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Bauen Holzbau im großen Stil schädigt die Natur – wir sollten davon absehen, den Wald zu opfern

Bauen: Holzbau im großen Stil schädigt die Natur – wir sollten davon absehen, den Wald zu opfern
© Tomasz Zajda /Adobe Stock
Helfen Holzhäuser wirklich gegen den Klimawandel? Nein, meint Katharina Schmitz – und plädiert deshalb für einen anderen Weg in der Bauwende

Wer Häuser aus Holz baut, hilft dem Klima – logisch, oder? Schließlich ist Holz ein nachwachsender Rohstoff. Verbautes Holz speichert CO2; es kann klimaschädlichen Beton und Stahl ersetzen. Zusätzlich werden neue Bäume aufgeforstet, die wiederum CO2 speichern. Ein Einfamilienhaus soll so zur CO2-Senke werden, also "klimapositiv". Deswegen fordert etwa der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber eine solche "Bauwende": "Mit regenerativer Architektur könnten wir uns quasi aus der Klimakrise herausbauen." Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes, unterstützt Schellnhubers Anliegen, ebenso die Bundesvorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock. Ein großes Ding also.

Katharina Schmitz, Redaktionsleiterin bei GEO, ist verantwortlich für das Ressort »Natur und Nachhaltigkeit«
Katharina Schmitz, Redaktionsleiterin bei GEO, ist verantwortlich für das Ressort »Natur und Nachhaltigkeit«
© Julian Rentzsch

Ich halte die Idee jedoch für gefährlich. Denn: Wo sollte das Holz für die Bauwende herkommen? Aus Deutschland lieber nicht: Fast 80 Prozent der Bäume hierzulande sind laut Bundeswaldinventur geschädigt. Seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984 sind diese Werte sehr viel schlechter geworden. Dabei brauchen wir den Wald: Weil er die Landschaft kühlt, Schatten spendet, Wasser speichert. In Deutschland ist es bereits 1,5 Grad Celsius heißer als vor 100 Jahren, in Bayern liegen wir bei 1,7 Grad.

Alter Wald speichert besonders viel CO2

Auch im Ausland ist Holz für eine "globale Bauwende" nicht zu holen: Die Holznachfrage steigt, doch der Wald stirbt überall durch Brände, Dürren, Stürme und Käferplagen. In fast allen Erdregionen wird der Wald immer jünger. Aber als Verbündeter in der Klimakrise muss er alt werden dürfen, biomassereich, totholzreich, wasserreich. Denn alte Wälder speichern besonders viel CO2.

Die Holzbau-Euphorie habe eine "Goldgräberstimmung" ausgelöst, fürchtet Torsten Welle, wissenschaftlicher Leiter der Naturwaldakademie. So wie einst die Pelletheizung. Auch die war nachhaltig gemeint, ist aber eine umweltschädliche Art zu heizen: Die Ernte mit Maschinen und der Transport verursachen CO2; das gilt auch für vermeintlich klimaneutrales Bauholz. All dies fließt oftmals nicht in die Bilanzen der Heizungen und Holzhäuser ein.

Ja, wir brauchen eine Bauwende. Aber ich bin für einen anderen Weg. Die Hälfte des deutschen Abfalls stammt von Baustellen. Intakte Elemente wie Fenster und Türen, aber auch Betonfertigteile werden weggeworfen statt wiederverwendet; Bauschutt wird zwar recycelt, aber oft nur niederwertig als Deponieabdichtung. Städte sind wertvolle Rohstofflager, die wir nutzen sollten. Konzepte, wie Stahl und Beton energie- und ressourcenärmer hergestellt werden, liegen längst vor. Gut gemachte Holzhäuser sind ästhetisch und können helfen, das Klima zu schützen – wenn klar ist, wo das Holz herkommt. Aber wenn wir wild drauflosbauen, opfern wir unseren wichtigsten Helfer in der Klimakrise.

Dieser Text ist Teil der Kolumne "Grüne Wiese". Sie erscheint jeden Monat im GEO Magazin.


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