Theraphosa blondi Diese Vogelspinnenart ist die größte Spinne der Welt

Theraphosa blondi - die größte Spinne der Welt auf einem holtstück
Theraphosa blondi gilt als größte Spinne der Welt. Gewicht und Ausmaße ähneln dem eines kleinen Nagetiers
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Die Goliath-Vogelspinne ist eine sagenumwobene und furchteinflößende Krabblerin. Sie erreicht einen Durchmesser von bis zu 30 Zentimetern, wenn sie ihre Beine ausstreckt. Damit gilt sie als größte Spinne der Welt

Wenn es Nacht wird in den feuchten, tropischen Tieflandregenwäldern Südamerikas, dann wird eine der größten Spinnenarten der Welt aktiv. Im Schutz der Dunkelheit verlässt die Goliath-Vogelspinne ihren Unterschlupf, meist eine Erdhöhle im weichen Waldboden, und geht auf Nahrungssuche.

Theraphosa blondi ist – wenn sie ihre Beine ausstreckt – größer als ein gewöhnlicher Essteller und ausgewachsen so schwer wie ein kleines Nagetier. Tatsächlich hat sie keinerlei Schwierigkeiten, auch mal eine Maus zu vernaschen. Menschen, die unter Arachnophobie, also der Angst vor Spinnen leiden, würden beim Anblick dieser Gigantin vermutlich sofort Reißaus nehmen.

Verteidigung mit Wurfgeschossen

Der Körper der Vogelspinne wirkt massiv und überraschend kräftig gebaut, als wäre er eher für ein Säugetier gemacht als für eine Spinne. Dicht an dicht stehen die Haare auf ihrem Panzer, einige davon feine Waffen: Spezielle Brennhaare mit kleinen Widerhäkchen kann die Spinne bei Gefahr wie unsichtbare Pfeile durch die Luft ihrem Gegner entgegenschleudern. Gelangen diese Wurfgeschosse in Augen oder Schleimhäute, verursachen sie starke Reizungen, Juckreiz und Entzündungen – ein effektiver Schutz gegen Fressfeinde.

Die meisten Spinnen verfügen über acht Augen

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Von wegen furchteinflößend: Wer sich Spinnen nähert, taucht ein in eine spektakuläre Welt und kann gar nicht anders, als die Achtbeiner schätzen zu lernen

Ist der Angreifer noch nicht beeindruckt, richtet sich die Goliath-Vogelspinne auf, hebt die Vorderbeine und präsentiert ihre Beißklauen, mit denen sie mühelos den Panzer eines Käfers oder die Schuppen einer kleinen Schlange durchdringen kann. Die Drohgebärde wirkt in Kombination mit der Körpergröße durchaus einschüchternd. Zusätzlich kann die Vogelspinne zischende Geräusche erzeugen, indem sie spezielle Borsten an den Beinen aneinanderreibt. Dieses "Stridulieren" verstärkt den Warncharakter ihrer Drohhaltung.

Trotz ihres Namens frisst die "Vogelspinne" nur selten Vögel – die Bezeichnung geht historisch auf frühe Beobachtungen zurück, bei denen man eine große Spinne beim Verspeisen eines kleinen Vogels entdeckte. Auf dem Speiseplan von Theraphosa blondi stehen vor allem Insekten, andere Spinnen, Würmer und größere Wirbellose, aber auch kleine Wirbeltiere wie Frösche, Eidechsen, junge Schlangen und gelegentlich kleine Nagetiere oder Jungvögel.

Reglos wartet sie in ihrem Versteck in der Erde auf das leise Vibrieren des Bodens, auf das Rascheln vorbeihuschender Beute. Erst wenn der richtige Moment gekommen ist, schießt die Spinne blitzschnell vor und packt die Beute mit ihren Vorderbeinen. Hat sie ihre Beute gefangen, pumpt die Spinne Verdauungssekrete über ihre Beißklauen hinein, die das Beutetier von innen verflüssigen.

Größte Spinne der Welt ist für Menschen nicht lebensgefährlich

Auch wenn die Goliath-Vogelspinne furchteinflößend wirkt: Gegenüber Menschen ist die Spinnenart eher scheu. Bei Störungen versucht sie in der Regel zuerst, in ihren Bau oder ins schützende Unterholz zu flüchten, statt anzugreifen. Nur wenn sich die Riesenvogelspinne in die Enge gedrängt fühlt oder nicht mehr ausweichen kann, setzt sie ihre Drohgebärden und Verteidigungsstrategien ein.

Für den Menschen ist die Spinne aber auch dann nicht lebensbedrohlich. Bisse sind entsprechend selten und betreffen fast ausschließlich Situationen, in denen die Spinne unsachgemäß bedrängt oder angefasst wurde. Sie werden häufig eher mit einem Bienenstich verglichen – unangenehm, aber nicht gefährlich, sofern keine Allergie vorliegt.

Deutlich problematischer können bei häufigem Kontakt ihre Brennhaare sein. Gelangen die Haare auf die Haut, können sie starken Juckreiz, Brennen, Rötungen und teils kleine Bläschen oder Pusteln verursachen, die über Stunden bis zu einen Tag anhalten können. Besonders kritisch ist der Kontakt mit Augen, Nase, Mund oder Atemwegen: Hier können die Widerhaken zu schmerzhaften Reizungen, Entzündungen, Schwellungen und im ungünstigen Fall Hustenanfällen sowie Atemproblemen führen, wenn Haare eingeatmet werden.

Bei Menschen, die regelmäßig mit Brennhaaren in Kontakt kommen, kann sich die Empfindlichkeit steigern – vergleichbar mit einer Allergieentwicklung. Dann können die Haare stärkere Reaktionen auslösen, bis hin zu asthmatischen Beschwerden oder chronisch gereizten Atemwegen bei entsprechend veranlagten Personen.

Wichtige Rolle im Ökosystem

Große Vogelspinnen wie Theraphosa blondi sind im Regenwald wichtige Prädatoren und tragen entscheidend dazu bei, Insekten‑ und Kleintierpopulationen im Gleichgewicht zu halten. Als nachtaktive Lauerjäger erbeuten sie eine Vielzahl von Wirbellosen und kleineren Wirbeltieren und verhindern so, dass sich einzelne Arten übermäßig stark vermehren.

Indem sie schwächere oder unaufmerksame Tiere fressen, wirken sie außerdem als "Gesundheitspolizei" und stabilisieren die Gemeinschaft ihrer Beutetiere. Gleichzeitig dienen sie selbst als Nahrung für größere Räuber wie bestimmte Schlangen, Vögel oder Säugetiere und sind damit ein fest integriertes Glied im Nahrungsnetz des tropischen Regenwaldes.

Steckbrief: Theraphosa blondi

  • Deutscher Name: Goliath-Vogelspinne, Riesenvogelspinne
  • Wissenschaftlicher Name: Theraphosa blondi
  • Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
  • Körperlänge: bis etwa 12 Zentimeter
  • Beinspannweite: bis rund 30 Zentimeter
  • Gewicht: etwa 150 bis 200 Gramm
  • Färbung: dunkelbraun bis schokoladen- oder kaffeebraun
  • Verbreitung: nördliches Südamerika (u. a. Brasilien, Venezuela, Guyana, Suriname, Französisch-Guayana)

Hinweis: Zwar erreicht die Laotische Riesenkrabbenspinne Heteropoda maxima eine noch größere Beinspannweite (bis zu 35 Zentimeter), doch Theraphosa blondi hält Rekorde bei Körpermasse und Körpergröße und wird daher meist als "größte Spinne der Welt" bezeichnet.