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Ranking Null Punkte: Australien landet mit seiner Klimapolitik auf dem letzten Platz

Wärmekraftwerke Liddell Power Station (l.) und Bayswater Power Station: Australien will am Geschäft mit der Kohle festhalten – noch jahrzehntelang
Wärmekraftwerke Liddell Power Station (l.) und Bayswater Power Station: Australien will am Geschäft mit der Kohle festhalten – noch jahrzehntelang
© Mark Baker/AP/dpa
Der Climate Change Performance Index 2022 bescheinigt dem Land eine katastrophale Klimapolitik – obwohl die Regierung sich zur Klimaneutralität bekennt

In einem soeben veröffentlichten Klimaschutz-Index 2022 geben drei Klimaschutz-Organisationen der australischen Regierung für ihre Klimapolitik null Punkte. Damit landet Down Under auf dem letzten von 60 Plätzen.

Für Beobachter*innen der australischen Klimapolitik kommt die Bewertung wenig überraschend. Australien hat sich zwar erst im vergangenen Oktober zur Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 bekannt – allerdings ohne anzugeben, wie das Ziel konkret erreicht werden soll. Wenig glaubwürdig wirkt das Bekenntnis auch vor dem Hintergrund jüngster Ankündigungen.

So plant das Land nach Aussagen seines Ressourcenministers, noch jahrzehntelang Kohle zu fördern. "Wir haben ganz klar gesagt, dass wir keine Kohleminen und keine Kohlekraftwerke schließen werden", sagte Keith Pitt dem Fernsehsender ABC. Die Nachfrage, so Pitt, werde bis 2030 ansteigen. Wenn sein Land den Markt nicht gewinne, dann würde es ein anderes tun. Der Kohleabbau schaffe Jobs und fördere die Wirtschaft.

Einem Bündnis von 40 Ländern, die aus der Nutzung von Kohle aussteigen wollen, trat Australien ebenso wenig bei wie die Kohleländer China und die USA.

"Keine Strategie, keine Zwischenziele"

Suzanne Harter von der Australian Conservation Foundation, eine von sieben Expert*innen, die die zugrundeliegenden Daten für die Bewertung der Klimapolitik geliefert hatten, beklagt: "Es gibt keine eigentliche Strategie, keine vernünftigen Zwischenziele oder angemessene Investitionen." Zudem fehle sowohl ein Ausstiegsplan aus den fossilen Energien als auch eine CO2-Bepreisung. Zudem verlasse man sich auf Technologien, die noch nicht einmal existierten.

Die australische Regierung setzt bei der Emissionsreduktion technologisch auf Gas, Carbon Capture and Storage (CCS) und Wasserstoff. Gas hat zwar eine etwas bessere Klimabilanz als Öl oder Kohle, gilt Kritiker*innen allerdings als ebenso wenig zukunftsfähig. Beim CCS wird Kohlendioxid in der Produktion direkt aus dem Abgas gefiltert und unter der Erde verpresst. Die Technologie ist allerdings umstritten und noch nicht im großen Stil einsatzbereit – ebenso wenig wie Wasserstoff als "grüner" Treibstoff.

Der Index bewertet die Länder in insgesamt vier Kategorien. In der Gesamtbewertung schafft Australien es ebenfalls nur auf den 54. Platz. Damit wird die Leistung des Landes seit 2014 als "sehr schlecht" bewertet. Im Vergleich zum letzten Jahr rutschte Australien noch einmal um weitere vier Plätze nach unten. Auf den letzten Plätzen im aktuellen Ranking: Iran, Saudi-Arabien und Kasachstan.

Kein Land der Welt tut genug

Platz eins bis drei wurden nicht vergeben – weil laut den Autor*innen kein Land der Welt aktuell genug gegen einen gefährlichen Klimawandel unternimmt. Auf Platz vier bis sechs: Dänemark, Schweden und Norwegen.

Deutschland konnte sich im aktuellen Ranking um sechs Plätze verbessern und belegt nun vor Finnland und hinter Malta Platz 13. Gründe dafür sind unter anderem das überarbeitete Klimaschutzgesetz und die hohen Ambitionen auf der internationalen Bühne.

Der Climate Change Performance Index (CCPI) wird seit 2005 jedes Jahr von den NGOs Germanwatch, NewClimate Institute and Climate Action Network (CAN) International erstellt. Der Index macht die Klimaschutzbemühungen von 60 Ländern und der EU transparent und vergleichbar.


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