Artenvielfalt Katzen schlimmer als vergleichbare Raubtiere

GPS-Daten zeigen: Katzen bewegen sich von "ihrem" Haus kaum mehr als 100 Meter weg. Und dezimieren in diesem Radius die Artenvielfalt mehr als andere Jäger
Hauskatze auf der Jagd

Die ersten Singvögel beginnen in diesen Tagen mit der Suche nach einem geeigneten Nistplatz – und werden dabei genau beobachtet: Hauskatzen mit Zugang zum Garten finden alles, was in ihrer Nähe herumflattert, kriecht und läuft, unwiderstehlich. Der WWF klagt, dass jedes Jahr in Deutschland bis zu 200 Millionen Vögel in den Krallen von Stubentigern enden. Und neben Vögeln und Mäusen fallen Katzen auch zahllose Maulwürfe, Fledermäuse, Fische, Frösche, Eidechsen, Blindschleichen, Libellen und Schmetterlinge zum Opfer.

Um Genaueres über die Gefahr für die Artenvielfalt in der Nähe von Siedlungen herauszufinden, hat nun ein internationales Forscherteam in einer Studie das Verhalten der flinken Vierbeiner unter die Lupe genommen – per GPS. Knapp 925 Tiere aus den USA, Neuseeland, Großbritannien und Australien statteten die Forscher eine Woche lang mit GPS-Trackern aus.

Was tun, wenn die Katze Vögel jagt? Das empfiehlt der WWF:

  • Rabiat, aber hilfreich: Im Mai und Juni sollten Sie Ihren Stubentiger am besten gar nicht rauslassen. Denn in dieser Zeit machen die meisten Jungvögel ihre ersten Flugversuche.
  • Kastrierte Katzen zeigen weniger Jagdlust. Außerdem trägt der Eingriff dazu bei, dass es weniger verwilderte Katzen gibt.
  • Spielen Sie mit Ihrer Katze! Stubentiger, mit denen viel gespielt wird, haben weniger Lust zu jagen.
  • Machen Sie Nistgelegenheiten und Futterplätze katzensicher. Für Baumstämme und Pfosten gibt es Manschetten aus Plastik oder Metall. Futterstellen sollten gut einsehbar sein und Katzen keine Gelegenheit bieten, sich anzuschleichen.
  • Dichtes, dorniges Gebüsch in einem naturnahen Garten, etwa aus Wildrosen oder Weißdorn, schafft natürliche Sicherheitszonen für Zaunkönig und Co.

Der Jagddruck im Garten ist enorm

Das Ergebnis verblüffte die Forscher: Denn die Satellitendaten zeigten, dass die Tiere trotz des großen Freiheitsdranges, der ihnen nachgesagt wird, sich im Schnitt kaum mehr als 100 Meter vom Haus entfernt hatten. Lediglich drei Katzen bewegten sich in einem Radius von mehr als 500 Metern von ihrem Haus. Auf dieser überraschend kleinen Fläche fingen die Katzen nach Angaben ihrer Besitzer rund 42 Beutetiere pro Jahr. Da die pelzigen Jäger aber nur einen Bruchteil ihrer Beute mit nach Hause bringen, gehen die Autoren der Studie von einer Jagdstrecke von bis zu 130 Tieren pro Katze und Jahr aus.

Katzen, so schlussfolgern die Forscher, jagen damit auf einer vergleichbaren Fläche mehr Tiere als ähnlich große, wilde Beutegreifer. Und das, obwohl sie meist zusätzlich zu Hause gefüttert werden.

"Dadurch, dass der negative Einfluss der Katzen lokal so begrenzt ist", sagt Co-Autor Rob Dunn von der North Carolina State University, "schaffen wir eine Situation, in der die positiven Aspekte von wilden Tieren, seien es Vögel mit ihrem Gesang oder Eidechsen als Schädlingsvertilger, dort am wenigsten zu finden sind, wo wir sie am meisten schätzen würden."

Verwilderte Katzen und Streuner wurden übrigens nicht erfasst. Für die Besitzer aller anderen hat der Zoologe Roland Kays, der Erstautor der Studie, nur einen Rat: "Lassen Sie ihre Katze im Haus."