Pfeifhase. Der kleine Nager bringt maximal 350 Gramm auf die Waage und muss im Winter mit eisiger Kälte zurechtkommen. In den Wintermonaten können die Temperaturen auf dem Tibet-Plateau auf minus 30 Grad Celsius fallen.

Um solche Bedingungen zu überleben hat der Schwarzlippige Pfeifhase, wissenschaftlich Ochotona curzoniae, eine erstaunliche Strategie entwickelt. Das Tier frisst den herumliegenden Kot von Yaks, einer asiatischen Rinderart, die ebenfalls auf dem Tibet-Plateau lebt.

Herausgefunden hat dies ein Forschungsteam um den Biologen John R. Speakman von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, welches die Pfeifhasen auf dem Tibet-Plateau über 13 Jahre lang beobachtete und ihr Verhalten dokumentierte. Ihre Beobachtungen veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift "PNAS".

Rinder-Kot enthält wertvolle Nährstoffe

"Zuerst glaubte uns niemand, mit dem wir gesprochen haben, die Geschichte, dass Schwarzlippige Pfeifhasen Yak-Kot fressen", erzählt John Speakman gegenüber National Geographic. Zu unglaubwürdig erschien Expertinnen und Experten diese eigentümliche Überlebensstrategie.

Bei genauerer Betrachtung macht das Verhalten des Pfeifhasen jedoch durchaus Sinn: Der Dung enthält nicht nur für den Pfeifhasen wertvolle Nährstoffe, sondern ist dazu in der kargen Landschaft der Hochebene auch in ausreichender Menge verfügbar - während andere Nahrungsquellen ausgesprochen rar sind.

Neben dem Fressen von Rinder-Kot konnte das Forschungsteam noch eine weitere Methode nachweisen, mit der der Schwarzlippige Pfeifhase sein Überleben sichert: Das Tier fährt in der kalten Jahreszeit seinen Stoffwechsel runter und verbraucht so rund 30 Prozent weniger Energie als während des restlichen Jahres. Das schafft es, indem es seine Körpertemperatur absenkt und sich insgesamt weniger bewegt. Entscheidend dafür seien die leicht verfügbaren Yak-Fäkalien, welche der Schwarzlippige Pfeifhase auch als Vorrat in seinem Bau zu horten scheint.


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