Skurrile Mimikry Diese Spinne imitiert einen tödlichen Pilz – um sich zu tarnen

Täuscht eine Pilzinfektion vor: die Spinne Taczanowskia waska aus dem Regenwald Ecuadors
Täuscht eine Pilzinfektion vor: die Spinne Taczanowskia waska aus dem Regenwald Ecuadors
© David Diaz-Guevarra
Im südamerikanischen Regenwald wurde eine neue Spinne entdeckt, die vorgibt, von einem Pilz befallen zu sein. Ein Verhalten, das bei Spinnen nie zuvor beobachtet wurde

Im südamerikanischen Regenwald haben Forschende eine ungewöhnliche Entdeckung gemacht: Sie stießen nicht nur auf eine bislang unbekannte Spinnenart – sie beschreiben auch einen bislang einzigartigen Fall von Mimikry: Die neue Spinnenart Taczanowskia waska imitiert einen Pilz, der andere Spinnen befällt.

Der Fund gelang den Expertinnen und Experten im Llanganates-Sangay-Korridor an der Grenze zwischen den östlichen Anden und dem Amazonas-Regenwald. Die Region zählt zu den artenreichsten Gegenden der Erde.

Der Achtbeiner ahmt mit seinem Körperbau nicht irgendeinen Pilz nach – sondern einen Pilz der Gattung Gibellula. Mit Sporen infizierte Spinnen sterben schließlich, aus ihrem Hinterleib wachsen Sporenkörper, aus denen die nächste Generation Sporen an die Umgebungsluft abgegeben werden.

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Nicht nur mit ihrem Aussehen – den verlängerten Strukturen am Hinterleib und einer hellen, pilzähnlichen Oberfläche –, auch mit ihrem Verhalten imitiert die Spinne befallene Tiere. Bei seiner Entdeckung, so berichten es die Forschenden, verharrte das Tier reglos an der Unterseite eines Blatts. Und verhielt sich damit genau wie tatsächlich befallene Spinnen.

Warum Taczanowskia waska den Pilzbefall vortäuscht, ist nicht restlos geklärt. Die Forschenden vermuten, dass die Mimikry gleichermaßen dem Schutz vor Fressfeinden und der eigenen Jagd dient: Für Räuber könnte ein Tier, das "verpilzt" aussieht, weniger interessant sein – während die Spinne ihrerseits von potenziellen Opfern nicht für voll genommen wird. 

Citizen-Science lieferte den ersten Hinweis

Die Gattung, zu der die neu entdeckte Spinne gehört, ist kaum erforscht – unter anderem, weil die Tiere bislang nur selten beobachtet werden konnten. Auf die Spur der neuen Spezies kamen die Forschenden dank engagierter Laien, die im Portal "iNaturalist" ein Bild gepostet hatten. Was aussieht wie eine von einem parasitären Pilz befallene Spinne, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als eine bislang unbekannte Spinnenart aus der Gattung Taczanowskia.

"Solche Funde zeigen, welchen Wert wissenschaftliche Sammlungen haben", sagt die an der Entdeckung beteiligte Biologin Nadine Dupérré vom Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) in einer Pressemitteilung. "Sie ermöglichen es, neue Arten einzuordnen und mit historischem Material zu vergleichen. In Kombination mit internationaler Zusammenarbeit und Citizen-Science eröffnen sich so neue Möglichkeiten, Biodiversität zu erforschen."

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© Richard Kirby / The Australian National University
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© Bild: Richard Kirby / The Australian National University; Video: Wildlife Messengers

Die neu entdeckte Mimikry ist nur eine von zahlreichen verblüffenden Überlebensstrategien im Reich der Spinnen. Erst kürzlich berichteten Forschende von einer winzigen Spinne, die Reste ihrer Mahlzeiten so in ihrem Netz drapiert, dass sie eine wesentlich größere Spinne vortäuscht – offenbar, um Fressfeinde zu täuschen und abzuschrecken.