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EU-Taxonomie Greenwashing made in EU

Erdgaspipeline EUGAL im mecklenburgischen Wrangelsburg: Gas- und Öl-Importe aus Russland haben keine Zukunft
Erdgaspipeline EUGAL im mecklenburgischen Wrangelsburg: Gas- und Öl-Importe aus Russland haben keine Zukunft
© fotowunsch / Adobe Stock
Das EU-Parlament hat der Aufnahme von Gas und Atomenergie in die sogenannte EU-Taxonomie zugestimmt. Und damit Investments in diese Energieformen als "nachhaltig" gelabelt. Das ist genau das, was die Taxonomie verhindern sollte: Greenwashing

Erdgas ist genauso klimaschädlich wie Kohle oder Öl – weisen Forschende in einer aktuellen Studie nach. Es wird auch nicht dadurch zur "Brückentechnologie", dass man es verharmlosend immer wieder so nennt. Wer Gas als Übergangslösung promotet, will das Zeitalter der fossilen Energien verlängern. Reminder: Der Welt bleiben zum Einhalten des Pariser 1,5-Grad-Limits nur wenige Jahre. Wie wäre es da mit ein bisschen Atomenergie? Fürs Klima nicht schlecht, könnte man argumentieren. Wäre da nicht die immer noch ungeklärte Endlagerfrage: ein giftiges Erbe für Generationen.

Von solchen kleinlichen Einwendungen gegen beide Energieformen hat sich das EU-Parlament nicht beirren lassen. Nach dem Willen der Abgeordneten sollen Gas und Atomkraft nun als "nachhaltig" eingestuft werden – durch die Aufnahme in die "Verordnung (EU) 2020/852 des Europäischen Parlaments und des Rates vom Juni 2020 über die Einrichtung eines Rahmens zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen", kurz EU-Taxonomie. Der technisch anmutende Schritt soll private Investitionen anlocken. Aber eben nicht irgendwelche. Sondern solche, die auf das Thema Nachhaltigkeit einzahlen.

So weit, so sinnvoll. Doch mit der Annahme durch das EU-Parlament wird das eigentliche Ziel der Taxonomie pervertiert.

Weder Gas noch Atom sind auch nur im weitesten Sinne nachhaltig. Gas nicht, weil bei seiner Verbrennung das Klimagas Kohlendioxid freigesetzt wird. Und weil die Investitionen in Gas-Infrastruktur eine Energiewende ausbremsen, die gerade jetzt einen Booster braucht. Und Atomkraft? Sie als "klimafreundlich" zu bezeichnen, mag noch angehen. Schließlich hat selbst ein Super-GAU kaum unmittelbaren Einfluss auf das Klima. Es gehört allerdings viel Fantasie dazu, sich vorzustellen, was an ihr "nachhaltig" sein soll – außer dass das ungelöste Endlagerproblem noch Generationen nachhaltig beschäftigen wird.

Greenwashing per EU-Verordnung

Statt einen Goldstandard für nachhaltige Finanzen zu schaffen, haben Kommission und Parlament die EU-Taxonomie nun in ein Instrument für genau das verwandelt, was sie ausdrücklich verhindern soll: Greenwashing.

Seriöse Investmentfonds, die mit "Nachhaltigkeit" werben, verzichten mit gutem Grund auf fossile Energien und Atomkraft in ihrem Portfolio. Nun sind der Markt und seine Kriterien für Privatanleger*innen ohnehin schon schwer zu durchschauen. In Zukunft könnte es für Menschen, die mit gutem Gewissen mit ihrem Geld Rendite erzielen wollen, noch schwieriger werden, zwischen "nachhaltigen" und "nachhaltigen" (nach EU-Standard) Anlageprodukten zu unterscheiden.

Wer übrigens glaubt, die Entscheidung von Kommission und Parlament sei nur der Energieunsicherheit infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine geschuldet, irrt: Lange bevor Putins Panzer rollten, zeichnete sich ab, dass der Widerstand gegen die Adelung eines fossilen, klimaschädlichen Energieträgers und gegen die Renaissance der Atomkraft auf EU-Ebene nicht ausreichen würde.

Die EU-Kommission verschiebt die Lösung immer drängender werdender Probleme auf die Zukunft. Und das ist geradezu prototypisch nicht-nachhaltig.


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