VG-Wort Pixel

Schleswig-Holstein Erneut Rotmilane vergiftet: Wer tötet die geschützten Greifvögel?

Rotmilan
Greifvögel geraten oft in die kreisenden Rotoren. Weil sie bei der Suche nach Beutetieren vor allem den Boden fest im Blick haben
© Russell Watkins / shutterstock
In Schleswig-Holstein wurden erneut streng geschützte Rotmilane vergiftet. Der oder die Täter sind bislang unbekannt. Doch für Naturschützer liegt das Motiv liegt auf der Hand

Im nördlichsten Bundesland Schleswig-Holstein kommt es immer wieder zu rätselhaften Straftaten: Unbekannte legen offenbar vergiftete Köder aus und töten so unter anderem Rotmilane, streng geschützte Greifvögel. Erst kürzlich wurden einem NDR-Bericht zufolge mehrere verendete Tiere entdeckt. Zwei von ihnen wurden nachweislich mit dem verbotenen Herbizid E605 vergiftet. Damit erhöht sich die Zahl der Opfer seit 2017 allein in der Region südostlich von Neumünster auf elf Tiere. Zudem haben Unbekannte eine 30 Meter hohe Buche gefällt, auf der sich ein Rotmilan-Horst befand.

Rotmilan kontra Windkraft

Der Rotmilan ist einer unserer imposantesten Greifvögel – und nach europäischem und nationalem Naturschutzrecht streng geschützt. Beim Schutz der Art hat Deutschland eine besondere Verantwortung, leben doch mehr als die Hälfte aller Tiere dieser Spezies auf deutschem Boden. Sollte die Art hierzulande selten werden, wäre die Spezies vom Aussterben bedroht. Und seit einigen Jahren haben die eleganten Flieger in ihrem wichtigsten Verbreitungsgebiet einen immer mächtiger werdenden Gegner: die Windkraft.

Windkraftanlagen schießen besonders im windreichen Norden Deutschlands aus dem Boden. Und stellen eine große Gefahr für den Vogel dar. Denn Rotmilane fliegen beim Beuteflug in nur rund 50 Meter Höhe, den Blick nach unten gerichtet – und achten dabei nicht auf Windkraftanlagen. An den über 300 Stundenkilometer schnellen Rotorblättern verletzen sich darum immer mehr Tiere, viele von ihnen tödlich. Und der Ausbau der Windenergie wird von der Landesregierung von Schleswig-Holstein weiter vorangetrieben. Das ist das nächste Problem.

Was ist das Motiv für die Tötungen?

Denn wo ein Pärchen brütet, dürfen in einem Abstand von weniger als einem Kilometer keine Windkraftanlagen geplant und genehmigt werden. Die nun gefällte Buche im Kreis Ostholstein befand sich innerhalb dieses Radius eines geplanten Windkraft-Standorts. Die Sprecherin des Landesverbandes Windenergie wies gegenüber dem NDR allerdings jegliche Spekulationen zurück. Man habe keinen Vorteil durch solche illegalen Tötungen. Dasselbe gelte für das Fällen von Horst-Bäumen. Denn rechtlich werde ein mutwillig beseitigter Horst noch drei Jahre lang wie ein bestehender, weiterhin genutzer Horst behandelt.

Für Oscar Klose, stellvertretender Landesvorsitzender des Naturschutzbundes NABU in Schleswig-Holstein, ist das ein schwaches Argument. Denn der Ausbau der Windkraft ist ein langfristiges Projekt. Nach Ablauf der drei Jahre könne ein Windkraftpark problemlos in der Nähe eines verlassenen Reviers geplant und errichtet werden.

Auch wenn der oder die Täter nicht bekannt sind: Für den Naturschützer liegt der Zusammenhang von geplantem Windkraft-Ausbau und Angriffen auf die geschützten Tiere auf der Hand: "Seit dem Windkraftboom hat die Zahl der illegalen Greifvogeltötungen zugenommen." Das sei nicht wegzudiskutieren, sagte Klose gegenüber dem NDR.


Neu in Natur