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35 Jahre nach Tschernobyl Wildschweine in Bayern immer noch radioaktiv belastet

Wildschweine stehen im Wald
Erhöhte Messwerte von Radiocäsium sind bei Wildschweinen in Bayern keine Seltenheit (Symbolfoto)
© Lukaszemanphoto/Shutterstock
Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Atomunfall von Tschernobyl sind wild wachsende Pilze in Deutschland noch radioaktiv belastet – vor allem in bayerischen Regionen. Dort fressen Wildschweine diese Pilze und nehmen so die radioaktiven Stoffe über die Nahrung auf

Bayerische Wildschweine sind 35 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl noch immer radioaktiv belastet, meldet der Bayerische Jagdverband. Mancherorts seien Messwerte von 600 Becquerel Radiocäsium pro Kilogramm keine Seltenheit.

Das liege an den Lebensgewohnheiten der Wildart: Die Tiere suchen einen Großteil ihrer Nahrung im Boden. Wurzeln, Engerlinge oder Pilze stehen bei den Schweinen auf dem Speiseplan. Vor allem Pilze sind ein guter Speicher für das radioaktive Isotop Cäsium-137, berichtet das Bundesamt für Strahlenschutz. Wer seine persönliche Belastung verringern möchte, sollte in besonders stark belasteten Gegenden auf selbstgepflückte Pilze oder selbsterlegtes Wild verzichten.

Verkauf von hochbelastetem Fleisch verboten

Damit Verbraucher kein zu stark belastetes Wildfleisch essen, darf kein Fleisch verkauft werden, das den Radiocäsiumgehalt von 600 Becquerel pro Kilogramm überschreitet. In der 90er-Jahren hat der Bayerische Jagdverband damit begonnen, ein flächendeckendes Netz an Radiocäsium-Messstationen aufzubauen. Mittlerweile gibt es in ganz Bayern 124 solcher Messstationen – das sei das dichteste Netz in Deutschland, heißt es vom Bayerischen Jagdverband.

Am 26. April 1986 kam es in Reaktor-Block 4 des Atomkraftwerkes Tschernobyl zum bisher schwersten Unfall in der Geschichte der Kernenergie. Durch die Katastrophe wurden weite Teile von Russland, der Ukraine und Belarus verseucht.

Reisen in die Geisterstadt

Durch radioaktiven Niederschlag und Windverfrachtung gelangten radioaktive Stoffe in viele Länder Europas. In Deutschland gehörte Bayern zu den besonders betroffenen Gebieten.

Mittlerweile sind  Reisen in die Sperrzone des Unglücks wieder möglich. Touristen können in geführten Touren die Hauptstraßen der Geisterstadt Prypjat besuchen. Die Stadt beheimatete damals fast 50.000 Menschen und liegt in der heute unbewohnbaren 30-Kilometer-Zone um das Kraftwerk.


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